Katzenklo trifft Smart Home
Automatische Katzenklos gibt es inzwischen einige. Der Litter-Robot 4 von Whisker gehört allerdings zu den technisch fortgeschrittenen Vertretern. Statt Hinterlassenschaften mit einem Rechen durch die Streu zu ziehen, dreht sich nach dem Toilettengang die komplette Trommel. Saubere Streu wird dabei ausgesiebt, während Klumpen und Kot automatisch aus dem eigentlichen Toilettenbereich verschwinden.
Dazu kommen Sensoren, WLAN, eine App, Gewichtserfassung und verschiedene Automatikfunktionen. Ziemlich viel Technik für etwas, das bislang auch mit einer Kunststoffwanne und einer Schaufel funktioniert hat.
Mehr als zwei Monate hatte ich Gelegenheit, den Litter-Robot 4 auszuprobieren. Dabei zeigte sich allerdings recht schnell, dass die Technik nur die eine Hälfte der Geschichte ist. Die andere ist die Katze und, die kann bei dem Thema durchaus ihren eigenen Kopf haben.

Groß und kaum zu übersehen
Bevor es um die eigentliche Funktion geht, sollte man sich im Klaren sein, dass der Litter-Robot 4 mit rund 56 Zentimetern Breite, 69 Zentimetern Tiefe und knapp 75 Zentimetern Höhe recht groß ausfällt und einiges an Platz einnimmt.
Dazu braucht er einen Stromanschluss und sollte möglichst auf einem festen, ebenen Untergrund stehen. Vor dem Kauf lohnt es sich deshalb, den vorgesehenen Stellplatz unbedingt auszumessen.
Optisch hat Whisker das meiner Meinung nach trotzdem ganz gut gelöst. Durch die runde Öffnung und das weitgehend geschlossene Gehäuse wirkt der Litter-Robot eher wie ein modernes Haushaltsgerät als wie ein überdimensioniertes Katzenklo.
Die Bedienknöpfe befinden sich gut erreichbar auf der Oberseite. Dort lassen sich unter anderem Reinigungsvorgänge starten, die Streu vollständig entleeren oder WLAN und weitere Funktionen steuern.
Viel zusammenbauen muss man nicht. Der Litter-Robot kommt weitgehend einsatzbereit aus dem Karton. Streu einfüllen, mit Strom versorgen und optional mit der Whisker-App verbinden, womit es eigentlich auch schon losgehen könnte.
Das größere Problem ist allerdings die Katze.

Malu war neugierig, aber nicht überzeugt
Meine Testkatze Malu ist eine achtjährige Britisch Kurzhaar und reine Hauskatze. Bis zum Litter-Robot kannte sie ausschließlich ein klassisches Katzenklo.
Der Start machte zunächst Hoffnung. Malu war neugierig, untersuchte das neue Gerät und benutzte es in der Anfangsphase tatsächlich ein- oder zweimal. Zu diesem Zeitpunkt sah es noch danach aus, als könnte die Umstellung erstaunlich unkompliziert funktionieren.
Im Nachhinein war das vermutlich eher Neugier als echte Akzeptanz.
Sobald sie die Wahl hatte, ging Malu weiterhin lieber auf ihr gewohntes Katzenklo. Also ließ ich beide Toiletten über mehrere Wochen parallel stehen und hoffte, dass der Litter-Robot mit der Zeit interessanter werden würde.
Das passierte allerdings nicht.
Nach einigen Wochen folgte schließlich der Versuch, das klassische Katzenklo komplett zu entfernen. Irgendwann muss eine Entscheidung fallen, schließlich ergibt ein selbstreinigendes Katzenklo wenig Sinn, wenn daneben dauerhaft noch das normale Katzenklo stehen muss.
Auch das funktionierte nicht.
Nach zwei Tagen war klar, dass Malu den Litter-Robot nicht als alleinige Toilette akzeptieren würde. Das klassische Katzenklo kam zurück und wurde praktisch sofort wieder benutzt.
Damit war das Experiment Litter-Robot 4 mit Malu gescheitert.
Das ist für mich gleichzeitig eine der wichtigsten Erkenntnisse dieses Tests, denn ein technisch gut funktionierendes automatisches Katzenklo bringt wenig, wenn die eigene Katze es schlicht nicht benutzen möchte.

