Zurück ins Training
Ich war früher regelmäßig im Fitnessstudio. Nichts Extremes, aber konstant genug, um Fortschritte zu sehen und eine Routine zu haben. Irgendwann ist das gekippt. Erst einzelne Einheiten ausgelassen, dann ganze Wochen. Am Ende war der Gang ins Fitnessstudio kein fester Bestandteil mehr. Trainiert hat am Ende vor allem mein Konto!
Der Grund war nicht fehlendes Interesse am Training, sondern der Aufwand drum herum. Nach der Arbeit noch ins Studio fahren, zu Stoßzeiten trainieren, Geräte wechseln oder warten. Alles Dinge, die einzeln banal sind, aber in Summe dafür sorgen, dass man es immer öfter sein lässt.
Die naheliegende Lösung wäre, sich selbst ein Home-Gym zusammenzustellen. Hantelbank, Langhantel, Gewichte, vielleicht noch ein Kabelzug, reichen für viele Übungen, brauchen aber Platz, den man nicht unbedingt zuhause hat. Alternativ gibt es kompakte All-in-One-Systeme wie das Speediance Gym Monster 2, die möglichst viele Übungen in einem einzigen Gerät bündeln und sich im Idealfall sogar wieder verstauen lassen.
Kennengelernt habe ich das Gerät erstmals auf der IFA. Kurz ausprobiert, technisch interessant, aber schwer einzuschätzen, wie viel davon im Alltag wirklich relevant ist. Einige Zeit später stand es dann zuhause und konnte genau das zeigen, was auf der Messe offen blieb.
Der Test sollte deshalb weniger klären, was das Gerät theoretisch kann. Sondern wie viel sich im Alltag tatsächlich daraus herausholen lässt und vor allem, ob es am Ende genau das erreicht, woran ich vorher gescheitert bin, nämlich wieder regelmäßig zu trainieren.
Was das Speediance Gym Monster 2 eigentlich ist
Das Speediance Gym Monster 2 ist im Kern ein Kabelzug mit elektronisch erzeugtem Widerstand. Trainiert wird über zwei Kabelzüge, die sich sowohl am Boden als auch an den vertikalen Schienen des Geräts befestigen lassen. Dadurch lassen sich Zugrichtungen von unten, oben und auf Schulterhöhe realisieren.
In Kombination mit Zubehör wie einer Langhantelstange, Griffen, Seilen oder sogar einer Ruderbank deckt das Gerät damit einen Großteil klassischer Kraftübungen ab.

Statt Gewichtsscheiben gibt es zwei 800 W Elektromotoren, die den Zug auf den Kabeln erzeugen. Jeder Motor liefert bis zu rund 50 Kilogramm Widerstand, kombiniert also maximal etwa 100 Kilogramm Gesamtlast.
Die Anpassung erfolgt dynamisch in kleinen 0,5 Kilogramm Schritten. Das ist deutlich feiner als bei klassischen Hanteln, wo man meist in 2,5- oder 5-Kilo-Schritten arbeitet. Zusätzlich lässt sich der Widerstand nicht nur statisch einstellen, sondern auch während der Bewegung verändern. Neben einem klassischen Modus gibt es Varianten, bei denen sich das Gewicht etwa beim Absenken erhöht oder mit zunehmender Bewegung ansteigt.

Gesteuert wird das Gym Monster 2 über einen 21,5 Zoll Touchscreen direkt am Gerät. Hier werden Gewichte eingestellt, Trainingsmodi gewählt und Workouts gestartet. Ergänzt wird die Bedienung durch einen Bluetooth-Ring, mit dem sich der Widerstand während der Übung aktivieren oder anpassen lässt, ohne zum Bildschirm greifen zu müssen.
Lieferung und Aufbau
Bevor man überhaupt trainiert, muss das Gerät erstmal an seinen Platz und an der Stelle zeigt sich schnell, dass "kompakt" relativ ist. Das Gym Monster 2 kommt in mehreren großen Paketen auf einer Palette und bringt mit rund 78 Kilogramm ordentlich Gewicht mit. Allein bewegen ist praktisch ausgeschlossen, vor allem wenn Treppen ins Spiel kommen.

