Einleitung
Teufel ist für mich seit Jahren eine feste Größe, wenn es um ehrlichen, druckvollen Klang "Made in Berlin" geht. Vor allem im Lautsprecher- und Over-Ear-Segment hat sich der Hersteller über viele Jahre einen Namen gemacht. Gerade deshalb war ich besonders gespannt auf meinen ersten echten In-Ear-Test aus dem Hause Teufel. Im True-Wireless-Bereich hat sich in den letzten Jahren viel getan, der Markt ist hart umkämpft und ich selbst hatte bereits zahlreiche Modelle von Bose, Sennheiser, Sonos und Bowers & Wilkins im Test.
Mit den Teufel AIRY TWS PRO positioniert sich Teufel klar im Premium-Segment der True-Wireless-In-Ears. Die Ausstattung liest sich stark, unter anderem mit adaptivem Hybrid Noise Cancelling, großen 10-mm Treibern und Bluetooth 5.2 mit AAC und Qualcomm aptX Adaptive. Dazu kommt ein aktuell sehr attraktiver Preis: Statt 169,99 Euro liegen die AIRY TWS PRO derzeit bei 129,99 Euro.
Die entscheidende Frage ist also nicht, ob Teufel hier viele Features unterbringt sondern ob Klang, Noise Cancelling und Alltagstauglichkeit dem Pro-Anspruch wirklich gerecht werden. Für den Test habe die AIRY TWS PRO über mehrere Tage im Homeoffice, unterwegs, bei Telefonaten, beim Musikhören und bewusst auch in lauten Umgebungen intensiv genutzt.

Design, Verarbeitung und Tragekomfort
Optisch bleiben die Teufel AIRY TWS PRO angenehm sachlich. Kein übertriebenes Design, keine auffälligen Akzente, stattdessen ein funktionales, modernes Erscheinungsbild, das sich klar an erwachsene Nutzer richtet. Die Verarbeitung ist hochwertig. Die Spaltmaße stimmen, die Oberflächen fühlen sich sauber verarbeitet an, nichts knarzt oder wirkt billig.
Mit 5,7 Gramm pro Ohrhörer bewegen sich die In-Ears im soliden Mittelfeld. Entscheidend ist hier weniger das Gewicht als die gelungene Form. Die leicht angewinkelten Schächte sorgen für einen stabilen Sitz, ohne Druckstellen zu erzeugen. Auch bei längeren Hörsessions bleiben die In-Ears angenehm im Ohr.
Ein klarer Pluspunkt sind die Mushroom-Ear-Tips aus antibakteriellem Silikon. Teufel legt gleich fünf Größen (XS, S, M, L, XL) bei. Das ist vorbildlich und längst nicht selbstverständlich. Ich habe vergleichsweise empfindliche Ohren und war positiv überrascht, wie dicht und gleichzeitig komfortabel die AIRY TWS PRO abschließen. Gerade für ein effektives ANC ist dieser Punkt entscheidend.
Übrigens sind die Earbuds nach IPX4 geschützt, sodass Regen, Schweiß oder Spritzwasser kein Problem darstellt. Für intensiven Sport sind sie nicht primär gedacht, für den Alltag aber absolut robust genug.

Ladecase: kompakt, funktional und alltagstauglich
Das Ladecase ist optisch eher zurückhaltend, erfüllt aber genau seinen Zweck. Mit 64 Gramm Gewicht ist es angenehm leicht und passt problemlos in Jacken- oder Hosentasche. Die matte Oberfläche ist relativ unempfindlich gegenüber Fingerabdrücken und kleineren Kratzern.
Geladen wird entweder klassisch per USB-C oder kabellos über ein Qi-Ladepad. Gerade das kabellose Laden schätze ich sehr, da auf meinem Schreibtisch ohnehin ein Ladepad liegt. Die Akkuanzeige am Case selbst ist praktisch und wird zusätzlich in der Teufel Go App sowie auf iOS und Android angezeigt.
Mit 500 mAh Akkukapazität versorgt das Case die In-Ears zuverlässig über mehrere Tage hinweg.

