UV-Druck kommt in den Maker-Bereich
Bislang hatten wir xTool vor allem im Bereich der Lasercutter und Lasergravierer auf dem Schirm, zuletzt mit dem von uns getesteten xTool F2 (hier zum Test). Auf dem Event in Berlin hat xTool nun eine neue Produktkategorie vorgestellt. Der xTool O1 Omni ist kein weiterer Laser, sondern ein UV-Drucker, der auf möglichst viele Materialien ausgelegt ist.
Farbe, Weißdruck, Glanz, Struktur und fühlbare Reliefs landen damit direkt auf Holz, Acryl, Metall, Glas, Kunststoff oder Keramik. Aus Rohlingen werden in kurzer Zeit personalisierte Produkte, Prototypen, Schilder, Gehäuse, Geschenke oder Kleinserien.
Der O1 Omni geht damit in eine Richtung, die für Maker und kleine Kreativwerkstätten ziemlich spannend werden könnte. Nach 3D-Druck und Lasercuttern könnte UV-Druck in den kommenden Jahren das nächste große Thema im Maker-Bereich werden.

Was kann der xTool O1 Omni bedrucken?
Der O1 Omni ist im Kern ein UV-Objektdrucker. Anders als ein normaler Tintenstrahldrucker bedruckt er kein Papier, sondern fertige Werkstücke. Die Tinte wird direkt auf die Oberfläche aufgetragen und unmittelbar mit UV-Licht ausgehärtet, wodurch sie nicht erst ins Material einzieht, sondern direkt auf der Oberfläche haftet.
Bedrucken lassen sich unter anderem Acryl, Holz, Metall, Glas, Kunststoff, Keramik und Leder. Je nach Oberfläche werden Weiß, Farbe und Klarlack in verschiedenen Schichten aufgetragen. Nimmt man beispielsweise transparentes Acryl oder dunklen Kunststoff, wird Weiß häufig als Grundierung gedruckt, damit Farben kräftig wirken. Klarlack sorgt für Glanz, Schutz oder einzelne Hervorhebungen.

