xTool F2: Unboxing und erster Eindruck
Mit Abmessungen von lediglich 175 × 237 × 334 Millimetern fällt der xTool F2 deutlich kompakter aus als die größeren Systeme des Herstellers. Während etwa der bereits von uns getestete xTool S1 (hier zum Test) einen festen Platz in der Werkstatt benötigt, verschwindet der F2 nach getaner Arbeit problemlos im Schrank oder Regal.

Der Lieferumfang umfasst neben dem Gerät selbst das Netzteil, eine herausnehmbare Arbeitsplatte, einen Positionierungswinkel, Materialproben sowie das notwendige Zubehör für die Abluftführung. Die Verarbeitung hinterlässt einen hochwertigen Eindruck. Das Gehäuse besteht überwiegend aus Aluminium, sämtliche Bedienelemente wirken robust und der integrierte Tragegriff unterstreicht den mobilen Charakter des Lasers.
Positiv ist außerdem, dass der F2 vollständig vormontiert ausgeliefert wird. Nach dem Entfernen der Transportsicherungen und dem Anschluss der Stromversorgung kann unmittelbar die Einrichtung beginnen.

xTool F2: Zwei Laser, Diode und IR
Um unterschiedliche Materialien bearbeiten zu können, verwendet der xTool F2 einen 15 Watt Diodenlaser und einen zusätzlichen 5 Watt Infrarotlaser mit einer Wellenlänge von 1064 Nanometern.
Der Diodenlaser übernimmt die klassischen Aufgaben. Dazu gehören Gravuren auf Holz, Leder, Papier, Schiefer oder dunklen Acrylmaterialien. Auch kleinere Schneidarbeiten sind möglich.

Der Infrarotlaser erweitert das Einsatzspektrum auf Metalle wie Edelstahl, Aluminium und Messing sowie verschiedene Kunststoffe, die der Diodenlaser nicht bearbeiten kann. Komplizierte und zeitraubende Umbauten, um zwischen den Lasern zu wechseln, sind nicht notwendig. Beide Laser sind integriert und der Wechsel erfolgt automatisch.
xTool F2: Kleine Arbeitsfläche, bewusst gewählt
Mit 115 x 115 Millimetern fällt die Arbeitsfläche zunächst ernüchternd klein aus. Wer bislang mit einem offenen Rahmenlaser oder einem größeren System wie dem xTool S1 gearbeitet hat, muss sich umstellen. Größere Schilder, Dekoration oder umfangreiche Schneidprojekte lassen sich auf der Standard-Arbeitsfläche schlicht nicht realisieren.

Allerdings sollte man den F2 nicht nach denselben Kriterien bewerten wie einen klassischen Werkstattlaser. Für typische Gravurobjekte reicht die Fläche problemlos aus. Hundemarken, Schlüsselanhänger, Messer, Kugelschreiber, Metallkarten, Schmuck oder Visitenkarten passen problemlos in den Arbeitsbereich.
Optional bietet xTool eine Slide Extension an, die den Arbeitsbereich auf 400 x 115 Millimeter erweitert. Dadurch lassen sich auch längere Werkstücke bearbeiten. Dennoch bleibt der Fokus klar auf kleineren Objekten.

xTool F2: Software bleibt eine Stärke
Die Software gehört weiterhin zu den größten Stärken von xTool. Die Benutzeroberfläche von xTool Studio ist übersichtlich aufgebaut und eignet sich sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Anwender. Unterstützt werden Windows und macOS, Linux bleibt dagegen außen vor.

Eine alternative Software, wie z. B. LightBurn, das auch unter Linux laufen würde, gibt es derzeit nicht. Wer sich für das Gerät entscheidet, arbeitet daher zwangsläufig mit xTool Studio, weshalb ich hier gerne den Vergleich mit Apple ziehe. Die Geräte von xTool überzeugen vor allem qualitativ, gleichzeitig erkauft man sich den Komfort und die Einfachheit mit fehlender Offenheit.

Auf der anderen Seite bietet xTool Studio einen Funktionsumfang, für den man bei anderen Herstellern häufig mehrere Programme benötigt. Projektverwaltung, Materialbibliothek, Kamerapositionierung, Gerätesteuerung und grundlegende Bildbearbeitung sind in einer einzigen Anwendung vereint.
Hinzu kommt eine umfangreiche Materialdatenbank mit vorkonfigurierten Einstellungen für zahlreiche Werkstoffe sowie eine große Vorlagenbibliothek, die besonders Einsteigern den Einstieg erleichtert und Inspirationen liefert. Eigene Projekte lassen sich komfortabel organisieren, speichern und später erneut aufrufen.

