Tivique, Acemagic und die Sache mit den Modellnamen
Der Tivique LX15 Pro wird auch unter dem Namen Acemagic LX15 Pro verkauft. Acemagic kennt man vor allem aus dem Mini-PC-Bereich, wo die Marke seit einiger Zeit Geräte mit ordentlichem Preis-Leistungs-Verhältnis anbietet.
Dass der Hersteller nun auch Laptops verkauft, ist deshalb nicht völlig abwegig. Technisch ist der Sprung von Mini-PC zu Notebook kleiner, als man zunächst denkt, denn mobile AMD- oder Intel-Plattform, vieles davon kennt Acemagic bereits.
Wichtig ist aber, dass LX15 Pro nicht gleich LX15 Pro ist. Das Gerät wird mit verschiedenen Hardwarekonfigurationen angeboten. Das hier getestete Basismodell nutzt den AMD Ryzen 3 4300U. Gegen Aufpreis gibt es Varianten mit Ryzen 5 7430U oder Ryzen 7 5700U. Wer kauft, sollte also sehr genau auf die CPU achten, denn unter nahezu gleichem Namen können deutlich unterschiedliche Geräte stecken.
Verpackung und Lieferumfang
Geliefert wird der Tivique LX15 Pro unspektakulär in einem braunen Pappkarton. Das passt zur Preisklasse und ist völlig in Ordnung. Im Karton liegen das Notebook, ein 65 Watt Netzteil sowie ein separates Kleeblatt-auf-Schuko-Netzkabel.

Geladen wird nicht über USB-C, sondern über einen klassischen DC-Hohlstecker. Funktional ist das zwar kein Problem, USB-C mit Power Delivery hätte das Gerät im Alltag aber deutlich universeller gemacht.
Da die Tastatur standardmäßig im US-englischen QWERTY-Layout ausgeführt ist, legt Tivique dünne Gummiauflagen bei. Damit lässt sich das Layout optisch auf Deutsch, Französisch, Spanisch oder UK-Englisch anpassen.

Gehäuse, Verarbeitung und Haptik
Das Gehäuse besteht aus anthrazitfarbenem Kunststoff. Es wirkt schlicht und unauffällig, was ich bei einem günstigen Office-Notebook positiv sehe. Fingerabdrücke bleiben darauf kaum sichtbar zurück.
Die Materialqualität ist allerdings klar in der Einstiegsklasse angesiedelt. Der Kunststoff fühlt sich nicht billig im schlimmsten Sinne an, aber eben auch nicht hochwertig. Beim Drucktest gibt das Gehäuse sichtbar etwas nach. Besonders verwindungssteif ist das LX15 Pro also nicht.

Ein kleiner, aber ärgerlicher Punkt betrifft die Aufkleber links auf der Handballenauflage, denn die lassen sich kaum rückstandslos entfernen. Bei einem günstigen Gerät ist das kein Drama, aber es hinterlässt keinen guten Eindruck.
Das Scharnier ist recht straff. Beim Öffnen muss man den unteren Teil des Notebooks festhalten, einhändiges Öffnen ist praktisch nicht möglich. Dafür öffnet das Scharnier sauber und hält das Display stabil genug in Position.

Anschlüsse

Die Anschlussausstattung ist für die Preisklasse ordentlich. Links befinden sich:
- Kensington-Lock ja
- Ladeanschluss DC-Hohlstecker
- USB-C (USB 3.2 Gen 1)
- HDMI 1.4
- USB-A (USB 3.2 Gen 1)
Rechts gibt es:
- USB-A 2× USB 3.2 Gen 1
- microSD Kartenleser
- Audio 3,5-mm-Klinke für Kopfhörer/Mikrofon

