Design und Verarbeitung ist Premium durch und durch
Mit dem Mate X7 zeigt HUAWEI, wie weit sich faltbare Smartphones mittlerweile entwickelt haben. Das Foldable gehört zu den besonders schlanken Vertretern seiner Klasse und vermittelt schon beim ersten Anfassen einen ausgesprochen hochwertigen Eindruck. Zusammengeklappt misst das Gehäuse gerade einmal 9,5 Millimeter, aufgeklappt sind es sogar nur 4,5 Millimeter ohne Kameramodul. Mit rund 236 Gramm fällt das Mate X7 zudem angenehm leicht aus. Im geschlossenen Zustand liegt es kaum anders in der Hand als ein herkömmliches großes Smartphone, bietet aufgeklappt aber die deutlich größere Bildschirmfläche eines kleinen Tablets.

Unser Testgerät in der Farbvariante Nebula Red macht dabei besonders viel her. Die strukturierte Rückseite mit ihrem roten Farbverlauf besteht aus einem Kunstleder beziehungsweise Silikon-Polymer und verleiht dem Smartphone eine eigenständige Optik. Gleichzeitig sorgt die Oberfläche für eine angenehme Griffigkeit und zeigt sich erfreulich unempfindlich gegenüber Fingerabdrücken. Zusammen mit dem präzise verarbeiteten Aluminiumrahmen ergibt sich ein ausgesprochen edles Gesamtbild. Spaltmaße oder unsaubere Übergänge sucht man vergeblich. Auch das große Kameramodul auf der Rückseite fügt sich stimmig in das Design ein, steht allerdings deutlich aus dem ansonsten extrem dünnen Gehäuse hervor.
Besonders beeindruckt hat uns im Test das Scharnier. Der Faltmechanismus arbeitet mit einem angenehm straffen und über den gesamten Bewegungsbereich gleichmäßigen Widerstand. Weder störende Geräusche noch ein Knarzen oder Quietschen waren festzustellen. Das Auf- und Zuklappen fühlt sich jederzeit solide und hochwertig an. Zwischen ungefähr 45 und 135 Grad lässt sich das Innendisplay außerdem stabil in verschiedenen Positionen halten. Das ist beispielsweise bei Videoanrufen oder beim Betrachten von Videos praktisch. Im geschlossenen Zustand liegen beide Gerätehälften vollkommen plan aufeinander, ohne dass ein sichtbarer Spalt zurückbleibt. Lediglich das Öffnen erfordert durch die kräftigen Magnete anfangs etwas Übung.

Auch bei der Widerstandsfähigkeit hat HUAWEI nachgelegt. Mit den Schutzklassen IP58 und IP59 ist das Mate X7 gegen Staub, zeitweiliges Untertauchen und starke Wasserstrahlen geschützt. Vollständig staubdicht ist das Foldable allerdings nicht.
Displays sind Groß, hell und mit kaum sichtbarer Falte
Das HUAWEI Mate X7 besitzt zwei LTPO-OLED-Displays, die beide mit einer adaptiven Bildwiederholrate von 1 bis 120 Hz arbeiten. Auf der Außenseite sitzt ein 6,49 Zoll großes Panel mit 2.444 x 1.080 Pixeln, das sich durch sein alltagstaugliches Seitenverhältnis auch im geschlossenen Zustand komfortabel bedienen lässt. Nachrichten schreiben, durch soziale Netzwerke scrollen oder schnell ein Foto aufnehmen funktioniert damit genauso selbstverständlich wie bei einem klassischen Smartphone. Das Außendisplay erreicht laut HUAWEI eine Spitzenhelligkeit von bis zu 3.000 Nits und bleibt auch bei kräftiger Sonneneinstrahlung hervorragend ablesbar. Geschützt wird es durch Kunlun Glass der zweiten Generation.

