DJI vs. Insta360
Erst am Wochenende wurde bekannt, dass DJI in den USA mehrere Klagen gegen Insta360 eingereicht hat. Grund ist ausgerechnet die neue Luna Ultra (wir berichteten), die laut DJI sowohl geschützte Designmerkmale der Osmo-Pocket-Serie als auch verschiedene Patente rund um die Gimbal-Steuerung verletzen soll. Insta360 weist die Vorwürfe zurück und hat inzwischen eine Gegenklage eingereicht. Darin wirft das Unternehmen DJI seinerseits Patentverletzungen bei Gimbal-Stabilisierung, Tracking- und Panorama-Technologien vor.
Während sich die beiden Hersteller vor Gericht bekämpfen, liefern sie sich gleichzeitig einen immer direkteren Wettbewerb im Markt für kompakte Gimbal-Kameras. Mit der Osmo Pocket 4P und der Luna Ultra stehen sich erstmals zwei technisch sehr ähnliche High-End-Modelle gegenüber.
DJI setzt auf Dual-Kamera-System und höhere Videoqualität
Die Osmo Pocket 4P folgt direkt auf die Osmo Pocket 4 und übernimmt erstmals ein Konzept, das auch die Luna Ultra verfolgt. Neben einer Hauptkamera kommt eine zusätzliche Telekamera zum Einsatz.
Verbaut sind ein 1 Zoll CMOS-Sensor mit 20 mm Weitwinkelobjektiv und f/2.0 Blende sowie eine zweite Kamera mit 60 mm Brennweite, f/1.8 Blende und einem 1/1,28 Zoll Sensor.
Bei den Videofunktionen konzentriert sich DJI weniger auf maximale Auflösung als auf Bildqualität und Flexibilität. Die Kamera zeichnet Videos mit bis zu 4K60 auf, unterstützt 4K-Zeitlupen mit bis zu 240 Bildern pro Sekunde und erreicht eine maximale Videobitrate von 180 MBit/s. Außerdem unterstützt sie DJIs D-Log 2 Farbprofil für maximalen Dynamikumfang und 10-Bit-Farbtiefe.
Hinzu kommen ein spezieller Low-Light-Modus mit ISO-Werten bis 51.200, 103 GB integrierter Speicher sowie Unterstützung für microSD-Karten mit bis zu 1 TB Kapazität.

Direktvergleich: Osmo Pocket 4P gegen Luna Ultra
Dass DJI die Luna Ultra genau beobachtet hat, lässt sich kaum übersehen. Die technischen Eckdaten beider Kameras liegen auffallend nah beieinander.
| Merkmal | DJI Osmo Pocket 4P | Insta360 Luna Ultra |
|---|---|---|
| Hauptsensor | 1 Zoll | 1 Zoll |
| Telekamera | 1/1,28 Zoll | 1/1,3 Zoll |
| Hauptobjektiv | 20 mm, f/2.0 | 20 mm, f/1.8 |
| Teleobjektiv | 60 mm, f/1.8 | 60 mm, f/2.0 |
| Maximale Videoauflösung | 4K mit bis zu 60 fps | 8K mit bis zu 30 fps |
| Zeitlupe | 4K mit bis zu 240 fps | 4K mit bis zu 120 fps |
| Low-Light-Modus | 4K mit bis zu 30 fps, ISO bis 51.200 | PureVideo mit bis zu 4K60 |
| Maximale Videobitrate | 180 MBit/s | 120 MBit/s |
| Fotoauflösung | ca. 37 MP | bis 37 MP |
| Interner Speicher | 103 GB | 47 GB |
| microSD | bis 1 TB | bis 1 TB |
| Display | 2 Zoll Touchscreen, fest verbaut | 2 Zoll OLED, abnehmbar |
| Mikrofone | 3 | 4 |
| Akkulaufzeit | bis 210 Minuten | bis 240 Minuten |
| Schnellladen | 80 % in 18 Minuten, 100 % in 32 Minuten | 80 % in 23 Minuten |
| Gewicht | 230 g | 233 bis 235 g |
| Abmessungen | 159,5 × 63,3 × 33,5 mm | 169,9 × 52,4 × 38,5 mm |
Unterschiedliche Schwerpunkte
Obwohl sich die technischen Grundlagen stark ähneln, setzen DJI und Insta360 unterschiedliche Schwerpunkte.
Insta360 positioniert die Luna Ultra als besonders innovative Creator-Kamera. Zu den wichtigsten Verkaufsargumenten zählen 8K-Aufzeichnung, Dolby Vision, 10-Bit-I-Log, KI-gestützte Bildverarbeitung und das abnehmbare Display, das gleichzeitig als Fernbedienung genutzt werden kann.
DJI verfolgt dagegen einen eher klassischen Ansatz. Statt mit maximalen Auflösungen zu werben, konzentriert sich die Osmo Pocket 4P auf hohe Datenraten, schnellere Zeitlupenfunktionen, größeren internen Speicher und eine insgesamt stärker auf professionelle Videoaufnahmen ausgerichtete Ausstattung.
Besonders die maximale Bitrate von 180 MBit/s fällt auf. Sie liegt deutlich über den 120 MBit/s der Luna Ultra und könnte bei anspruchsvolleren Produktionen Vorteile bei der Nachbearbeitung bieten.
Der spannendste Vergleich steht noch aus
Auf dem Papier liefern sich beide Kameras ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Welche Lösung am Ende die bessere ist, wird sich allerdings erst in unabhängigen Tests zeigen. Gerade bei Bildqualität, Dynamikumfang, Autofokus, Tracking-Leistung, Wärmeentwicklung und Low-Light-Performance lassen sich die Unterschiede anhand eines Datenblatts nur schwer beurteilen.
Fest steht jedoch schon jetzt, dass der Markt für Pocket-Gimbal-Kameras lange Zeit eine Ein-Mann-Show von DJI war. Mit der Luna Ultra hat Insta360 erstmals einen ernsthaften Herausforderer ins Rennen geschickt. Die nun vorgestellte Osmo Pocket 4P zeigt, dass DJI diese Herausforderung ernst nimmt und zwar nicht nur auf dem Markt, sondern mittlerweile auch vor Gericht.