Zweiter Versuch mit Balu und Nala
Damit hätte der Test eigentlich enden können. Stattdessen wanderte der Litter-Robot anschließend zu Freunden, die zwei Britisch-Kurzhaar-Katzen haben.
Dort leben Kater Balu und Katze Nala, und der Unterschied zu Malu hätte kaum größer sein können.
Während Malu dem neuen Katzenklo auch nach Wochen skeptisch gegenüberstand, waren Balu und Nala praktisch ab Minute eins interessiert. Beide gingen hinein, untersuchten die Trommel und akzeptierten den Litter-Robot direkt als Katzenklo.
Keine wochenlange Annäherungsphase, kein Überreden und kein Ausweichen auf das bekannte Modell.
Damit zeigte sich ziemlich deutlich, wie individuell die Akzeptanz eines automatischen Katzenklos ist. Selbst bei Katzen derselben Rasse lässt sich kaum vorhersagen, wie sie darauf reagieren.
Malu wollte ihr gewohntes Katzenklo zurück. Balu und Nala hatten dagegen überhaupt kein Problem mit dem Litter-Robot.
Wer über den Kauf nachdenkt, sollte deshalb eine mögliche Eingewöhnungsphase unbedingt einkalkulieren und auch damit rechnen, dass sie im schlechtesten Fall gar nicht gelingt.

So funktioniert die automatische Reinigung
Hat eine Katze ihr Geschäft erledigt und den Litter-Robot verlassen, passiert zunächst nichts. Das ist Absicht, denn die Streu braucht etwas Zeit, damit Urin vernünftig verklumpen kann.
Nach der eingestellten Wartezeit beginnt sich die Trommel langsam zu drehen. Die saubere Streu läuft durch ein Sieb und wird dabei von größeren Klumpen und Kot getrennt. Die Hinterlassenschaften fallen in den unteren Bereich des Geräts, anschließend dreht sich die Trommel wieder zurück und die saubere Streu landet an ihrem ursprünglichen Platz.
Das Prinzip ist simpel, funktioniert aber ausgesprochen zuverlässig.
Während des Tests kam es nicht dazu, dass sich die Mechanik festgefahren hätte oder ein Reinigungszyklus grundsätzlich nicht funktioniert hätte.
Wichtig ist allerdings die richtige Streu. Der Litter-Robot ist auf Klumpstreu ausgelegt. Nicht klumpende Varianten oder beispielsweise grobe Holzpellets eignen sich für das Siebsystem nicht.
Auch beim Befüllen gilt, dass mehr nicht automatisch besser ist. Im Inneren befindet sich eine Markierung für den vorgesehenen Füllstand. Wird zu viel eingefüllt, kann überschüssige saubere Streu beim nächsten Reinigungsvorgang unnötig mit aussortiert werden.

Erstaunlich leise und geruchsarm
Vor dem Test hatte ich erwartet, dass ein motorisiertes Katzenklo gerade nachts ziemlich störend sein könnte. Das Gegenteil ist der Fall, denn der eigentliche Antrieb arbeitet sehr leise. Wahrnehmbar ist hauptsächlich das Geräusch der Streu, die während der Drehung durch das Sieb rieselt.
Steht der Litter-Robot nicht gerade direkt neben dem Bett, dürfte der Reinigungsvorgang in den meisten Wohnungen kaum stören.
Auch die Bewegung selbst erfolgt langsam. Mehrere Sensoren überwachen dabei den Einstiegsbereich und das Innere. Nähert sich eine Katze beziehungsweise betritt sie während eines laufenden Zyklus den Litter-Robot, wird die Bewegung gestoppt.
Während der ersten Tage ist das durchaus sinnvoll. Eine sich bewegende Katzentoilette ist schließlich nicht nur für Menschen interessant. Auch Malu beobachtete die Trommel anfangs neugierig, obwohl sie mit deren eigentlichem Einsatzzweck später wenig anfangen konnte.
Unangenehme Gerüche hält der Litter-Robot 4 gut in Schach. Kot und Urinklumpen werden nach kurzer Zeit aus der sauberen Streu entfernt, während ein Aktivkohlefilter zusätzlich gegen Geruchsbildung hilft.
Vollkommen geruchsfrei wird es damit zwar nicht, im Alltag schneidet der Litter-Robot aber deutlich besser ab als ein klassisches offenes Katzenklo.
Außen riesig, innen überraschend knapp
Ein Punkt hat mich während des Tests allerdings zunehmend gestört. So groß der Litter-Robot von außen ist, so überschaubar ist der tatsächliche Platz für die Katze im Inneren.
Die runde Einstiegsöffnung fällt zwar großzügig aus, der eigentliche Streubereich ist aufgrund der Trommelkonstruktion aber deutlich kleiner.
Bei Malu war das Platzangebot noch in Ordnung. Trotzdem wird es beim Drehen und ausgiebigen Scharren schnell eng.
Balu ist als Kater ebenfalls etwas kräftiger gebaut und bestätigt diesen Eindruck. Er kommt mit dem Litter-Robot zwar zurecht, besonders großzügig wirkt die Toilette für ihn aber nicht.
Deshalb würde ich den Litter-Robot 4 eher für kleine bis mittelgroße Katzen empfehlen.
Große Katzen und vor allem kräftige Kater, die sich vor ihrem Geschäft mehrfach drehen oder gerne ausgiebig scharren, haben vergleichsweise wenig Bewegungsfreiheit.
Das ist etwas paradox, denn man benötigt einerseits ziemlich viel Platz in der Wohnung, bekommt dafür aber nicht automatisch besonders viel Platz für die Katze.

