Design und Verarbeitung
Optisch bleibt der Curv 2 Flow der Designsprache der Serie treu. Ein glänzend weißes Gehäuse, klare Linien und die charakteristisch geschwungene Basisstation, die der "Curv"-Reihe ihren Namen gibt. Auf den ersten Blick wirkt alles vertraut, auf den zweiten zeigt sich jedoch, dass die neue Technik ihren Platz fordert.

Mit einer Bauhöhe von 11,9 cm gehört der Saugroboter zu den höheren Modellen am Markt. LiDAR-Turm plus komplexe Walzenmechanik brauchen Platz, der dann an anderer Stelle fehlt. Bei mir zu Hause wurde das sehr konkret, denn unter mein IKEA Besta fährt der Curv 2 Flow gerade noch so hinein. Ab dem LiDAR-Turm ist allerdings Schluss.
Modelle wie der Saros 10R oder Saros 10 mit ihren flacheren 7,98 cm sind hier deutlich im Vorteil und gleiten unter nahezu alle höhergestellten Möbel. Wer also viele niedrige Sideboards oder Sofas besitzt, sollte vor dem Kauf genau nachmessen, denn selbst ein Zentimeter kann hier entscheidend sein.

Verarbeitung und Materialqualität sind dagegen auf gewohnt hohem Roborock-Niveau. Die Spaltmaße stimmen, nichts knarzt oder wirkt klapprig und auch die Walzeneinheit selbst sitzt stabil im Gehäuse. Trotz neuer Technik fühlt sich das System ausgereift konstruiert an, auch wenn ein einfahrbarer Laserturm das Sahnehäubchen gewesen wäre.
Die Basisstation: Groß, aber durchdacht
Die All-in-One-Station beherbergt einen 4 Liter Frischwassertank und einen etwas kleineren 3 Liter Schmutzwassertank, einen 2,5 Liter Staubbeutel sowie die Reinigungs- und Trocknungseinheit für die Walze. Auf einen automatischen Reinigungsmitteldosierer verzichtet Roborock. Putzmittel muss daher klassisch manuell in den Frischwassertank gegeben werden. Eine solche Funktion hätte mit Sicherheit sehr gut zu einem Walzen-Wischsystem gepasst.

Mit ihren Abmessungen von 45 x 45 x 45 cm ist auch die Station großzügig bemessen und fällt einige Zentimeter breiter aus, als beispielsweise die Stationen der Saros 10 Reihe. Entsprechend benötigt sie ausreichend Stellfläche, sowohl in der Breite als auch in der Tiefe. Wer eine enge Nische eingeplant hat, sollte auch hier lieber Maß nehmen.
Die Bodenschale der Station ist entnehmbar und lässt sich unkompliziert unter dem Wasserhahn reinigen. Sollte trotzdem mal was danebengehen, ist das Innere der Station durch die großzügige Öffnung gut erreichbar. Versteckte Ecken, in denen sich Schmutz sammelt, gibt es kaum.
Weniger elegant gelöst ist hingegen die fehlende Kabelhalterung auf der Rückseite. Je nach Aufstellort hängt das Stromkabel sichtbar herunter, was dem ansonsten aufgeräumten Erscheinungsbild etwas die Perfektion nimmt. Hier hätte eine simple Führung oder ein Clip gereicht, um das Design stimmiger wirken zu lassen.

Das neue Walzen-Wischsystem im Detail
Roborock gilt seit Jahren als einer der Innovationsmotoren im Saugroboter-Markt. Vibrierende Moppplatten, ausfahrbare Wischelemente, automatische Moppreinigung in der Station, viele Entwicklungen wurden entweder von Roborock angestoßen oder entscheidend weiterentwickelt.
Umso spannender ist der Blick auf die neue Walzentechnologie im Roborock Curv 2 Flow, denn hier war der Hersteller ausnahmsweise nicht der Erste. Andere Anbieter hatten rotierende Reinigungswalzen bereits früher im Portfolio. Gleiches lässt sich übrigens zu Wischmopps sagen, bei denen sich Roborock etwas länger Zeit gelassen hat.