Auch Reliefdruck ist möglich. Der O1 Omni kann laut xTool Strukturen mit bis zu 7 mm Höhe aufbauen. Dafür werden mehrere Tintenschichten übereinander gedruckt, womit das Ergebnis nicht nur sichtbar, sondern auch fühlbar wird. Je stärker ein Relief aufgebaut wird, desto mehr Tinte und Zeit werden allerdings benötigt.
Drei Versionen im Überblick
xTool bringt den O1 Omni in drei Varianten auf den Markt. Die Unterschiede betreffen vor allem Druckköpfe, Tintenkanäle und Materialfokus.
| Modell | Single UV Edition | Dual-Head UV Edition | UV + DT Fabric Edition |
| Zielgruppe | Einstieg in UV-Druck auf festen Materialien | Fortgeschrittener UV-Druck mit Spezialeffekten | UV-Druck plus Textildruck |
| Druckkopf | 1x Epson F1080 | 2x Epson F1080 | 2x Epson F1080 |
| Auflösung | 720 x 1440 dpi | 720 x 1440 dpi | 720 x 1440 dpi |
| Tintenkanäle | CMYKWV | CMYKWV + RW/FW/FR/FY | UV: CMYKWV Fabric: CMYKWW |
| Weißtinte | Standard-Weiß | hartes Weiß und flexibles Weiß | UV-Weiß und Doppel-Weiß für Textil |
| Effektfarben | Klarlack | Klarlack, fluoreszierendes Rot, fluoreszierendes Gelb | Klarlack bei UV, Textilkanäle bei DT |
| Materialfokus | harte Materialien wie Acryl, Holz, Metall, Glas und Keramik | harte und flexible Materialien wie Acryl, Holz, Leder, Canvas und Kunststoff | harte Materialien sowie Textilien wie Baumwolle und Polyester |
| Arbeitsfläche | 330 x 122 mm / 330 x 420 mm | 330 x 122 mm / 330 x 420 mm | 330 x 122 mm / 330 x 420 mm DTG-Platte: 300 x 390 mm |
| Reliefhöhe | bis 7 mm | bis 7 mm | bis 7 mm |
| Vision-System | 1440 x 1200 dpi | 1440 x 1200 dpi | 1440 x 1200 dpi |
| Positionierungsgenauigkeit | ±0,2 mm | ±0,2 mm | ±0,2 mm |
| Vorbestellerpreis | 1.549 Euro | 2.499 Euro | 2.549 Euro |
| UVP | 2.299 Euro | 3.099 Euro | 3.199 Euro |
Die Single UV Edition ist der Einstieg. Sie arbeitet mit einem Epson-F1080-Druckkopf und nutzt CMYK, Weiß und Klarlack. Gedacht ist sie für harte Materialien wie Holz, Acryl, Metall, Glas oder Keramik. Wer vor allem Schilder, Plaketten, Handyhüllen, Schlüsselanhänger oder kleine Objekte bedrucken möchte, bekommt hier die günstigste Variante.
Die Dual-Head UV Edition nutzt zwei Epson-F1080-Druckköpfe. Zusätzlich zu CMYK, Weiß und Klarlack kommen hartes Weiß, flexibles Weiß sowie fluoreszierendes Rot und Gelb hinzu. Hartes Weiß ist für starre Oberflächen gedacht, flexibles Weiß für Materialien, die gebogen oder belastet werden. Das ist etwa bei Leder, Canvas oder weicheren Kunststoffen relevant. Die fluoreszierenden Tinten sind für Effekte unter Schwarzlicht gedacht.
Die UV + DT Fabric Edition ist die vielseitigste Variante. Sie kombiniert UV-Druck mit Textildruck. Neben harten Materialien lassen sich damit auch Baumwolle, Polyester und weitere Stoffe verarbeiten. Dafür unterstützt das Gerät DTG und DTF. Wer also nicht nur Acrylschilder oder Becher, sondern auch Shirts, Hoodies oder Taschen bedrucken möchte, braucht diese Version.
UV-Druck, UV-DTF, DTG und DTF
Beim direkten UV-Druck wird das Motiv direkt auf das Material gedruckt. Beispiele sind Acrylplatten, Holzobjekte, Metallplättchen oder Handyhüllen. Der zu bedruckende Gegenstand muss dafür in den O1 Omni passen.

UV-DTF funktioniert anders. Das Motiv wird zuerst auf eine spezielle Folie gedruckt und anschließend auf das Zielobjekt übertragen. Nach dem Übertragen bleibt im Idealfall nur das Motiv auf der Oberfläche zurück. Eine klassische transparente Stickerkante gibt es dabei nicht in derselben Form wie bei normalen Aufklebern.
DTG steht für Direct to Garment. Dabei wird direkt auf das Textil gedruckt. Das eignet sich besonders für Baumwolle und hochwertige Stoffe, bei denen der Druck möglichst weich wirken soll.
DTF steht für Direct to Film. Hier wird das Motiv zuerst auf eine Transferfolie gedruckt und anschließend mit Hitze auf das Textil übertragen. Das Verfahren ist flexibler bei verschiedenen Stoffen und eignet sich auch für Polyester oder Mischgewebe. Der Druck fühlt sich je nach Motiv stärker wie ein Transfer an, ist dafür aber vielseitig einsetzbar.

Ausrichtung über CIS Vision System
Ein wichtiger Teil der Vorführung war, wie der O1 Omni Objekte erfasst. xTool verwendet dafür einen CIS (Contact Image Sensor), der eher wie ein Scanner arbeitet und nicht wie eine einfache Kamera. Die Auflösung liegt bei 1440 × 1200 Pixel und die Positioniergenauigkeit gibt xTool mit ±0,2 mm an. Das Objekt wird dadurch verzerrungsarm dargestellt, was für eine saubere Ausrichtung des Motivs besonders wertvoll ist.