Der eigentliche Aufbau ist dagegen überraschend unkompliziert. Das Gerät kommt größtenteils vormontiert und es muss im Grunde nur die Bank zusammengesetzt werden. Nach dem Einschalten erfolgt die Einrichtung über das Touchdisplay. Das Gym Monster 2 läuft auf einem Android-basierten Betriebssystem, entsprechend vertraut wirkt die Bedienung. Menüs, Navigation und Einstellungen funktionieren ähnlich wie auf einem großen Tablet.
Zusätzlich lässt sich das Gerät mit der Speediance-App für Android und iOS verbinden. Darüber können Trainingsdaten eingesehen, Workouts geplant und Fortschritte verfolgt werden. Notwendig ist die App nicht, sie ergänzt das System aber sinnvoll, wenn man seine Einheiten auch außerhalb des Geräts im Blick behalten möchte. Nach 20 Minuten ist alles bereit für das erste Training.

Im Raum wirkt das Gym Monster 2 deutlich aufgeräumter als ein klassisches Home-Gym. Zusammengeklappt nimmt es mit 0,37 x 0,69 x 1,85 Meter vergleichsweise wenig Platz ein und lässt sich bei Bedarf über zwei kleine Rollen sogar etwas verschieben. Ausgeklappt wächst es in der Tiefe auf 1,22 Meter, mit ausreichend Bewegungsraum für die meisten Übungen.
Die Verarbeitung macht dabei einen soliden Eindruck. Nichts wirkt wackelig, die Mechanik läuft sauber und auch der Bildschirm fügt sich gut ins Gesamtbild ein.

Die ersten Workouts verlangen Eingewöhnung
Die ersten Einheiten mit dem Gym Monster 2 verlangen vor allem Eingewöhnung. Nicht an die Übungen selbst, sondern an das Gerät. Am Anfang klickt man sich noch durch Menüs und probiert aus, welche Einstellung passt. Bei den Übungen selbst hilft die Videobegleitung, die zu Beginn jeder Übung das benötigte Zubehör und Kabelposition erklärt, aber auch die korrekte Durchführung der Übung zeigt.

Anders als beim Kabelzug mit freien Gewichten liegt der Widerstand nicht dauerhaft an, sondern wird aktiv zugeschaltet. Man bringt sich erst in die Startposition, aktiviert dann das Gewicht und startet damit gleichzeitig die Wiederholung oder den Satz. Parallel läuft ein Timer mit, der Pausen und Belastung sauber trennt.
An der Stelle ist auch der Bluetooth-Ring unverzichtbar. Über das Display zu starten funktioniert zwar, ist aber je nach Übung schlicht unpraktisch. Wer unter der Stange liegt oder in der Kniebeuge steht, will nicht erst wieder aufstehen, um einen Button zu drücken. Mit dem Ring lässt sich das Gewicht direkt in der Bewegung aktivieren, pausieren oder anpassen, sodass der Trainingsfluss nicht unterbrochen wird.