Aufgeklappt kommt das 8 Zoll große Innendisplay mit einer Auflösung von 2.416 x 2.210 Pixeln zum Vorschein. Die zusätzliche Bildschirmfläche macht sich besonders beim Lesen längerer Artikel, beim Betrachten von Fotos, beim Surfen und bei der parallelen Nutzung mehrerer Apps bemerkbar. Farben werden kräftig, aber dennoch angenehm dargestellt, während OLED-typisch tiefe Schwarzwerte für einen ausgezeichneten Kontrast sorgen. Mit einer angegebenen Spitzenhelligkeit von bis zu 2.500 Nits hat auch das Innendisplay genügend Reserven für die Nutzung in hellen Umgebungen. Beide Panels unterstützen den P3-Farbraum und arbeiten mit 1.440-Hz-PWM-Dimming, das insbesondere bei niedriger Helligkeit das wahrnehmbare Flimmern reduzieren soll.
Richtig überrascht hat uns allerdings die Displayfalte. Während frühere Foldables ihren Knick in der Bildschirmmitte noch vergleichsweise deutlich zeigten, ist er beim Mate X7 im normalen Betrieb kaum wahrzunehmen. Bei eingeschaltetem Display und direkter Betrachtung verschwindet die Falte optisch nahezu vollständig. Erst bei schräg einfallendem Licht oder seitlichem Blickwinkel zeichnet sich eine leichte Vertiefung ab. Auch mit dem Finger lässt sich der Übergang noch ertasten, allerdings fällt die Mulde ausgesprochen flach aus. Beim Scrollen oder Wischen über die Bildschirmmitte stört sie praktisch nicht mehr. Hier zeigt sich besonders deutlich, welche Fortschritte faltbare Displays mittlerweile gemacht haben.
Der Wechsel zwischen Außen- und Innendisplay funktioniert ebenfalls überzeugend. Anwendungen werden beim Aufklappen ohne störende Unterbrechungen auf die größere Bildschirmfläche übertragen. Gerade bei längeren Texten, Karten oder mehreren geöffneten Anwendungen möchte man die zusätzliche Fläche schnell nicht mehr missen. Das Mate X7 verbindet damit die Handlichkeit eines Smartphones mit den Vorteilen eines kleinen Tablets, ohne dass man im Alltag ständig auf das große Display angewiesen wäre.
Die Kameras sind eines der Highlights des Mate X7

