Boya Notra Neo im Test: So gut funktioniert der KI-Recorder im Messealltag auf der IFA 2026

Veröffentlicht von Timo Altmeyer am 22. September 2026

Der Boya Notra Neo zeichnet Gespräche auf, die anschließend per KI transkribiert und zusammengefasst werden. Das Konzept ist bereits von Geräten wie dem PLAUD Note bekannt, doch mit einem Preis von knapp 90 Euro fällt der Einstieg bei Boya deutlich günstiger aus. Auf der IFA 2026 habe ich das Notra Neo mehrere Tage lang im lauten Messetrubel ausprobiert.

8.2

Unsere Bewertung
Boya Notra Neo Review Hero

Boya Notra Neo: Kompakt, magnetisch und etwas kratzempfindlich

Das Notra Neo ist ein quadratisches Kästchen mit 6,3 Zentimetern Kantenlänge und gerade einmal 0,8 Zentimetern Dicke. Damit ist es klein genug, um problemlos in der Hosen- oder Jackentasche zu verschwinden oder dauerhaft am Smartphone zu bleiben.

Auf der Rückseite sitzt eine magnetische Fläche, über die sich das Notra Neo direkt an einem MagSafe-kompatiblen iPhone befestigen lässt. Für Android-Smartphones ohne Magnetring legt Boya einen aufklebbaren Ring bei. Ebenfalls im Lieferumfang befindet sich ein USB-C-auf-USB-C-Kabel zum Laden.

Boya Notra Neo Lieferumfang
Wer kein MagSafe hat, kann den mitgelieferten Magnetring nutzen.

Das Gehäuse besteht vollständig aus Kunststoff und ist in Schwarz, Weiß, Gelb und Rosa erhältlich. Mein schwarzes Testgerät musste während der IFA einige Tage im Rucksack überstehen und zeigte danach bereits mehrere sichtbare Kratzer auf der Oberfläche.

Im direkten Vergleich zu einem PLAUD Note wirkt das Notra Neo dadurch weniger hochwertig. PLAUD setzt auf ein wesentlich schlankeres und insgesamt edler wirkendes Gehäuse. Allerdings spielt Boya preislich auch in einer anderen Liga. Das Notra Neo kostet nur ungefähr die Hälfte (zum offiziellen Boya-Shop) und der funktionale Ansatz ist trotzdem sehr ähnlich.

Bedienung mit nur einer Taste

Kompliziert ist die Bedienung nicht. Tatsächlich kommt das Notra Neo mit nur einer einzigen Taste aus.

Wird sie etwa drei Sekunden gedrückt gehalten, startet die Aufnahme und eine rote LED signalisiert den aktiven Aufnahmevorgang. Ein erneutes Gedrückthalten für drei Sekunden beendet ihn wieder.

Während einer laufenden Aufnahme lassen sich wichtige Stellen mit einem kurzen Tastendruck als Highlight markieren, wodurch das Wiederfinden der Aussage erleichtert wird.

Mehr muss man am Gerät selbst im Grunde nicht machen, denn genau diese Einfachheit ist letztlich der Grund, warum man überhaupt zu einem solchen Recorder statt nur zu einer App greift.

Zwei Mikrofone plus VPU

Für die Aufnahme setzt Boya auf zwei MEMS-Mikrofone und eine VPU. Damit ist das Notra Neo etwas einfacher ausgestattet als das größere Notra oder beispielsweise ein PLAUD Note Pro, die beide vier MEMS-Mikrofone nutzen.

Boya gibt eine Aufnahmedistanz von bis zu fünf Metern an. Das größere Notra schafft laut Hersteller bis zu zehn Meter. Dazu kommen Geräuschunterdrückung, WLAN und Bluetooth sowie 8 GB interner Speicher.

Boya Notra Neo Mikrofone
Die beiden MEMS-Mikrofone sitzen hinter der Mikrofonöffnung.

In der Boya-OS-App lassen sich einige Aufnahmeparameter zusätzlich anpassen. Die Rauschunterdrückung kann gesteuert, die Mikrofonverstärkung zwischen 0 und 30 dB eingestellt und die V.C.S.-Verstärkung zwischen Niedrig, Mittel und Hoch gewählt werden.

Außerdem lässt sich das Notra Neo mit einem Bluetooth-Headset verbinden, was je nach verwendetem Headset eine bessere Sprachaufnahme ermöglicht.

Aufnahmequalität: Gut am Tisch, schwieriger im Messetrubel

Während der IFA konnte ich das Notra Neo in sehr unterschiedlichen Situationen ausprobieren. Dabei zeigte sich recht schnell, dass die Umgebung einen erheblichen Einfluss auf die Qualität hat.

An einem ruhigen Konferenztisch liefert das kleine Kästchen eine ordentliche Aufnahme. Stimmen bleiben verständlich und für anschließende Transkriptionen ist die Qualität vollkommen ausreichend. Ideal ist allerdings, wenn sich die Gesprächspartner gegenübersitzen und nicht zu weit vom Recorder entfernt sind.

