Unkomplizierter Aufbau
Geliefert wird der Omni in einem entsprechend großen Karton und nicht komplett montiert. Der Aufbau lässt sich aber problemlos alleine bewältigen. Einige Arbeitsschritte sind wegen der beweglichen Konstruktion etwas ungewöhnlicher als bei einem klassischen Bürostuhl, grundsätzlich passt jedoch alles sauber zusammen und die Anleitung führt verständlich durch die Montage.
Das notwendige Werkzeug liegt bei. LiberNovo legt sogar ein Paar Stoffhandschuhe dazu. Man muss also weder erst den Werkzeugkasten suchen noch beim Hantieren mit den Bauteilen Fingerabdrücke auf jeder Oberfläche hinterlassen.
Beim ersten Anfassen fällt allerdings auch auf, dass LiberNovo reichlich harten Kunststoff verbaut. Angesichts des Premiumpreises hätte ich an einigen Stellen etwas mehr Metall erwartet. Billig wirkt der Omni deshalb aber nicht. Spaltmaße, Verbindungen und Mechanik hinterlassen einen guten Eindruck, nichts knarzt verdächtig und auch nach mehreren Monaten täglicher Nutzung hat sich an meinem Exemplar kein grundlegendes Qualitätsproblem gezeigt.
Futuristischer Sitzkomfort
Der Name "Omni" klingt futuristisch, die auffällige Wirbelsäulen-Konstruktion sieht futuristisch aus und mit Elektromotor und Akku steckt tatsächlich ungewöhnlich viel Technik in diesem Bürostuhl. Das Entscheidende ist aber viel banaler, denn der Stuhl ist einfach enorm bequem.

Die Sitzfläche ist weich, ohne unmittelbar wie ein durchgesessenes Sofa zu wirken. Verschiedene Schaumstoffzonen sollen den Druck unterschiedlich verteilen. Die Rückenlehne wiederum besteht aus mehreren miteinander beweglich verbundenen Segmenten. LiberNovo spricht von acht flexiblen Paneelen und 16 Drehpunkten. Dadurch kann die Lehne Bewegungen des Oberkörpers besser mitmachen, anstatt den Rücken gegen eine starre Fläche zu drücken.
Gerade nach vielen Stunden am Schreibtisch macht sich das bemerkbar. Wo ich bei anderen Bürostühlen irgendwann automatisch nach vorne rutsche, die Sitzposition wechsle oder aufstehe, weil irgendeine Stelle unangenehm drückt, bleibt der Omni erstaunlich lange komfortabel.

Der Vergleich mit "Wolke sieben" klingt vielleicht übertrieben, trifft das Sitzgefühl aber erstaunlich gut. Der Stuhl ist weich und nachgiebig, ohne jegliche Unterstützung vermissen zu lassen.
Fast alles ergonomisch einstellen
An Einstellmöglichkeiten mangelt es beim Omni definitiv nicht. Die Sitzhöhe lässt sich klassisch über die Gasdruckfeder verändern. Die Rückenlehne kann beim von mir getesteten ursprünglichen Omni in vier Positionen bei 105, 120, 135 und 160 Grad begrenzt werden. Inzwischen gibt es auch eine überarbeitete Omni-Generation sowie Omni SE und Omni Pro mit fünf Positionen bei 105, 115, 125, 135 und 160 Grad.

Zusätzlich lässt sich der Widerstand beim Zurücklehnen regulieren. Das ist wichtig, denn bei 160 Grad liegt man beinahe im Stuhl. Gleichzeitig bewegen sich Sitzfläche und Armlehnen mit, wodurch die Unterarme auch in zurückgelehnter Position unterstützt bleiben. Für entspanntes Lesen, Videoschauen oder eine kurze Pause ist das ideal umgesetzt.
Auch die 4D-Armlehnen lassen sich umfangreich verändern. in der Höhe, seitlich in der Breite, nach vorne und hinten sowie im Winkel. Die Nackenstütze kann ebenfalls in mehreren Dimensionen angepasst werden. LiberNovo bezeichnet sie entsprechend als 3D-Nackenstütze.

Dazu kommt die elektrisch verstellbare Unterstützung im unteren Rücken. Über Tasten an der Armlehne lässt sich bestimmen, wie stark die Rückenlehne gegen den Lendenwirbelbereich drückt. Während der ersten Tage sollte man damit experimentieren. Hat man die eigene Einstellung gefunden, ergibt sich eine sehr angenehme Mischung aus weicher Polsterung und spürbarer Unterstützung.
Der Omni wird außerdem mit 45 oder 48 Zentimetern Sitztiefe angeboten. Es handelt sich dabei allerdings nicht um eine nachträglich verschiebbare Sitzfläche, weshalb die passende Tiefe beim Kauf gewählt werden muss.