Einrichtung und Konnektivität
Die Ersteinrichtung ist erfreulich unkompliziert. Case öffnen, In-Ears entnehmen und dank Google Fast Pair erscheinen die AIRY TWS PRO auf kompatiblen Android-Geräten sofort. Aber auch unter iOS, Windows und macOS verlief die Kopplung problemlos.
Bluetooth 5.2 sorgt für eine stabile Verbindung mit geringer Latenz. Besonders wichtig für mich ist die Multipoint-Funktion, da ich Smartphone und Notebook parallel nutze. Der Wechsel zwischen beiden Geräten funktioniert im Alltag zuverlässig. Ein Anruf auf dem Smartphone unterbricht die Musikwiedergabe vom Notebook sauber, danach geht es automatisch zurück. Genau so erwarte ich das in dieser Preisklasse.
Unterstützt werden AAC sowie Qualcomm aptX Adaptive, was gerade unter Android und macOS für eine hörbar bessere Audioqualität sorgt. Videos und Games werden lippensynchron übertragen und auch bei YouTube oder Streaming-Apps gab es keinerlei störende Verzögerungen.
Klangqualität: erwachsen, ausgewogen – aber nicht für jeden überwältigend
Kommen wir zum wichtigsten Punkt: dem Klang. Teufel bewirbt die AIRY TWS PRO damit, den Sound großer Over-Ear-Kopfhörer möglichst nah in ein In-Ear-Format zu bringen. Eine selbstbewusste Ansage, die hohe Erwartungen weckt.
Die verbauten 10-mm Linear-HD-Treiber liefern ein insgesamt sehr sauberes und ausgewogenes Klangbild.
Bass
Der Bass ist tief, kontrolliert und spürbar. Teufel gibt einen Frequenzbereich bis 8 Hz an. Das ist natürlich eher theoretischer Natur, subjektiv reicht der Tiefbass aber tatsächlich sehr weit herunter. Elektronische Musik, Hip-Hop oder moderne Pop-Produktionen profitieren davon. Wichtig: Der Bass wirkt nicht schwammig, sondern präzise und sauber.
Mitten
Die Mitten sind warm, präsent und angenehm natürlich. Stimmen stehen klar im Raum, egal ob Podcasts, Hörbücher oder Gesang. Gerade bei Rock, Singer-Songwriter oder akustischer Musik spielen die AIRY TWS PRO ihre Stärken aus.
Höhen
Die Höhen sind sauber aufgelöst und detailreich, ohne unangenehm scharf zu wirken. Auch bei höheren Lautstärken bleiben Details erhalten, Zischlaute drängen sich nicht in den Vordergrund. Insgesamt ergibt sich ein ausgewogenes Klangbild mit einer leichten, für Teufel typischen Wärme.
Über die Teufel Go App lässt sich der Klang per Equalizer anpassen. Die Presets sind sinnvoll gewählt, verändern den Klang hörbar, ohne ihn zu verfälschen.

Persönliche Einschätzung im direkten Vergleich
An dieser Stelle ist mir ein ehrlicher, persönlicher Vergleich wichtig. In den vergangenen Jahren hatte ich zahlreiche True-Wireless-In-Ears von Bose, Sennheiser, Sonos und Soundcore im Test. Entsprechend hoch ist mein Referenzrahmen, gerade wenn es um Klangabstimmung, Dynamik und diesen gewissen "Aha-Moment" geht.
Die Teufel AIRY TWS PRO sind mein erstes In-Ear-Testgerät von Teufel. Ich bin also ohne Markenvorschuss an den Test herangegangen, allerdings mit einer gewissen Erwartungshaltung, gerade aufgrund des sehr guten Rufs, den Teufel im Over-Ear- und Lautsprecher-Segment genießt.
Was mir relativ schnell aufgefallen ist: Ja, es gibt verschiedene Audio-Modi und Equalizer-Einstellungen und diese verändern den Klang auch hörbar. Dennoch hatte ich subjektiv das Gefühl, dass sich viele Presets klanglich näher beieinander bewegen, als ich es von manchen Konkurrenzmodellen kenne. Der Fokus verschiebt sich je nach Einstellung leicht in Richtung Bass oder Neutralität, der grundlegende Klangcharakter bleibt jedoch sehr ähnlich.
Der Bass ist, wie bereits beschrieben, definitiv vorhanden, druckvoll und sauber. Dennoch muss ich ehrlich sagen, dass mich der Bass im Vergleich zu anderen Marken nicht nachhaltig überrascht oder emotional abgeholt hat. Er ist gut, aber für mein persönliches Empfinden nicht klar abgesetzt von dem, was andere Hersteller in dieser Preisklasse ebenfalls liefern.
Und genau hier liegt mein persönlicher Knackpunkt: Die Teufel AIRY TWS PRO sind keineswegs schlechte In-Ears. Sie sind solide abgestimmt, technisch sehr gut ausgestattet und absolut alltagstauglich. Aber gemessen an den In-Ears, die ich zuletzt im Test hatte, habe ich mehr erwartet, insbesondere was den klanglichen Wiedererkennungswert und den berühmten "Wow-Effekt" angeht.
Diese Einschätzung ist bewusst rein subjektiv. Ich hatte keine weiteren Teufel-In-Ears oder Over-Ears parallel zum Vergleich zur Verfügung. Möglich ist also durchaus, dass Teufel hier ganz bewusst auf eine ausgewogene, eher zurückhaltende Abstimmung setzt.
Unterm Strich bleibt für mich persönlich: Die AIRY TWS PRO sind gut, aber sie haben mich nicht vollständig abgeholt. Das ist kein Urteil über die Qualität, sondern Ausdruck meines persönlichen Hörgeschmacks und meiner bisherigen Vergleichserfahrung.