Wie funktioniert das neue Walzen-Wischsystem?
Die Funktionsweise des Walzensystems ähnelt dem, was Roborock bereits bei seinem F25 Ultra Nasssauger umgesetzt hat. Hier eben nur im kleineren Format und ohne Funktionen wie heißem Dampf. Über 8 Düsen wird die faserige Walze kontinuierlich mit Frischwasser befeuchtet.

Das Wasser wird also nicht wie bei Moppsystemen nur zu Beginn aufgetragen, sondern während der Reinigung nachgeführt. Die Walze bleibt dadurch gleichmäßig feucht, während sie mit ca. 1,5 kg Anpressdruck über den Boden rotiert.
Direkt hinter der Walze sitzt eine Abstreifkante. Während sich die Walze dreht, wird das aufgenommene Schmutzwasser sofort wieder abgezogen. Der Schmutz und abgestreiftes Wasser landen in einem separaten 80 ml Schmutzwassertank im Roboter.
Dieser befindet sich auf der Rückseite des Geräts und ist zur Reinigung oder Wartung abnehmbar. Erst wenn der Curv 2 Flow zur Station zurückkehrt, wird dieser Tank automatisch entleert und die Walze gereinigt.
Hartböden und Teppiche kann er trotz Walze in einem Durchgang bearbeiten. Dazu hebt er auf Teppichen seine Walze automatisch um 15 mm an und schiebt einen Schutz vor, sodass keine Feuchtigkeit auf den Teppich gelangt.
Fußleisten stellen auch kein Problem dar, denn die Walze sitzt auf einem Schlitten, der die Walze um einige Zentimeter seitlich aus dem Gehäuse herausfährt. Roborock bezeichnet das als "Edge-Adaptive-Funktion".
Wo das System punktet und wo nicht
Im Praxistest zeigte das Walzensystem klare Stärken, offenbart aber auch typische Grenzen dieser Bauweise.

Seine größte Stärke spielt der Curv 2 Flow bei frischen Verschmutzungen aus. Flüssigkeiten werden nicht verteilt, sondern tatsächlich aufgenommen. Im Test verschwanden Mayonnaise, Ketchup, Kaffeesatz und verschüttete Milch bereits nach einmal drüberfahren vollständig. Hier arbeitet die Walze spürbar näher an einem Nassreiniger als an einem klassischen Wischroboter mit Wischmopps, der Flüssigkeiten beim ersten Durchgang meistens nur verschmiert.
Bei eingetrockneten Flecken relativiert sich das jedoch wieder. Hartnäckige Rückstände entfernt der Curv 2 Flow nicht besser als Geräte mit klassischen vibrierenden Wischpads oder rotierenden Mopps. Mehrere Durchgänge sind hier weiterhin die Regel und selbst dann bleiben häufig noch sichtbare Kränze übrig. Mit intensivem Schrubben durch Muskelkraft konnte sich bislang kein Saugroboter messen.
Mit einer Breite von rund 27 cm deckt die Walze ordentlich Fläche ab. Der ausfahrbare Schlitten hilft dabei, auch entlang von Sockelleisten und Möbelkanten zu reinigen. Ganz so nah an die Wand wie Systeme mit aktiv ausfahrendem Wischmopp (z. B. der Saros 10R) kommt der Curv 2 Flow zwar nicht, die Randreinigung fällt insgesamt aber dennoch überzeugend aus.
Ein praktischer Vorteil gegenüber vielen Moppsystemen zeigt sich bei längeren Reinigungsfahrten. Durch die kontinuierliche Frischwasserversorgung bleibt die Walze länger feucht, sodass er seltener zur Station zurückkehren muss. Dadurch ist er auch in der Reinigungsdauer insgesamt schneller unterwegs und spart einige Minuten an Zeit.
Im Wischbild fällt allerdings auf, dass die Befeuchtung nicht über die gesamte Walzenbreite vollkommen gleichmäßig erfolgt. Teilweise bleiben leicht trockenere Linien sichtbar, was darauf hindeutet, dass einzelne Walzenbereiche zwischen den Düsen weniger Wasser abbekommen. Im Alltag ist das meist nur auf glatten oder dunklen Böden erkennbar, zeigt aber, dass die Wasserverteilung noch nicht perfekt abgestimmt ist.