Die Armlehnen sind gleichzeitig genial und nervig
Ausgerechnet bei den ansonsten sehr guten Armlehnen steckt für mich einer der größten Kritikpunkte. Dass sie sich beim Zurücklehnen zusammen mit dem restlichen Stuhl bewegen, ist hervorragend. Auch Polsterung und Einstellbereich gefallen mir. Die horizontale beziehungsweise seitliche Position rastet jedoch nicht fest genug ein.
Das merkt man insbesondere, wenn man sich kräftiger auf einer Armlehne abstützt, um aufzustehen oder den Stuhl zur Seite zu bewegen. Dann kann sich die zuvor sorgfältig eingestellte Position wieder verschieben. Das ist zwar kein Weltuntergang, bleibt aber lästig.

Bei einem günstigen Bürostuhl würde ich darüber hinwegsehen. Bei einem Modell jenseits der 1.000-Euro-Marke erwarte ich dagegen, dass eine einmal gewählte Armlehnenposition dort bleibt, bis ich sie bewusst wieder verstelle.
Angenehm leichtfüßig rollen
Der Omni rollt sehr gut. Die Rollen laufen leichtgängig und leise, Richtungswechsel funktionieren ohne hakelige Momente und trotz des relativ komplexen Aufbaus fühlt sich der Stuhl beim Verschieben nicht unnötig schwerfällig an.

Akku und elektrische Lordosenstütze
Zu den ungewöhnlichsten Merkmalen gehört der integrierte elektrische Antrieb der Rückenlehne. Der ursprüngliche Omni arbeitet mit einem 2200-mAh-Akku, der sich zum Laden herausnehmen und per USB-C aufladen lässt. Nervige Kabel, die vom Stuhl wegführen, gibt es dadurch nicht. Bei einem OmniStretch-Durchlauf pro Tag gibt der Hersteller eine Laufzeit von etwa 30 Tagen an.
Die elektrische Verstellung selbst empfinde ich dabei als sinnvoller als die zweite motorisierte Funktion: OmniStretch.

Dabei fährt die Rückenunterstützung automatisiert vor und zurück und soll den Rücken beziehungsweise die Wirbelsäule strecken. Das fühlt sich durchaus interessant und teilweise angenehm an, nach mehreren Monaten habe ich die Funktion allerdings kaum noch bewusst genutzt. Aktiviert wurde sie höchstens mal versehentlich, wenn ich an die Taste gekommen bin, was hin und wieder passiert.
Erstaunlich pflegeleicht
Bei einem weich gepolsterten Stoffstuhl stellt sich früher oder später die Frage nach der Reinigung. Kaffee, Essen oder andere Flecken lassen sich im Alltag schließlich kaum dauerhaft vermeiden.
Der Omni hat sich hier erfreulich unkompliziert gezeigt. Die Polster lassen sich leicht reinigen und der Stoff ist widerstandsfähiger gegen Flecken, als die weiche Oberfläche zunächst vermuten lässt. Kleinere Missgeschicke konnte ich bislang ohne großen Aufwand entfernen.
Auch nach mehreren Monaten täglicher Nutzung sieht der Stuhl daher noch erstaunlich frisch aus.

Ersatzteile sind ein unterschätzter Pluspunkt
Der Hersteller bietet nahezu alle Komponenten einzeln an. Im europäischen Ersatzteilshop kostet beispielsweise ein Sitzbezug derzeit 69 Euro, eine Gasdruckfeder 39 Euro, der Akku 58 Euro und selbst Teile der Nackenstütze lassen sich separat bestellen. Auch komplette Rückenlehnen und zahlreiche kleinere Mechanik- und Verkleidungsteile werden angeboten.
Gemessen am Kaufpreis des Stuhls halte ich diese Ersatzteilpreise für fair. Vor allem verbessert die modulare Bauweise die Chancen, den Omni tatsächlich viele Jahre nutzen zu können, anstatt ihn wegen eines einzelnen verschlissenen Bauteils auszumustern.
Omni Pro und Maxis: Die neueren Varianten
Inzwischen hat LiberNovo das Konzept weiterentwickelt. Der Omni Pro ergänzt den bekannten Stuhl nicht nur um eine aktive Sitzbelüftung mit zwei Stufen, sondern bringt auch einige Detailverbesserungen mit. Nackenstütze und Armlehnen lassen sich weiter verstellen, Sitzpolster und Rückenmechanik wurden überarbeitet, der Bezug ist robuster, der Fuß besteht aus Aluminium und der Akku wächst auf 3000 mAh. Dazu kommt die neuere Rückenlehne mit fünf Neigungsstufen. Die Belüftung ist damit zwar das auffälligste, aber längst nicht das einzige Upgrade.
Für größere und kräftigere Nutzer gibt es außerdem den LiberNovo Maxis. Er ist für etwa 178 bis 200 Zentimeter Körpergröße und bis zu 181 Kilogramm ausgelegt und bietet unter anderem eine 52 Zentimeter tiefe Sitzfläche, mehr Platz sowie größere Verstellwege bei Rückenlehne, Nackenstütze und Armlehnen. Angeboten wird er als Manual, Electric und Airflow, je nach Variante mit manueller oder elektrischer Lordosenverstellung, motorisierter Rückenstreckung und zusätzlicher Sitzbelüftung.