Einmal ging etwas daneben
Ganz reibungslos verlief die kurze Nutzungsphase mit Malu ebenfalls nicht.
Bei einem ihrer ersten Versuche urinierte sie so ungünstig im vorderen Bereich, dass etwas Flüssigkeit am Einstieg vorbeilief. Ein Teil davon gelangte zwischen Trittbrett und Gehäuse und sammelte sich schließlich weiter unten im Gerät.
Bei einem normalen Katzenklo wäre das mit einmal Durchwischen erledigt gewesen. Beim Litter-Robot bedeutete es eine etwas umfangreichere Reinigungsaktion.
Positiv ist immerhin, dass sich das Gerät recht weit zerlegen lässt. Die Trommel kann aus der Basis genommen werden und auch andere Verkleidungsteile lassen sich entfernen. Dadurch kam ich an die betroffenen Stellen heran und konnte alles gründlich reinigen.
Bei Katzen, die gerne sehr weit vorne oder mit dem Hinterteil in Richtung Einstieg urinieren, sollte man diesen Punkt im Hinterkopf behalten. Whisker bietet für den Eingangsbereich verschiedene Blenden und weiteres Zubehör an, das solche Situationen besser abfangen soll.
Auch abseits solcher Missgeschicke bleibt der Litter-Robot nicht völlig wartungsfrei. Streustaub, Haare und kleinere Rückstände sammeln sich mit der Zeit an, weshalb vor allem die Gummierung im Inneren und die Sensorbereiche gelegentlich gereinigt werden sollten. Die Grundreinigung ist damit etwas aufwendiger als bei einer einfachen Kunststoffwanne, fällt dafür aber deutlich seltener an.

Whisker-App mit überraschend nützlichen Daten
Natürlich braucht ein smartes Katzenklo auch eine App, die Whisker für Android und iOS anbietet.
Auf der Startseite sieht man unter anderem, wie viel Streu sich noch im Gerät befindet, wann das Katzenklo zuletzt benutzt wurde und wann eine Leerung ansteht.
Zusätzlich erfasst der Litter-Robot das Gewicht der Katze. Das kann insbesondere bei regelmäßiger Nutzung interessant sein, weil sich Veränderungen über einen längeren Zeitraum verfolgen lassen. Einen Tierarzt ersetzt das selbstverständlich nicht, auffällige Gewichtsschwankungen können aber zumindest einen zusätzlichen Hinweis liefern.
Die Nutzungshistorie finde ich ebenfalls praktisch. Bei einer einzelnen Hauskatze sieht man beispielsweise schnell, ob und wie regelmäßig die Toilette benutzt wurde.
Bei mehreren Katzen versucht die SmartScale-Funktion, die Tiere anhand ihres Gewichts auseinanderzuhalten. Das funktioniert naturgemäß am besten, wenn sich die Katzen gewichtsmäßig deutlich unterscheiden.
Außerdem lässt sich in der App festlegen, wie lange das Gerät nach einem Toilettengang wartet, bevor der Reinigungszyklus startet. Je nach verwendeter Streu ist eine etwas längere Wartezeit sinnvoll, damit Urin sauber verklumpen kann.
Nachtlicht, Schlafmodus, manuelle Reinigung und Benachrichtigungen gehören ebenfalls zum Funktionsumfang.