Die Aufnahme klingt nicht besonders natürlich. Vor allem mit der standardmäßig aktivierten Geräuschunterdrückung bekommen Stimmen teilweise einen leicht blechernen Charakter. Für ein Interview, das anschließend als Audio veröffentlicht werden soll, wäre das Notra Neo daher nicht meine erste Wahl.

Seine eigentliche Aufgabe ist aber ohnehin eine andere, denn das Audio dient in erster Linie als Grundlage für die Transkription und dort schlägt es sich in ruhigen Umgebungen ordentlich.

Etwas anders sieht es im typischen Messetrubel aus. Auf der IFA konkurrieren Sprache, Musik, Durchsagen und die Gespräche hunderter Besucher miteinander. Hier greift die Geräuschreduzierung deutlich stärker ein und gleichzeitig nimmt die Genauigkeit der Transkription ab.

Wer das Notra Neo in solch einer Umgebung für Interviews nutzt, sollte es deshalb eher wie ein kleines Mikrofon behandeln und möglichst direkt auf den Sprecher ausrichten. Durch seine kompakte Bauweise funktioniert das sogar ziemlich gut und ist angenehmer, als dem Gesprächspartner ständig das Smartphone entgegenzuhalten.

Boya Notra Neo am Smartphone
Am Smartphone befestigt bleibt das Notra Neo jederzeit griffbereit.

Transkription mit Schwächen bei Sprecherzuordnung und Fachbegriffen

Deutsch und Englisch wurden in meinem Test grundsätzlich zuverlässig erkannt. Andere Sprachen habe ich nicht ausprobiert. Insgesamt unterstützt Boya mehr als 140 Sprachen. Die Sprache kann automatisch erkannt oder in den Einstellungen manuell vorgegeben werden.

Problematischer war die Sprechererkennung. Selbst bei einem ruhigen Gespräch mit zwei Personen wurden teilweise plötzlich drei oder sogar vier verschiedene Sprecher im Transkript angelegt. Mit zunehmendem Hintergrundlärm wird die Zuordnung noch unzuverlässiger.

Auch Fachbegriffe sind eine Schwachstelle. Bei einem Gespräch über ANKERs Thus-KI-Chip machte die Transkription daraus beispielsweise einen „TWS-KI-Chip“.

Solche Fehler sind ärgerlich, lassen sich aber zumindest nachträglich korrigieren. Sowohl das Transkript selbst als auch die daraus erzeugte Zusammenfassung können manuell bearbeitet werden.

Für normale Gesprächsinhalte ist die Erkennung insgesamt brauchbar. Wer regelmäßig Interviews mit vielen Produktnamen, englischen Fachbegriffen oder speziellen Eigennamen führt, sollte das Ergebnis aber unbedingt noch einmal gegenlesen.

Boya OS: App und Web arbeiten Hand in Hand

Nach der Aufnahme landet das Gespräch in Boya OS. Die dazugehörige App ist die zentrale Anlaufstelle auf dem Smartphone und übernimmt Übertragung, Wiedergabe, Transkription und KI-Auswertung.

Besonders gut gefallen hat mir die parallele Synchronisierung mit Boya OS Web. Aufnahmen können dadurch nicht nur auf dem Smartphone, sondern praktisch direkt am Laptop weiterverarbeitet werden, ohne Dateien erst per Kabel oder AirDrop beziehungsweise Quick Share hin und her kopieren zu müssen.

Über App und Web lassen sich Aufnahmen abspielen, transkribieren und anschließend als Zusammenfassung oder Mindmap aufbereiten. Eine integrierte Volltextsuche ermöglicht es, sämtliche Transkriptionen gezielt nach Begriffen und Gesprächsinhalten zu durchsuchen.

ChatGPT, Gemini, Claude und Grok zur Auswahl

Für die KI-Auswertung bietet Boya gleich mehrere Anbieter an. Zur Auswahl stehen ChatGPT, Gemini, Claude und Grok. Welche konkreten Modelle im Hintergrund verwendet werden, ist allerdings nicht ersichtlich. Man wählt also lediglich den Anbieter und nicht beispielsweise eine bestimmte GPT- oder Gemini-Version.

Interessant sind die zahlreichen Vorlagen. Boya liefert unter anderem Templates für Meetings und Interviews, aber auch speziellere Anwendungsfälle aus dem medizinischen und rechtlichen Bereich.

Im Kern sind diese Vorlagen nichts anderes als vorbereitete Prompts, die bestimmen, wie das jeweilige Sprachmodell eine Aufnahme zusammenfassen soll. Sehr gut gelöst ist, dass Boya diese Prompts nicht versteckt, sondern offenlegt, welche Anweisungen hinter den einzelnen Vorlagen stehen.