Adaptive Hybrid Active Noise Cancelling im Alltag
Das adaptive, hybride ANC gehört zu den stärksten Argumenten der AIRY TWS PRO. Im Alltag passt sich die Geräuschunterdrückung automatisch an die Umgebung an. In ruhigen Räumen arbeitet das ANC dezent, in Bahn, Straßenverkehr oder Café wird deutlich stärker gefiltert.
Tieffrequente Geräusche wie Motoren oder Lüfter werden sehr effektiv reduziert. Stimmen werden abgeschwächt, aber nicht vollständig ausgeblendet, was bei In-Ears normal ist. Positiv: Der Klang bleibt auch mit aktiviertem ANC stabil und verändert sich kaum.
Transparenzmodus: sinnvoll umgesetzt
Der Transparenzmodus lässt sich per Touch aktivieren und funktioniert zuverlässig. Außengeräusche werden natürlich durchgelassen, ohne künstlich oder blechern zu wirken. Ansagen, kurze Gespräche oder das Wahrnehmen des Verkehrs sind problemlos möglich.
Telefonie und Sprachqualität
Mit sechs Mikrofonen und Qualcomm cVc liefern die AIRY TWS PRO eine sehr gute Sprachqualität. Meine Stimme wurde klar und verständlich übertragen, auch bei Wind oder in lauter Umgebung. Für Calls via Teams, Zoom, Google Meet oder FaceTime sind die In-Ears absolut geeignet. Auch der Betrieb mit nur einem Ohrhörer funktioniert problemlos.
Bedienung und App
Die Steuerung erfolgt über Touchflächen und Slider am Schaft. Musik, Lautstärke, Anrufe und ANC-Modi lassen sich direkt am Ohr steuern. In der Teufel Go App können die Belegungen individuell angepasst werden. Die App ist übersichtlich, stabil, funktional und ohne unnötigen Ballast.

Akkulaufzeit und Alltag
Die Akkulaufzeiten sind realistisch und im Alltag gut erreichbar:
- über 7 Stunden ohne ANC
- über 19 Stunden mit ANC inklusive Case
- über 32 Stunden ohne ANC inklusive Case
Für einen normalen Arbeitstag inklusive Calls und Musik reicht das problemlos aus.
Für wen sind die Teufel AIRY TWS PRO die richtigen In-Ears?
Die Teufel AIRY TWS PRO sind technisch sehr gut ausgestattete True-Wireless-In-Ears mit starkem ANC, solider App, guter Telefonie und erwachsenem Klang. Sie richten sich an Nutzer, die Wert auf Funktion, Komfort und einen ausgewogenen Sound legen.
Wer jedoch, wie ich, bereits viele In-Ears der Konkurrenz gehört hat und gezielt nach einem klaren klanglichen Alleinstellungsmerkmal sucht, könnte sich etwas mehr erwarten. Schlecht sind sie keinesfalls, der Funke ist bei mir persönlich nur nicht ganz übergesprungen.








