Hilo Band setzt auf kontinuierliche Blutdrucküberwachung

Den eigenen Blutdruck regelmäßig zu kontrollieren, ist besonders für Menschen mit bekanntem Bluthochdruck wichtig. Klassische Oberarmmessgeräte liefern dafür zuverlässige Einzelmessungen, verlangen allerdings, dass man sich bewusst Zeit dafür nimmt. Das Hilo Band, das ursprünglich unter dem Namen Aktiia bekannt wurde, verfolgt einen anderen Ansatz. Es wird wie ein gewöhnliches Armband am Handgelenk getragen und erfasst den Blutdruck automatisch über den Tag und die Nacht verteilt. Eine aufpumpende Manschette ist während der normalen Nutzung nicht erforderlich.
Technisch arbeitet das Hilo Band mit einem optischen Sensor, der Veränderungen des Blutflusses am Handgelenk erfasst. Daraus werden mithilfe eines Algorithmus und zuvor ermittelter Kalibrierungswerte die Blutdruckwerte bestimmt. Anders als bei einer Smartwatch gibt es weder ein Display noch umfangreiche Fitnessfunktionen. Das Armband konzentriert sich auf die langfristige Blutdrucküberwachung und stellt die gesammelten Informationen über eine Smartphone-App bereit. Laut Hersteller handelt es sich um ein CE-gekennzeichnetes Medizinprodukt der Klasse IIa, dessen Messverfahren nach ISO 81060-2 klinisch validiert wurde.
Vor unserem Test waren wir zunächst skeptisch, ob ein derart kleines Armband tatsächlich einen sinnvollen Beitrag zur Blutdruckkontrolle leisten kann. Schließlich gilt die Messung mit einem geeigneten Oberarmmessgerät weiterhin als bewährte Methode für die häusliche Kontrolle. Nach rund sechs Monaten mit dem Hilo Band hat sich unsere anfängliche Skepsis allerdings deutlich reduziert. Die automatische Überwachung erwies sich als ausgesprochen praktisch, auch wenn sich während des Langzeittests einige Schwächen zeigten.
Schlichtes Design und angenehmer Tragekomfort mit Einschränkungen

Optisch ist das Hilo Band ausgesprochen zurückhaltend gestaltet. Der kleine Sensorkörper sitzt an einem schmalen Silikonarmband, das über einen Pin-Verschluss befestigt wird. Auf ein Display, Tasten oder andere Bedienelemente verzichtet der Hersteller vollständig. Laut technischen Angaben wiegt das komplette Armband lediglich 16 Gramm und eignet sich für Handgelenke mit einem Umfang zwischen 140 und 210 Millimetern. Durch die kompakte Bauweise fällt es im Alltag kaum auf und lässt sich auch nachts tragen, ohne dass ein größeres Gehäuse stört.
Bei der Verarbeitung gibt es wenig auszusetzen. Das Armband wirkt ordentlich gefertigt und ist nach IP68 gegen Wasser geschützt. Händewaschen, Duschen und Schwimmen sind laut Hersteller möglich. Weniger begeistert waren wir allerdings vom verwendeten Silikonarmband. Gerade bei längerer Tragedauer entstand gelegentlich das Gefühl, dass sich darunter Feuchtigkeit sammelt. Hinzu kamen leichte Hautreizungen, wie wir sie bereits von anderen Wearables mit Silikonarmband kennen. Das ist sicherlich eine individuelle Erfahrung, zeigt aber, dass das Material nicht für jeden gleichermaßen angenehm ist.
Eine alternative Armbandvariante aus Nylon hätten wir deshalb begrüßt. Gerade bei einem Produkt, das möglichst rund um die Uhr getragen werden soll, spielt die Materialwahl eine wichtige Rolle. Insgesamt überzeugt das Hilo Band durch sein geringes Gewicht und die unauffällige Gestaltung. Beim Tragekomfort bleibt das Silikonarmband für uns allerdings ein kleiner Kritikpunkt.
Einrichtung und Verbindung mit der Hilo App