Die Menge an USB-Anschlüssen ist erfreulich. HDMI 1.4 ist eher Basisniveau und auch dass es keine USB-C Lademöglichkeit gibt, sind hier die größten Knackpunkte. Für einen externen Full-HD-Monitor reicht HDMI 1.4 zwar aus, bei höheren Auflösungen und Bildwiederholraten wird es aber schnell eingeschränkt. Wobei gesagt sein muss, dass sich der Ryzen 3 4300U auch kaum für mehr eignet.
Einen LAN-Port gibt es nicht. In dieser Geräte- und Preisklasse ist das aber auch nicht ungewöhnlich.
Tastatur und Touchpad
Die Tastatur ist eine Full-Size Tastatur mit Nummernblock. Für Office, Tabellen und einfache Texte ist das praktisch. Das Grundlayout ist allerdings US-QWERTY. Wer blind tippt, kann Windows einfach auf Deutsch stellen und sich daran gewöhnen. Wer aber auf die Beschriftung angewiesen ist, muss zur Gummiauflage greifen.
Diese Auflagen sind dünn und sitzen brauchbar, verändern aber das Tippgefühl. Es wird weicher, etwas schwammiger und weniger direkt. Für gelegentliche Nutzung ist das noch akzeptabel, wer aber täglich viele Seiten Text schreibt, wird sich vermutlich eine Tastatur direkt im QWERTZ-Layout wünschen. Eine Sache, die der Tastatur außerdem fehlt, ist eine Hintergrundbeleuchtung.

Das Touchpad ist schön groß, aber nicht besonders hochwertig. Windows-Gesten funktionieren grundsätzlich, Klicks fühlen sich aber nicht sehr präzise an. Für längeres Arbeiten würde ich eine externe Maus empfehlen.
Display
Tivique verbaut ein unbekanntes 15,6 Zoll IPS-Panel mit 1920 × 1080 Pixeln und 60 Hz. Damit bekommt man zumindest die richtige Grundausstattung mit Full HD, IPS statt TN und keine völlig unbrauchbaren Blickwinkel.

Im Alltag wirkt das Display reaktionsfreudig und für Office, Browser, YouTube und einfache Bildbetrachtung reicht es völlig aus. Die Farbabstimmung ist allerdings sichtbar warm. Daran muss man sich erst gewöhnen. Über den AMD-Grafiktreiber lassen sich Farbtemperatur, Sättigung und Kontrast noch etwas anpassen, was auch empfehlenswert ist.
Die Helligkeit reicht für Innenräume aus. In einem Büro oder helleren Arbeitszimmer kann man gut arbeiten. Im Dunkeln lässt sich die Helligkeit weit genug reduzieren, sodass das Panel nicht unangenehm blendet.
Im Freien ist das Display dagegen nur eingeschränkt nutzbar. Bei Sonne sollte man sich definitiv ein schattiges Plätzchen suchen.
Webcam und Lautsprecher
Oberhalb des Displays sitzt eine 1 MP Webcam mit 1280 × 720 Pixeln. Die Qualität ist erwartbar einfach und reicht für kurze Videocalls, aber nicht mehr. Positiv ist die mechanische Abdeckung, die per Schieber rechts neben der Kamera aktiviert wird.

Die Lautsprecher sitzen links und rechts im Gehäuse. Sie reichen für Systemtöne, YouTube und einfache Videocalls. Klanglich sollte man aber mit wenig Bass, begrenzter Lautstärke und einer eher dünnen Wiedergabe rechnen.
Innenaufbau und Hardware
Die Unterseite lässt sich über 11 Schrauben öffnen. Das ist erfreulich unkompliziert. Unter der Kunststoffabdeckung befindet sich zusätzlich ein eingeklebtes Gitter als Staubschutz.

Im Inneren sieht man den 54,72 Wh Akku, links und rechts die kleinen Lautsprecher sowie die eigentliche Hardware. Positiv fällt auf, dass Tivique nicht alles verlötet hat.
Verbaut sind:
- 512 GB KEYWA KY510 M.2 SATA SSD (2 Slots)
- WLAN Realtek RTL8821CE
- RAM 1× 16 GB DDR4-2666 SO-DIMM (2 Slots)
- Akku 54,72 Wh
Der freie RAM-Slot ist einer der größten Pluspunkte. Ab Werk läuft der Speicher nur im Single Channel, was besonders die integrierte Radeon-Grafik ausbremst. Mit einem zweiten passenden 16 GB DDR4 SO-DIMM-Modul lässt sich Dual Channel aktivieren.