Neuere KI-Funktionen erweitern den Funktionsumfang zusätzlich. So können beispielsweise Hintergründe entfernt, Motive erweitert oder einfache Grafiken per Texteingabe erstellt werden. In der Praxis funktionieren diese Werkzeuge durchaus ordentlich und können den Workflow beschleunigen.
Etwas schade ist allerdings, dass die KI-Funktionen nicht im Kaufpreis enthalten sind. Stattdessen werden Credits benötigt, die separat erworben werden müssen. Angesichts des nicht gerade günstigen Anschaffungspreises des F2 hätte ich mir zumindest ein großzügiges Freikontingent oder eine dauerhafte Basisnutzung gewünscht.

Die Verbindung zwischen Laser und Software erfolgt über WLAN oder kabelgebunden per USB.
xTool F2: Kamera und Autofokus
Während viele günstigere Lasergravierer bei der Positionierung von Werkstücken weiterhin auf Augenmaß setzen, erstellt der F2 mit Hilfe einer 50 MP Kamera ein hochauflösendes Vorschaubild des Arbeitsbereichs. Grafiken und Texte können anschließend direkt auf dem Kamerabild platziert werden.
Statt Positionen auszumessen oder Testläufe durchzuführen, wird das Motiv einfach auf dem Bildschirm an die gewünschte Stelle gezogen. Über den zusätzlichen Autofokus wird die Laseroptik automatisch auf die Werkstückhöhe eingestellt. Besonders bei Einzelstücken und wechselndem Material spart die Kombination enorm viel Zeit.
xTool F2: Praxistest
Wie schon erwähnt, versteht sich der xTool F2 in erster Linie als Gravurlaser. Entsprechend lag der Fokus im Praxistest weniger auf Schneidprojekten, stattdessen auf dem Gravieren unterschiedlicher Materialien.

Gravuren auf Holz
Den Anfang machten Gravuren auf Sperrholz und Massivholz mit dem 15 Watt Diodenlaser. Logos, Schriftzüge und filigrane Grafiken sind für den xTool F2 kein Problem. Die kann er sauber und kontrastreich auf so ziemlich jede Holzart brennen.
Besonders positiv fällt die hohe Arbeitsgeschwindigkeit des Galvo-Systems auf. Während klassische Diodenlaser ihren Laserkopf über X- und Y-Achsen bewegen müssen, wird der Laserstrahl beim F2 über Spiegel gelenkt, was nochmal deutlich flotter ist. Einen gravierten Schlüsselanhänger aus Massivholz fertigte der F2 im Test in weniger als einer Minute, womit auch kleinere Serien schnell umgesetzt sind.
Dünnes Sperrholz mit 1,5 Millimetern Stärke kann der F2 sauber in einem Durchgang ausschneiden, ist aber wegen der eher kleinen Arbeitsfläche nicht die Kernkompetenz. Für kleine Anhänger, Namensschilder oder Dekoelemente reicht die Schneidleistung des F2 jedoch vollkommen aus.

Gravuren auf Leder
Leder zählt zu den Materialien, die sich besonders gut mit Diodenlasern bearbeiten lassen. Unabhängig von Farbe und Oberfläche entstehen saubere, kontrastreiche Gravuren mit guter Detailwiedergabe. Selbst kleinere Schriftgrößen und filigrane Motive werden präzise dargestellt.
Auch wenn die Gravur auf Holz und Leder nur wenig Zeit in Anspruch nimmt, entsteht dabei ein deutlich wahrnehmbarer Geruch. Für den Einsatz in Innenräumen empfiehlt sich daher eine Abluftführung ins Freie oder die Verwendung des optional erhältlichen Luftfilters von xTool.

Gravuren auf Metall
Beim Gravieren von Metall kommt vor allem der 5 Watt Infrarotlaser zum Einsatz. Eine Besonderheit des Infrarotlasers sind sogenannte Anlassfarben auf Edelstahl. Durch die gezielte Veränderung der Materialoberfläche entstehen je nach Geschwindigkeit und Leistung unterschiedliche Farbtöne, ohne dass es dafür Farbe oder eine Beschichtung braucht.