Die Bedienung läuft wie bei den anderen xTool Geräten über xTool Studio, was den gezeigten Ablauf während der Vorführung recht vertraut machte. Das Objekt wird auf die Druckfläche gelegt, optisch erfasst und anschließend in der Software angezeigt. Großes Rumgefummel mit Nachmessen, manuellem Ausrichten oder selbst gebauten Schablonen war während der Vorführung kein Thema.
Aussparungen, wie sie z. B. bei einer Handyhülle vorkommen, erkennt die Software übrigens automatisch. Für zylindrische Oberflächen wie Becher, Flaschen und ähnliche Formen gibt es einen Rotationsaufsatz. Das Objekt wird eingespannt und während des Drucks gedreht. Möglichen Versatz oder Verzerrungen gleicht CIS ebenfalls automatisch aus.

Tinte und Wartung
Die Wartung übernimmt "Smart Cycle 2.0", das Austrocknen der Farbe und Verstopfen der Düsen möglichst verhindern soll. Die Weißtinte wird im Gerät gerührt und zirkuliert, der Druckkopf bekommt einen Feuchtigkeitsschutz. Reinigung und Steuerung lassen sich außerdem per App aus der Ferne anstoßen und im Urlaubsmodus kann das Gerät auch mehrere Tage unberührt stehenbleiben.
Großes Thema bei UV-Druck sind die Tintenpreise, allerdings fallen die bei xTool eher moderat aus:
| Tinte | Farben / Variante | Menge | Einführungspreis | Spätere UVP |
| UV-Tinte | Cyan, Magenta, Gelb, Schwarz, Weiß | 125 ml | 14,99 € | 20,99 € |
| UV-Lacktinte | Lack | 125 ml | 16,99 € | 23,99 € |
| UV-Fluoreszenztinte | Gelb oder Rot | 125 ml | 20,99 € | 29,99 € |
| UV-Weißtinte für Textil- und Hartmaterialien | Weiß | 290 ml | 25,99 € | 35,99 € |
| DT-Textiltinte | Cyan, Magenta, Gelb, Schwarz | 125 ml | 13,99 € | 19,99 € |
| DT-Textil-Weißtinte | Weiß | 290 ml | 23,99 € | 32,99 € |
Konkrete Verbrauchsangaben stehen bislang zwar noch aus, ein normaler UV-Druck einer 60 x 60 Millimeter Fläche ohne Weißunterlage sollte mit den obigen Preisen aber noch unter 5 Cent liegen. Teuer wird es erst, sobald Weiß, Klarlack oder Relief ins Spiel kommen. Dann wird nicht mehr nur eine Farbschicht aufgetragen, sondern der Drucker baut mehrere Ebenen übereinander auf.
Weitere xTool-Geräte auf dem Event
Auch wenn der O1 Omni die Hauptrolle spielte, zeigte xTool in Berlin weitere Geräte aus dem eigenen Sortiment. Dazu gehörten verschiedene Lasergravierer und Lasercutter, die den bisherigen Kern des Herstellers bilden.

Ebenfalls ausgestellt waren der xTool Apparel Printer und die xTool WonderPress. Der Apparel Printer ist ein DTF-System für Textildruck. Motive werden auf Transferfolie gedruckt, mit Pulver versehen, erhitzt und später auf Textilien übertragen. xTool bewirbt das Gerät als One-Click-DTF-Workflow mit Shaker- und Ofensystem, der Druck, Pulverauftrag, Schütteln und Aushärten zusammenführt.
Die WonderPress ergänzt diesen Bereich als modulare Transfer- und Heißpressenlösung. Sie arbeitet mit bis zu 100 kg Anpressdruck und einem Temperaturbereich von 80 bis 210 °C. Neben klassischen Transfers auf Shirts oder Taschen sind je nach Modul auch 3D-Forming und ein Kreativofen-Modul vorgesehen. Damit lassen sich beispielsweise gebogene Objekte, Phone Cases, Badges oder DTF-Folien weiterverarbeiten.