Die Inbetriebnahme verlief in unserem Test zunächst erfreulich unkompliziert. Das Hilo Band wird in die mitgelieferte Ladeschale eingesetzt und anschließend mit dem Smartphone verbunden. Über die Hilo App erfolgt die Einrichtung eines Benutzerkontos, danach wird das Armband über Bluetooth erkannt und gekoppelt. Die einzelnen Schritte werden verständlich erklärt, sodass auch Nutzer ohne größere technische Vorkenntnisse schnell zurechtkommen sollten. Unterstützt werden laut Hersteller Smartphones ab Android 8 beziehungsweise iOS 16 mit entsprechender Bluetooth-Kompatibilität.
Zur Einrichtung gehört außerdem die Aktivierung der Hilo-Mitgliedschaft. Beim Komplettpaket sind die ersten zwölf Monate bereits im Kaufpreis enthalten. Die Mitgliedschaft ist Voraussetzung für die langfristige Blutdrucküberwachung und die umfangreichen Auswertungen innerhalb der App. Wer das Armband anschließend dauerhaft nutzen möchte, muss das Abonnement verlängern. Auf die damit verbundenen Folgekosten gehen wir später noch genauer ein.
Bevor das Hilo Band allerdings seine eigentliche Arbeit aufnehmen kann, steht die erste Kalibrierung an. Dafür liefert der Hersteller eine elektronische Oberarmmanschette mit, die ebenfalls mit der App zusammenarbeitet. Die Kalibrierung ist keine optionale Zusatzfunktion, sondern ein wesentlicher Bestandteil des gesamten Messverfahrens. Genau hier zeigte sich während unseres Langzeittests allerdings auch die größte Schwäche des Systems.
Die regelmäßige Kalibrierung wurde zur Geduldsprobe
Bei der Ersteinrichtung muss das Hilo Band an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen mit der mitgelieferten Oberarmmanschette kalibriert werden. Hilo sieht dafür aktuell vier Kalibrierungstage vor. Der Ablauf wird Schritt für Schritt auf dem Smartphone erklärt. Zunächst nimmt man eine möglichst entspannte Sitzposition ein, anschließend führt die App durch die Messungen mit dem Armband und der Oberarmmanschette. Letztere pumpt sich mehrfach auf und ermittelt die benötigten Referenzwerte. Zwischen den einzelnen Messungen werden kurze Pausen eingelegt. Ist der Vorgang erfolgreich abgeschlossen, kann das Armband seine automatische Blutdrucküberwachung fortsetzen.
Nach der anfänglichen Kalibrierungsphase ist ungefähr alle vier Wochen eine erneute Kalibrierung notwendig. Laut Hilo können zusätzliche Kalibrierungen dabei helfen, die Messgenauigkeit zu verbessern. Man muss also nicht zwangsläufig bis zum nächsten vorgesehenen Termin warten, sondern kann den Vorgang beispielsweise auch nach ein oder zwei Wochen wiederholen. Wir haben diese Möglichkeit während unseres Tests ebenfalls genutzt, um die Blutdrucküberwachung möglichst gut an die aktuellen Verhältnisse anzupassen.
Was sich in der Theorie unkompliziert anhört, entwickelte sich in der Praxis allerdings immer wieder zur Geduldsprobe. Während der Kalibrierung kam es mehrfach zu Fehlmessungen, sodass der gesamte Vorgang erneut gestartet werden musste. Teilweise waren drei oder vier Versuche notwendig, ohne dass sich die Kalibrierung erfolgreich abschließen ließ. An manchen Tagen war die Geduld schließlich aufgebraucht und wir haben den Vorgang erst am nächsten Tag fortgesetzt. Das kostete nicht nur Zeit, sondern war auf Dauer ausgesprochen frustrierend.
Woran die Schwierigkeiten genau lagen, konnten wir nicht feststellen. Ob Softwareprobleme, die Sensorik oder andere Einflüsse für die Fehlmessungen verantwortlich waren, bleibt offen. Gerade weil die regelmäßige Kalibrierung für die zuverlässige Blutdrucküberwachung so wichtig ist, hätten wir uns hier einen deutlich reibungsloseren Ablauf gewünscht. Die eigentliche Nutzung des Armbands war erfreulich unkompliziert, doch die wiederkehrenden Kalibrierungsprobleme haben unseren ansonsten positiven Eindruck spürbar getrübt.
Blutdrucküberwachung im Alltag überzeugt
Ist das Hilo Band erfolgreich kalibriert, spielt es seine größte Stärke aus. Die Blutdruckwerte werden automatisch über den Tag und die Nacht verteilt erfasst, ohne dass man dafür jedes Mal eine Manschette anlegen oder eine Messung manuell starten muss. Das ist besonders angenehm während der Nacht. Wer bereits eine klassische 24-Stunden-Blutdruckmessung beim Arzt erlebt hat, kennt das regelmäßige Aufpumpen der Manschette, das gerade beim Schlafen störend sein kann. Das Hilo Band arbeitet dagegen lautlos und ohne spürbaren Druck am Handgelenk.
Allerdings bedeutet die kontinuierliche Überwachung nicht, dass tatsächlich jede Sekunde ein neuer Blutdruckwert ermittelt wird. Das System führt automatisch wiederkehrende Messungen durch, insbesondere wenn die Bedingungen dafür geeignet sind. Eine gezielte Sofortmessung über das Armband lässt sich nicht einfach per Tastendruck auslösen. Wer seinen Blutdruck zu einem bestimmten Zeitpunkt kontrollieren möchte, ist deshalb weiterhin auf ein geeignetes Blutdruckmessgerät angewiesen. Gerade bei auffälligen Werten oder Beschwerden sollte man sich nicht ausschließlich auf die automatisch erfassten Daten verlassen.
Während unseres rund sechsmonatigen Tests waren wir dennoch überrascht, wie gut sich das System im Alltag bewährte. Bei gelegentlichen Vergleichen mit einer Oberarmmessung lagen die angezeigten Werte häufig nahe beieinander. Eine vollständige Übereinstimmung gab es nicht immer, die haben wir allerdings auch nicht erwartet. Wichtig ist dabei, dass unsere Beobachtungen keinen wissenschaftlichen Genauigkeitstest darstellen. Die klinische Validierung des Herstellers ist von unseren eigenen Erfahrungen zu unterscheiden. Wir können lediglich beschreiben, wie sich das Hilo Band während unserer Nutzung verhalten hat.
Besonders hilfreich fanden wir die langfristige Betrachtung der Blutdruckentwicklung. Während einzelne Oberarmmessungen immer nur eine Momentaufnahme liefern, entstehen durch das Hilo Band zahlreiche Messpunkte über Tage, Wochen und Monate. Dadurch lassen sich Veränderungen wesentlich besser nachvollziehen. Auch Einflüsse wie Stress, körperliche Aktivität oder Koffeinkonsum können den Blutdruck verändern. Ob und wie deutlich kurzfristige Spitzen vom Hilo Band erfasst werden, hängt allerdings auch davon ab, wann unter geeigneten Bedingungen eine Messung stattfindet.
Langfristige Blutdruckverläufe als Unterstützung beim Arztbesuch