Das erleichtert auch das Erstellen eigener Vorlagen, etwa für wiederkehrende Interview- oder Meeting-Strukturen. So bleibt nachvollziehbar, nach welchen Vorgaben die KI ihre Zusammenfassungen erstellt.

KI-Auswertung braucht Geduld

Bei der Geschwindigkeit hat Boya allerdings noch Luft nach oben. Eine sechs Minuten lange Testaufnahme benötigte im automatischen Modus ungefähr acht Minuten, bis Transkription, Kurzfassung und Mindmap vollständig generiert waren.

Das ist vergleichsweise langsam, insbesondere wenn nach einem Meeting möglichst schnell ein Protokoll benötigt wird. Da die Verarbeitung größtenteils serverseitig erfolgt, dürfte Boya hier aber per Software nachbessern können.

Boya Notra Neo USB-C
Geladen wird seitlich per USB-C.

Kostenloser Tarif dürfte vielen bereits reichen

Wie PLAUD und andere Anbieter in diesem Bereich koppelt auch Boya einen Teil der KI-Funktionen an ein Abomodell.

Der kostenlose Starter-Tarif ist allerdings vergleichsweise großzügig und reicht für normale Nutzung vollkommen aus. Enthalten sind 320 Transkriptionsminuten pro Monat, unbegrenzter Cloud-Speicher, Unterstützung für mehr als 140 Sprachen, verschiedene Exportmöglichkeiten und zehn professionelle Vorlagen.

Für Vielnutzer bietet Boya zwei kostenpflichtige Tarife an. Pro kostet 19,99 Euro pro Monat und erhöht das Kontingent auf 1.280 Transkriptionsminuten. Zusätzlich stehen 40 professionelle Vorlagen sowie die Funktion „ASK AI“ zur Verfügung, mit der sich Fragen zu den eigenen Aufnahmen und Transkriptionen stellen lassen.

Darüber rangiert Ultimate für 34,99 Euro pro Monat. Hier entfällt das Minutenlimit vollständig. Außerdem sind sämtliche Profi-Vorlagen und ASK AI enthalten. Deutlich attraktiver werden beide Tarife bei jährlicher Zahlung. Pro kostet dann 110,99 Euro pro Jahr, was rechnerisch rund 9,25 Euro pro Monat entspricht. Ultimate liegt bei 249,99 Euro pro Jahr beziehungsweise rund 20,83 Euro pro Monat.

Wer nur gelegentlich über das kostenlose Kontingent hinauskommt, muss allerdings nicht direkt ein Abo abschließen. Zusätzliche Transkriptionszeit lässt sich auch separat kaufen.

Akkulaufzeit: Problemlos durch die IFA

Bei der Akkulaufzeit hat mich das Notra Neo positiv überrascht. Das Gerät war während meiner gesamten IFA-Woche im Einsatz und zeigte am Ende noch ungefähr 15 Prozent Restkapazität an. Natürlich lief es nicht permanent, sondern wurde immer wieder für Interviews und Gespräche verwendet.

Für den typischen Alltag mit mehreren Meetings oder Interviews sollte man sich um den Akku deshalb kaum Gedanken machen müssen. Vollständig geladen ist das Notra Neo über USB-C in ungefähr 90 Minuten.

Notra Neo

8.2

POSITIV

Einfache Bedienung

Kompakte Bauweise und MagSafe

Gute Sprachaufnahme in ruhiger UmgebungGute Sprachaufnahme in ruhiger Umgebung

Bluetooth-Anbindung für Headsets

App und Weboberfläche

Transkripte vollständig durchsuchbar

ChatGPT, Gemini, Claude und Grok

Großzügiger kostenloser Starter-Tarif

NEGATIV

Kunststoffgehäuse schnell zerkratzt

Aufnahme mit Noise Cancellation teilweise blechern

Schwächen bei Sprechererkennung und Fachbegriffen

KI-Verarbeitung teilweise langsam

FAZIT

Der größte Vorteil des Boya Notra Neo ist der Komfort. In vielen Situationen ist es einfach schneller, kurz die Taste zu drücken und aufzunehmen, statt erst das Smartphone herauszuholen, eine App zu starten und die Aufnahme später noch irgendwo hochzuladen oder weiterzuverarbeiten.

Im Test überzeugten vor allem die einfache Bedienung, die gute Akkulaufzeit und der großzügige Gratis-Tarif. Bei ruhigen Interviews am Tisch, Standbesuchen und auch bei Keynotes lieferte das Notra Neo brauchbare bis gute Ergebnisse. Erst im dichten Messetrubel mit viel Umgebungslärm gerieten Sprechererkennung und Transkription häufiger ins Straucheln. Auch Fachbegriffe sitzen nicht immer und die KI-Auswertung braucht teilweise zu lange.

Wer keine perfekte O-Ton-Aufnahme braucht, sondern einfach ein durchsuchbares Transkript seiner Meetings, macht mit dem Notra Neo wenig falsch.

PREISVERGLEICH

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Price icon 89,99€

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