Bauartbedingt sitzt die Walze hinter der Hauptbürste. Dadurch können aufgenommene Flüssigkeiten trotz leichter Anhebung der Bürsteneinheit gelegentlich an den Bürstenspitzen oder Antriebsrädern landen. Das ist kein spezielles Problem des Curv 2 Flow, sondern betrifft die meisten Saug-Wisch-Roboter mit hinten platziertem Wischsystem. Feuchter Schmutz im vorderen Bereich lässt sich naturgemäß etwas schwieriger entfernen als trockener Staub, weshalb das Wischsystem nahezu immer hinter der Hauptbürste sitzt.
Der Teppichschutz funktioniert sehr gut. Die Sensorik reagiert schnell, sodass der Roboter die Walze frühzeitig anhebt und den Tropfschutz aktiviert. Selbst hochflorige Teppiche blieben im Test durchgehend trocken, was bei klassischen Wischmoppsystemen im gleichen Szenario nicht selbstverständlich ist.

Zur Wartung lässt sich die Walze mit wenigen Handgriffen entnehmen und unter Wasser ausspülen. Haare verfingen sich im Test kaum in der Walze, was bei rotierenden Mopps häufiger vorkommen kann. Unangenehme Gerüche traten dank automatischer Reinigung und Trocknung genauso wenig auf. Anders als bei klassischen Wischmopps sollte man die Walze nicht in die Waschmaschine packen. In puncto maximaler Hygiene ist das ein kleiner Dämpfer.
Saugleistung im Test
Auf Fliesen und Parkett saugt der Curv 2 Flow selbst groben Schmutz wie Reis, Brotkrümel oder Katzenstreu souverän weg. Großer Vorteil sind hier auch die zwei statt nur eine Seitenbürsten, die den Schmutz gezielt zur Hauptbürste befördern. Die Hauptbürste selbst ist eine DuoDivide-Bürste, die Roborock nun schon seit einiger Zeit in den meisten aktuellen Modellen verbaut.
Sie besteht aus zwei getrennten Elementen, wodurch sich Haare deutlich seltener verheddern. Das bestätigte auch unser mehrwöchiger Praxistest. Haare mussten kein einziges Mal aus der Bürste gefischt werden.
Auf Teppich zeigt sich, dass hohe Pascal-Zahlen, hier 20.000 Pascal, nicht automatisch Spitzenwerte bedeuten. Den ein oder anderen Krümel hat der Qrevo Curv 2 Flow liegen lassen. Das zeigte sich vor allem auf Teppichen mit tiefer Struktur, die allgemein schwer zugänglich sind. Normale Teppiche hingegen saugt der Curv 2 Flow genauso gut wie höherpreisige Modelle.
Den herausnehmbaren Staubbehälter hat Roborock mit 324 ml trotz automatischer Absaugung in der Station großzügig dimensioniert. Wer haarende Haustiere mit viel Fellvolumen hat, wird das zu schätzen wissen!