Für uns war die langfristige Überwachung nicht nur eine technische Spielerei, sondern hatte auch einen persönlichen Hintergrund. Da bereits ein leichter Bluthochdruck bekannt war, konnten wir die aufgezeichneten Blutdruckverläufe über mehrere Monate verfolgen und mit unserem Hausarzt besprechen. Im Laufe des Testzeitraums wurde die bestehende Blutdruckmedikation nach ärztlicher Rücksprache angepasst. Die anschließend dokumentierten Werte zeigten eine positive Entwicklung, die auch im Rahmen der ärztlichen Betreuung beurteilt wurde.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass das Hilo Band selbst eine Behandlung durchgeführt oder die richtige Medikamentendosierung bestimmt hat. Die Anpassung erfolgte durch den behandelnden Arzt und unter Berücksichtigung der medizinischen Gesamtsituation. Das Armband war vielmehr eine zusätzliche Informationsquelle, mit der sich längerfristige Veränderungen leichter nachvollziehen ließen. Gerade darin sehen wir einen praktischen Mehrwert für Menschen, die ihren Blutdruck regelmäßig kontrollieren und die Entwicklung gemeinsam mit ihrem Arzt besprechen möchten.
Die Hilo App unterstützt diesen Ansatz mit verschiedenen Auswertungen. Blutdruckwerte lassen sich über unterschiedliche Zeiträume betrachten, Durchschnittswerte und Veränderungen werden übersichtlich dargestellt. Außerdem können Berichte erstellt und für ärztliche Gespräche bereitgestellt werden. Das ist im Alltag deutlich komfortabler, als einzelne Messwerte immer wieder von Hand zu notieren. Eine ärztlich angeordnete Diagnostik oder eine klassische Langzeit-Blutdruckmessung ersetzt das System dadurch allerdings nicht automatisch.
Schlaftracking zeigte im Langzeittest erhebliche Schwächen
Neben der Blutdrucküberwachung bietet das Hilo Band auch eine automatische Erfassung der Schlafdauer. Dabei sollte man allerdings nicht vergessen, dass es sich in erster Linie um ein medizinisches Wearable und nicht um einen vollwertigen Fitness-Tracker handelt. Während der ersten Monate unseres Tests funktionierte die Schlaferfassung noch weitgehend zufriedenstellend. Die aufgezeichneten Schlafzeiten deckten sich ungefähr mit den Ergebnissen anderer Wearables, die wir zeitweise parallel getragen haben. Darunter befanden sich Smartwatches und ein smarter Ring, wodurch uns zusätzliche Vergleichswerte zur Verfügung standen.
Nach etwa drei bis vier Monaten änderte sich das allerdings deutlich. Plötzlich wurden einzelne Nächte mit lediglich zwei Stunden Schlaf aufgezeichnet, obwohl tatsächlich wesentlich länger geschlafen wurde. In einer Wochenübersicht kamen sogar insgesamt nur sieben Stunden Schlaf zusammen. Diese Werte waren offensichtlich unplausibel und wichen erheblich von den Aufzeichnungen der anderen Geräte ab. Eine zuverlässige Einschätzung der tatsächlichen Schlafdauer war damit nicht mehr möglich.
Wir haben uns daraufhin an den Hilo-Support gewandt und das Problem geschildert. Dort wurde uns bestätigt, dass Schwierigkeiten bei der Schlaferfassung bekannt waren. Auch im Internet finden sich entsprechende Erfahrungsberichte anderer Nutzer. Hilo hat zwischenzeitlich Verbesserungen an der Schlafauswertung vorgenommen und an der Funktion gearbeitet. Zum Abschluss unseres Testzeitraums konnten wir allerdings nicht bestätigen, dass die von uns beobachteten Probleme vollständig behoben waren. Ob die Ursache ausschließlich softwareseitig lag, ließ sich ebenfalls nicht abschließend klären.
Gerade weil die Schlafaufzeichnung zu Beginn noch plausible Ergebnisse lieferte, war diese Entwicklung enttäuschend. Für die eigentliche Blutdrucküberwachung ist das Schlaftracking zwar nur eine ergänzende Funktion, dennoch sollte eine angebotene Funktion auch zuverlässig arbeiten. Hier besteht aus unserer Sicht weiterhin Verbesserungsbedarf.
Akkulaufzeit und Laden im Alltag