Bei der Kameraausstattung spielt HUAWEI seine langjährige Erfahrung in der Smartphone-Fotografie aus. Auf der Rückseite arbeitet eine 50-Megapixel-Hauptkamera mit RYYB-Sensor, optischer Bildstabilisierung und variabler Blende von f/1.49 bis f/4.0. Dazu kommen eine 40-Megapixel-Ultraweitwinkelkamera mit f/2.2 sowie eine ebenfalls mit 50 Megapixeln auflösende Tele-Makrokamera mit optischer Bildstabilisierung und 3,5-fachem optischem Zoom. Ein zusätzlicher Sensor zur Farberfassung unterstützt eine möglichst natürliche Farbwiedergabe. Für ein derart schlankes Foldable ist diese Kameraausstattung beeindruckend und gehört zu den wesentlichen Kaufargumenten.
Die Bildqualität konnte uns im Test auf ganzer Linie überzeugen. Bei Tageslicht liefert die Hauptkamera ausgesprochen detailreiche und scharfe Aufnahmen mit einem großen Dynamikumfang. Helle Bildbereiche bleiben gut durchgezeichnet, während auch in Schatten noch zahlreiche Details erhalten bleiben. Besonders gefällt uns die Farbabstimmung, die kräftig wirkt, ohne Motive unnötig künstlich erscheinen zu lassen. Typisch HUAWEI gelingt auch die Abstimmung zwischen den einzelnen Brennweiten überzeugend. Die variable Blende erweist sich dabei nicht nur als technische Besonderheit, sondern bietet tatsächlich fotografische Vorteile. Bei Nahaufnahmen entstehen auf Wunsch natürlich wirkende Hintergrundunschärfen, ohne dass die Software den Bokeh-Effekt künstlich erzeugen muss.
Auch bei schwierigen Lichtverhältnissen zeigt das Mate X7 seine Stärken. Nachtaufnahmen überzeugen mit einer guten Balance aus Helligkeit, Detailzeichnung und Rauschunterdrückung. Dunkle Bereiche werden sichtbar aufgehellt, ohne dass die gesamte Szene ihre nächtliche Atmosphäre verliert. Gleichzeitig bleiben helle Lichtquellen vergleichsweise gut kontrolliert. Die automatische Bildverarbeitung arbeitet zuverlässig und vermeidet weitgehend den überschärften Eindruck, den manche Smartphones bei Nachtaufnahmen hinterlassen. Gerade in dieser Disziplin gehört die Hauptkamera für uns zu den überzeugendsten Eigenschaften des Geräts.
Ebenso positiv fällt die Telekamera auf. Der 3,5-fache optische Zoom ermöglicht scharfe Aufnahmen weiter entfernter Motive, wobei auch bei ungefähr fünffacher Vergrößerung noch eine hervorragende Detailzeichnung erhalten bleibt. Erst darüber hinaus werden die Eingriffe der digitalen Bildaufbereitung zunehmend sichtbar. Ab etwa zehnfacher Vergrößerung nehmen Bildrauschen und künstliche Nachschärfung erkennbar zu. Die maximal mögliche 100-fache Digitalvergrößerung ist daher eher als technische Zugabe zu verstehen. Wesentlich interessanter ist die Tele-Makrofunktion, mit der sich kleine Motive aus kurzer Distanz detailreich fotografieren lassen. Hier eröffnet das Mate X7 kreative Möglichkeiten, die bei vielen Smartphones in dieser Form fehlen.
Videos zeichnet die Hauptkamera in bis zu 4K mit 60 Bildern pro Sekunde auf. Die Kombination aus optischer und softwaregestützter Stabilisierung gleicht normale Gehbewegungen und Kameraschwenks zuverlässig aus. Auch der Autofokus arbeitet schnell und führt die Schärfe ohne auffälliges Pumpen nach. Bei Dunkelheit können schnelle Bewegungen gelegentlich leichte Mikroruckler verursachen, insgesamt hinterlässt die Videofunktion jedoch einen guten Eindruck. Für Selfies und Videoanrufe stehen sowohl auf dem Außen- als auch auf dem Innendisplay Kameras mit jeweils 8 Megapixeln bereit. Durch die Foldable-Bauweise lassen sich zudem die leistungsfähigeren Rückkameras bequem für Selbstporträts nutzen.
Leistung, Software und Akkulaufzeit im Alltag
Im europäischen HUAWEI Mate X7 arbeitet der HiSilicon Kirin 9030 Pro mit 16 GB RAM und 512 GB Speicher. Im Alltag überzeugt das Foldable mit einer flüssigen Bedienung, schnellen App-Starts und problemlosen Wechseln zwischen mehreren Anwendungen. Auch anspruchsvollere Spiele laufen mit stabilen Bildraten. Bei der Spitzenleistung bleibt der Kirin allerdings hinter aktuellen Snapdragon-Flaggschiffen zurück. Unter längerer Volllast erwärmte sich der Bereich um das Kameramodul im Test auf etwa 41 bis 43 Grad Celsius. Eine deutlichere Leistungsdrosselung trat erst bei anhaltender Belastung auf. Im normalen Betrieb blieb das Gehäuse angenehm kühl.
EMUI 15 ist gut auf das faltbare Display abgestimmt. Über die Docking-Leiste lassen sich Apps im Split-Screen öffnen und durch zusätzliche schwebende Fenster ergänzen. Gerade auf dem großen Innendisplay macht das Multitasking Sinn. Auch der Wechsel zwischen Außen- und Innendisplay funktioniert flüssig und ohne störende Unterbrechungen.
Die größte Einschränkung bleibt die fehlende native Unterstützung der Google Mobile Services. Über HUAWEIs AppGallery, den Aurora Store und microG lassen sich mittlerweile zahlreiche Android-Apps nutzen. In unserem Test funktionierten Google Maps, YouTube, Chrome und Google Drive weitgehend problemlos. Einzelne Banking-Apps, kontaktlose Bezahldienste oder Anwendungen mit strengen Sicherheitsprüfungen können jedoch Schwierigkeiten bereiten. Auch verzögerte Push-Benachrichtigungen sind möglich. Für erfahrene Nutzer sind diese Einschränkungen meist handhabbar, eine vollständig integrierte Google-Umgebung ersetzt die Lösung allerdings nicht.

Ein weiterer Kritikpunkt ist der fehlende 5G-Support. Die deutsche Version unterstützt lediglich LTE, was angesichts der UVP von 2.099 Euro enttäuscht. Dafür bietet das Mate X7 Wi-Fi 7, Bluetooth 6.0, NFC, eSIM und USB-C mit kabelgebundener Bildausgabe. Der seitliche Fingerabdrucksensor funktioniert zuverlässig.
Der 5.300-mAh-Akku brachte uns bei intensiver gemischter Nutzung beider Displays problemlos durch einen Tag. Bei überwiegender Nutzung des Außendisplays waren auch etwa anderthalb Tage möglich. Mit 66 Watt HUAWEI SuperCharge erreichte der Akku im Test nach rund 20 Minuten 50 Prozent, eine vollständige Ladung dauerte etwa 48 bis 52 Minuten. Kabellos sind bis zu 50 Watt möglich, womit eine Vollladung ungefähr 65 Minuten benötigt. Reverse Wireless Charging mit 7,5 Watt wird ebenfalls unterstützt. Ein Netzteil fehlt im Lieferumfang, dafür liegen ein passendes Schutzcase mit Metall-Kickstand und ein USB-C-Ladekabel bei.