Die SSD ist eine M.2 SATA-SSD und keine NVMe-SSD. Realistisch sind also grob 450 bis 550 MB/s beim Lesen und etwas weniger beim Schreiben. Für Alltag und Office reicht das, moderne NVMe-SSDs sind aber deutlich schneller.

Ryzen 3 4300U
Der AMD Ryzen 3 4300U ist kein neuer Prozessor mehr, aber für ein günstiges Notebook weiterhin interessant. Er besitzt 4 Kerne, aber kein SMT, also nur 4 Threads. Das unterscheidet ihn deutlich von größeren Ryzen-Modellen wie dem 4500U, 5500U oder 5700U.

Für einfache Alltagsaufgaben reicht die Leistung, bei stärkerem Multitasking merkt man aber die Grenze. Viele Browser-Tabs, Windows-Updates im Hintergrund und parallel noch eine größere Installation können das System ausbremsen.
Im Vergleich zu den sehr günstigen Intel-N100-, N95- oder N97-Geräten fühlt sich der Ryzen 3 4300U im Alltag aber oft erwachsener an, vor allem wenn genug RAM vorhanden ist.
WLAN und Bluetooth
Beim Funkmodul setzt Tivique auf den Realtek RTL8821CE. Der unterstützt Wi-Fi 5 / 802.11ac und Bluetooth 4.2. Für Surfen, Streaming und Office reicht Wi-Fi 5 aus. Wer aber hohe WLAN-Geschwindigkeiten, bessere Stabilität oder moderne Standards wie Wi-Fi 6 erwartet, bekommt sie hier nicht.
Auch Bluetooth 4.2 ist eher alt. Maus, Tastatur und Kopfhörer funktionieren, aber Reichweite und Effizienz sind nicht auf aktuellem Niveau.
Benchmarks und Gaming
Der Ryzen 3 4300U liegt bei der Leistung über klassischen Billig-CPUs wie Celeron, N4020, N5100 oder älteren Atom-Derivaten. Gegen moderne Ryzen-5- oder Core-Ultra-Notebooks hat er aber keine Chance. Ein Ryzen 5 7430U oder Ryzen 7 5700U im gleichen Gehäuse ist stärker, aber eben auch teurer.



Gaming ist mit dem Tivique LX15 Pro nur sehr eingeschränkt möglich. Die integrierte Radeon Vega Grafik des Ryzen 3 4300U ist grundsätzlich brauchbarer als viele alte Intel-iGPUs, wird hier aber durch den Single-Channel-RAM nochmal ausgebremst.
Spiele wie ältere Strategiespiele, Hades, Stardew Valley, Terraria, Minecraft mit niedrigen Einstellungen oder ältere Klassiker sind möglich. Anspruchsvollere Titel brauchen 720p, niedrige Details und viel Geduld.
Akku und Lautstärke
Der Akku ist mit 54,72 Wh ordentlich dimensioniert. Realistisch sind etwa 5–7 Stunden bei Office-Arbeiten mit geringer Helligkeit, Videostreaming liegt bei etwa 4 Stunden und unter Last fällt die Laufzeit schnell unter 3 Stunden.
Mit einer typischen Leistungsaufnahme von rund 15 Watt ist die CPU sehr sparsam ausgelegt, was die Anforderungen an die Kühlung deutlich reduziert. Im Alltag bleibt das Gerät deshalb oft angenehm unauffällig. Bei einfachen Aufgaben wie Surfen, Office oder Videostreaming läuft der Lüfter entweder sehr leise oder schaltet sich phasenweise sogar komplett ab.
Unter Last dreht der Lüfter etwas mehr auf, bleibt aber auch noch vergleichsweise leise, mit leichtem Rauschen.