Die Ermittlung der passenden Einstellungen erfordert zwar etwas Geduld und mehrere Testläufe, die Ergebnisse können sich jedoch sehen lassen. Von Gold- und Bronzetönen bis hin zu Blau- und Violettschattierungen sind je nach Material verschiedene Effekte möglich. Die Vorlagen über xTool Studio helfen dabei, die passenden Einstellungen zu finden.
Auf eloxiertem Aluminium werden Schriftzüge und Logos gestochen scharf dargestellt. Selbst kleine Texte bleiben problemlos lesbar.

Gravuren auf Kunststoff
Auch verschiedene Kunststoffe lassen sich mit dem xTool F2 bearbeiten. Der Infrarotlaser eignet sich besonders gut für Markierungen auf technischen Bauteilen, Werkzeugen oder Gehäusen.
Wie bei allen Lasern gilt allerdings, dass Kunststoff ist nicht gleich Kunststoff ist. Die Ergebnisse hängen stark von Materialzusammensetzung und Farbgebung ab. Vor jedem Projekt empfiehlt sich daher ein Test auf einem Reststück.
Gravuren auf Glas mit dem Rotary
Zum Test des optionalen Rotary-Moduls habe ich außerdem ein Weinglas graviert. Glas gehört bekanntermaßen nicht zu den Materialien, die sich mit einem Diodenlaser direkt bearbeiten lassen. Deshalb kam eine spezielle Laser-Markierfolie zum Einsatz, die vor der Gravur auf das Glas aufgebracht wird.

Die Einrichtung des Rotarys gestaltete sich unkompliziert. Nach dem Anschluss an den F2 und der Aktivierung in der Software war das Weinglas innerhalb weniger Minuten eingespannt. Die Kamerafunktion steht in diesem Betriebsmodus zwar nicht mehr in vollem Umfang zur Verfügung, die Positionierung gelang dennoch problemlos und die Gravur kam am Ende ohne Verzerrung aufs Glas.
Wer regelmäßig Trinkgläser, Wein- und Sektgläser, Flaschen oder Thermobecher personalisieren möchte, sollte das Rotary-Modul daher fest einplanen. Gerade für Hochzeiten, Firmengeschenke oder Veranstaltungen eröffnet die Erweiterung zusätzliche Möglichkeiten, die gut zum mobilen Charakter des F2 passen.
Allerdings zeigt sich hier auch eine Einschränkung der kompakten Bauweise. Mit einer maximalen Bearbeitungshöhe von 120 Millimetern sind nicht alle Gefäße problemlos kompatibel. Größere Trinkflaschen oder besonders hohe Gläser können je nach Form an die Grenze stoßen.
xTool F2: Zubehör
Generell bietet xTool ein umfangreiches Zubehörangebot für den F2. Neben dem Rotary-Modul stehen unter anderem eine Slide Extension zur Vergrößerung der Arbeitsfläche sowie ein Luftfilter für den Einsatz in Innenräumen zur Verfügung. Sämtliche Erweiterungen werden von xTool Studio unterstützt und lassen sich ohne Bastelaufwand in Betrieb nehmen.

Wie schon bei der Software zeigt sich allerdings auch hier die Kehrseite des geschlossenen Ökosystems. Das Zubehör ist hochwertig und durchdacht, bewegt sich preislich jedoch auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Wer den Funktionsumfang des F2 vollständig ausschöpfen möchte, sollte die Kosten für mögliche Erweiterungen daher von Anfang an in die Kalkulation einbeziehen.
xTool F2: Sicherheit

Trotz seiner kompakten Abmessungen handelt es sich beim xTool F2 um einen Laser der Klasse 4. Entsprechend sollte das Gerät nicht als harmloses Bastelwerkzeug betrachtet werden.
Für die Sicherheit sorgen ein geschlossenes Gehäuse, ein Not-Aus-Schalter sowie ein USB-Sicherheitsschlüssel, ohne den sich der Laser nicht starten lässt.

Sobald Zubehör wie die Slide Extension oder das Rotary-Modul verwendet wird, lässt sich die Schutzhaube je nach Werkstück nicht mehr vollständig schließen, weshalb man zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen treffen sollte. Hier empfiehlt sich eine zertifizierte Laserschutzbrille, die sowohl für den 455 nm Diodenlaser als auch den 1064 nm Infrarotlaser geeignet ist. Schade, dass xTool eine solche Schutzbrille nicht serienmäßig beilegt.