Hilo gibt für das Armband eine Akkulaufzeit von bis zu 15 Tagen an. Diesen Wert konnten wir während unseres Langzeittests allerdings nicht erreichen. In der Praxis waren es meist etwa fünf bis sieben Tage, bevor das Armband wieder aufgeladen werden musste. Damit liegt die tatsächliche Laufzeit unserer Testnutzung deutlich unter der Herstellerangabe, ist für ein derart kompaktes Wearable aber immer noch ordentlich. Schließlich arbeitet das Band weitgehend selbstständig im Hintergrund und benötigt während der normalen Nutzung kaum Aufmerksamkeit.

Zum Aufladen wird der kleine Sensorkörper in die mitgelieferte Ladestation eingesetzt. Laut Hersteller dauert eine vollständige Aufladung ungefähr 90 Minuten. Das Laden selbst ist unkompliziert, allerdings benötigt man dafür die passende Ladeschale. Ein gewöhnliches USB-C-Kabel lässt sich nicht direkt am Armband anschließen. Positiv fiel uns außerdem die Ausdauer der mitgelieferten Oberarmmanschette auf. Während des gesamten rund sechsmonatigen Testzeitraums mussten wir diese nicht ein einziges Mal aufladen, obwohl sie regelmäßig für Kalibrierungen zum Einsatz kam.
Preis und Mitgliedschaft mit laufenden Folgekosten

Das Hilo Band wird in Deutschland als Komplettpaket angeboten. Zum Testzeitpunkt kostet das Paket auf der offiziellen Hilo-Webseite 199,98 Euro. Darin enthalten sind das Armband, die elektronische Oberarmmanschette zur Kalibrierung, das Ladezubehör sowie eine zwölfmonatige Hilo-Mitgliedschaft. Die ersten zwölf Monate sind somit bereits bezahlt und im Anschaffungspreis enthalten. Anschließend verlängert sich die Mitgliedschaft bei nicht erfolgter Kündigung automatisch für 119,99 Euro pro Jahr. Das entspricht rechnerisch knapp zehn Euro monatlich.

Die Mitgliedschaft ist dabei keine optionale Zusatzleistung, auf die man problemlos verzichten könnte. Für die weitere Blutdrucküberwachung und den Zugriff auf die vollständigen Auswertungen wird ein aktives Abonnement benötigt. Nach einer Kündigung steht zunächst nur noch ein eingeschränkter Zugriff zur Verfügung. Nach Ablauf der vorgesehenen Übergangsfrist sind keine neuen Blutdruckmessungen über das Band mehr möglich. Das Armband bleibt zwar Eigentum des Käufers und die Oberarmmanschette kann weiterhin für Einzelmessungen verwendet werden, die eigentliche Stärke des Systems entfällt ohne Mitgliedschaft jedoch.
Ob die jährlichen Folgekosten gerechtfertigt sind, hängt stark vom persönlichen Nutzen ab. Wer lediglich gelegentlich seinen Blutdruck kontrollieren möchte, findet klassische Oberarmmessgeräte ohne laufende Gebühren. Wer dagegen seine Blutdruckentwicklung über längere Zeit automatisch dokumentieren und die Daten regelmäßig mit seinem Arzt besprechen möchte, erhält mit Hilo ein interessantes Gesamtpaket. Rund zehn Euro monatlich erscheinen für diesen Einsatzzweck durchaus vertretbar. Trotzdem bleibt die dauerhafte Abhängigkeit von einem kostenpflichtigen Abonnement ein Punkt, den man vor dem Kauf berücksichtigen sollte.