Auch akustisch bleibt der Curv 2 Flow im Rahmen. Im Standardmodus arbeitet er angenehm zurückhaltend und stört weder Gespräche noch Fernsehen deutlich. Auf maximaler Saugstufe wird er hörbar lauter, bewegt sich aber weiterhin im typischen Bereich moderner Saugroboter.
Navigation und Hinderniserkennung
Bei der Navigation und Hinderniserkennung setzt der Qrevo Curv 2 Flow ganz klassisch auf den LiDAR-Turm und nicht etwa das kamerabasierte StarSight-System, das Roborock letztes Jahr mit dem Saros 10R einführte und das mit dem aktuellen Saros 20 in neuer Generation 2.0 fortgeführt wird.
Der LiDAR-Turm arbeitet unabhängig von Lichtverhältnissen und liefert eine sehr präzise Raumvermessung. Bereits nach der ersten Kartierungsfahrt steht eine saubere, logisch aufgebaute Karte. Räume werden korrekt getrennt, Grundrisse realistisch dargestellt und Möbel sinnvoll erkannt.
Im Alltag bewegt sich der Curv 2 Flow sehr strukturiert durch die Wohnung. Er fährt Bahnen sauber ab und vermeidet unnötige Richtungswechsel. Hier zeigt sich die Erfahrung, die Roborock über Jahre hinweg mit LiDAR-Systemen gesammelt hat, auch wenn andere Hersteller mittlerweile spürbar aufholen und an Roborocks Tür klopfen.

Bei der Hinderniserkennung arbeitet zusätzlich eine KI-gestützte Objekterkennung. Größere Gegenstände wie Schuhe, Näpfe oder herumliegende Kleidung werden in der Regel erkannt und umfahren. Liegen jedoch viele kleine Gegenstände herum, sollte man die vor dem Start lieber aufheben. Vor allem bei flachen, weißen Kabeln hat der Saugroboter im Test nicht immer zuverlässig reagiert und ist gnadenlos drübergefahren.
Absätze und Türschwellen überwindet der Qrevo Curv 2 Flow bis etwa zwei Zentimeter. Eine aktive Chassis-Anhebung wie bei manchen Flaggschiff-Modellen bietet er jedoch nicht.
App, KI-Funktionen und Bedienung
Softwareseitig liefert der Roborock Qrevo Curv 2 Flow das bekannte Roborock-Paket. Wer bereits ein Modell des Herstellers genutzt hat, findet sich in der Roborock App (Android und iOS) sofort zurecht. Die Einrichtung ist schnell erledigt, die Kartierung präzise und mehrstöckig möglich. Räume lassen sich individuell benennen, zusammenlegen oder mit unterschiedlichen Reinigungsparametern versehen.
Saugkraft, Wasserstufe, Reinigungsintensität und Anzahl der Durchgänge können raumweise angepasst werden. Gerade beim Walzensystem lohnt es sich, den Wasserfluss manuell höher einzustellen, weil der Sauger sonst gerne Wasser einspart. Natürlich sind auch No-Go-Zonen, virtuelle Wände, Zeitpläne und gezielte Zonenreinigung an Bord.
KI-Funktionen wie automatische Schmutzerkennung oder das Anheben der Seitenbürsten bei Flüssigkeiten laufen unauffällig im Hintergrund. Ergänzt wird das Ganze durch Extras wie eine Live-Video-Funktion und Haustiermodus.
Akku und Basisstation im Alltag
Der Qrevo Curv 2 Flow nutzt einen 5.200 mAh Akku und erreicht im Praxistest Laufzeiten von rund 140 bis 150 Minuten. Für Wohnungen mittlerer Größe, also etwa 80 bis 90 m², reicht das problemlos für einen kompletten Reinigungslauf. Bei größeren Flächen über etwa 120 Quadratmeter legt der Roboter automatisch eine Ladepause ein und setzt die Reinigung anschließend fort.
Nach der Fahrt übernimmt die Dockingstation die Wartung selbstständig. Das Absaugen des Staubbehälters ist kurzzeitig deutlich hörbar, dauert aber nur wenige Sekunden. Die anschließende Walzenwäsche benötigt einige Minuten, bevor die Trocknung startet. Diese läuft rund drei Stunden auf niedriger Stufe und bleibt dabei angenehm leise im Hintergrund.
Abgesehen vom Nachfüllen der Wasserbehälter und dem gelegentlichen Wechsel des Staubbeutels arbeitet das System weitgehend autonom, womit der Wartungsaufwand angenehm gering bleibt.






