Ganz perfekt ist die Ring-Lösung aber nicht. Der Ring sitzt recht stramm am Finger und wirkt etwas klobig, gerade bei längeren Einheiten. Dazu kommt, dass die Bedienung recht sensibel ist. Es passiert gelegentlich, dass man ihn versehentlich auslöst und das Gewicht aktiviert, obwohl man noch nicht bereit ist. Gefährlich wurde das im Test zwar nie, sorgt aber gerade am Anfang für einen kurzen Schreckmoment.
Nach etwa einer Woche sitzt das meiste. Man weiß, wo man drücken muss, welche Kabelposition passt und welches Setup für die eigenen Übungen funktioniert. Ganz ohne Unterbrechung läuft das Training aber nicht. Je nach Übung müssen die Kabel neu positioniert oder Zubehör gewechselt werden. Das geht zwar schneller als im Fitnessstudio, unterbricht den Trainingsfluss aber trotzdem regelmäßig.
Wie sich das Training anfühlt
Bei vielen Übungen kommt das Gym Monster 2 einem klassischen Kabelzug sehr nahe. Rudern, Curls, Trizepsdrücken oder auch viele Schulterübungen fühlen sich sauber und kontrolliert an. Der Widerstand ist gleichmäßig, lässt sich durch feine Gewichtsschritte gut dosieren und reagiert nahezu direkt auf jede Bewegung. Man vergisst doch recht schnell, dass hier keine Gewichte bewegt werden.
Sobald es in Richtung klassischer Grundübungen geht, wird der Unterschied deutlicher. Beim Bankdrücken oder bei Kniebeugen fehlt dieses typische Gefühl einer schweren Hantel. Es gibt keine Trägheit, kein leichtes Nachschwingen, kein Eigengewicht, das stabilisiert werden muss. Auch schwungvolle Bewegungen oder Lifts fühlen sich dagegen weniger natürlich an, weil die Motoren nicht auf jede schnelle Lastveränderung sofort reagieren.
Das macht das Training berechenbarer, aber auch weniger roh. Man arbeitet weniger gegen eine bewegte Masse und mehr gegen einen gleichmäßigen Zug. Wer aus dem freien Training kommt, merkt diesen Unterschied sofort.
Hinzu kommt die Führung über die Kabel. Der Widerstand kommt je nach Setup nicht exakt von oben oder unten, sondern leicht versetzt. Dadurch müssen Bewegungen bewusster ausgeführt werden, weil kleine Ungleichgewichte schneller auffallen. Gleichzeitig fühlt sich nicht jede Übung exakt so an wie ihr Pendant im Fitnessstudio.
Fünf Monate später
In den letzten fünf Monaten wurde das Gym Monster 2 Teil meiner Routine. Zwar nicht täglich, dafür konnte ich aber drei wöchentliche Trainingseinheiten in einen Alltag einbauen. Für mich war das auch der größte Vorteil des Geräts, denn schnell und einfach lostrainieren zu können hat dafür gesorgt, dass ich überhaupt drangeblieben bin.
Mit der Zeit wird auch klar, welche Funktionen wirklich relevant sind. Die mehr als 300 geführten Workouts, von Kraft über HIIT bis hin zu Cardio, sind vor allem am Anfang hilfreich. Man probiert sich durch, bekommt ein Gefühl für die Möglichkeiten und entdeckt neue Übungen. Nach ein paar Wochen bin ich aber ganz automatisch zu eigenen Trainingsplänen beziehungsweise dem freien Modus übergegangen.

Ähnlich verhält es sich mit den smarten Funktionen. Das Gerät liefert eine solide Auswertung der Trainingseinheiten, ersetzt aber nicht die eigene Einschätzung. Getrackt werden unter anderem Wiederholungen, Bewegungsumfang, Geschwindigkeit und Kraftverteilung. Daraus entstehen Schätzwerte für die Maximalkraft sowie Vorschläge für zukünftige Gewichte.
Zusätzlich lassen sich über BLE Fitnessuhren koppeln, sodass beispielsweise die Herzfrequenz in die Auswertung einfließt. Die meisten dieser Funktionen sind ohne Abo nutzbar. Optional gibt es mit "Wellness+" ein kostenpflichtiges Modell, das unter anderem KI-generierte Trainingspläne, zusätzliche Inhalte und erweitertes Tracking wie Ernährungsprotokollierung bietet.
Was mir persönlich an der "Smartness" gefehlt hat, ist eine echte Kontrolle der Ausführung. Das Gerät erkennt zwar, dass man trainiert, aber nicht, ob eine Übung technisch sauber ausgeführt wird. Der Assist-Modus hilft an dieser Stelle nur bedingt. Er funktioniert eher wie ein Spotter, der eingreift, wenn das Gewicht zu hoch gewählt ist, ersetzt aber kein Feedback zur Technik.

Über die Zeit fallen auch kleinere Schwächen auf. Einige Zubehörteile, etwa die Einhandgriffe, wirken weniger hochwertig als der Rest und zeigen schneller Abnutzung. Mit zunehmendem Trainingsfortschritt rückt außerdem die Widerstandsgrenze von rund 100 Kilogramm näher. Für viele reicht das aus, wer allerdings schwer trainiert, stößt hier früher oder später an Grenzen.
Auch softwareseitig wäre mehr möglich gewesen. Trotz Android-Basis bleibt das System geschlossen. Eigene Apps lassen sich nicht installieren, was gerade für zusätzliche Tracking- oder Fitness-Apps interessant gewesen wäre. Auch eine direkte Integration von Streaming-Diensten wie Spotify fehlt. Eigene Musik lässt sich nur über Bluetooth von externen Geräten abspielen.











