Design und Verarbeitung
Das Design gefällt mir persönlich ausgesprochen gut. Xiaomi kombiniert massiven Karbonstahl mit auffälligen gelben Akzenten und setzt sich damit deutlich von den meist eher nüchternen City-E-Scootern ab. Im direkten Vergleich wirkt der 6 Ultra fast wie ein Sportwagen unter den E-Scootern.
Auch bei der Verarbeitung gibt es keinen Grund für Kritik. Rahmen, Lenker und Trittbrett bleiben selbst bei rund 100 Kilogramm Fahrergewicht stabil und bieten bis zur maximalen Zuladung von 140 Kilogramm noch reichlich Reserven. Mit meinen 1,90 Metern hatte ich außerdem ausreichend Platz, wobei Lenkerhöhe und breites Trittbrett gut passten.

Das Trittbrett ist mit einer griffigen, rutschhemmenden Beschichtung versehen, die auch mit größeren Schuhen sicheren Halt bietet. Auffällig ist zudem das nach hinten geschwungene Ende. Dort lässt sich der hintere Fuß leicht erhöht abstellen, was besonders beim Beschleunigen und auf unebenen Strecken für eine angenehm stabile Position sorgt.
Die massive Bauweise hat allerdings ihren Preis. Mit 33,7 Kilogramm ist der E-Scooter alles andere als leicht. Schon beim Auspacken macht sich das bemerkbar. Alleine lässt er sich zwar aus dem Karton heben, zu zweit geht es aber deutlich angenehmer und rückenschonender.

Der Aufbau selbst ist dagegen schnell erledigt. Lenker einsetzen, mit vier Schrauben befestigen und alles kurz kontrollieren. Seitlich befindet sich ein kleiner, aber stabiler Seitenständer, mit dem sich der Scooter sicher abstellen lässt.
Für den Transport lässt sich die Lenksäule einklappen. Dafür wird zunächst die Sicherung am Schnellspannhebel gelöst und der Hebel vollständig nach unten gezogen. Anschließend klappt die Lenksäule auf das Trittbrett und wird über eine Schnalle am Lenker am hinteren Haken fixiert. Der Mechanismus ist unkompliziert, aus den 33,7 Kilogramm wird dadurch allerdings noch lange kein handlicher Scooter. Immerhin passt er zusammengeklappt problemlos in die meisten PKW.

Display und Bedienung
Zentral am Lenker sitzt ein 3 Zoll großes TFT-Farbdisplay, das die wichtigsten Informationen während der Fahrt übersichtlich darstellt. Dazu gehören unter anderem Geschwindigkeit, Fahrmodus, Akkustand sowie verschiedene Status- und Warnmeldungen. Beim Bergtest fiel etwa die Temperaturwarnung sofort auf, da sie deutlich in Rot eingeblendet wurde. Bei Sonnenschein bleibt das Display gut ablesbar und auch im Dunkeln bleibt es gut beleuchtet.
Die Bedienung erfolgt über eine Vier-Wege-Steuerung direkt am Lenker. Gashebel, Bremsen, Fahrmodi und Blinker sind darüber gut erreichbar und nach kurzer Eingewöhnung schnell verinnerlicht. Rechts daneben sitzt die gelbe Einschalttaste. Beschleunigt wird wahlweise per Daumenhebel oder Drehgriff. Für Sichtbarkeit sorgen ein Frontscheinwerfer, ein Rücklicht mit Bremslichtfunktion sowie Blinker.
Leistung und Fahrverhalten
Wie fährt sich der Scooter? Kurz gesagt, der Xiaomi hat ordentlich Power. Mit bis zu 1.200 Watt beschleunigt er kräftig und wirkt selbst mit rund 100 Kilogramm Fahrergewicht nicht träge.
Zur Auswahl stehen Fußgänger-, D- und Sportmodus. Im Fußgängermodus geht es mit bis zu 6 km/h voran, im D-Modus mit bis zu 15 km/h und im Sportmodus mit maximal 20 km/h. Zusätzlich gibt es einen Boost-Modus, der kurzzeitig die volle Spitzenleistung abruft.
Die Leistung bleibt dabei gut kontrollierbar und auch wenn technisch mehr möglich wäre, ist bei der deutschen Version bei 20 km/h konsequent Schluss. Die Leistungsreserven zeigen sich deshalb weniger bei der Höchstgeschwindigkeit als vielmehr beim Anfahren, Beschleunigen und an Steigungen.
Der Bergtest
Interessant wurde es an längeren Steigungen von etwa sieben bis zehn Prozent. Eine meiner Teststrecken führt dabei über rund 75 Höhenmeter bergauf. Mit etwa 100 Kilogramm Fahrergewicht ist das eine deutlich höhere Dauerbelastung als eine kurze Rampe.
Zunächst arbeitet sich der Xiaomi 6 Ultra souverän nach oben. Bei längerer starker Belastung erschien jedoch eine rote Temperaturwarnung im Display. Gleichzeitig reduzierte der Scooter seine Leistung und wurde langsamer. Nach einer kurzen Pause konnte es weitergehen.
Kritisch finde ich das nicht. Die automatische Leistungsreduzierung schützt Motor, Controller und Akku vor zu hoher thermischer Belastung. Der Test zeigt aber auch, dass eine maximale Steigungsangabe allein wenig über die Dauerleistung aussagt. Kurze Anstiege meistert der 6 Ultra problemlos, bei längerer hoher Belastung erreicht er irgendwann seine thermischen Grenzen.
Federung und Bremsen
Eine der größten Stärken des Xiaomi Electric Scooter 6 Ultra ist für mich ganz klar die Federung vorne und hinten. Zusammen mit den 12-Zoll-All-Terrain-Reifen schluckt der 6 Ultra schlechten Asphalt, kleinere Schlaglöcher und andere Unebenheiten deutlich besser als einfachere Modelle.
Gebremst wird vorne und hinten über Scheibenbremsen, unterstützt von E-ABS. Trotz des hohen Eigengewichts lässt sich der 6 Ultra kräftig und gut kontrollierbar verzögern. Gerade bei stärkeren Bremsungen bleibt er stabil und gut berechenbar.

Xiaomi Home App
Für die vollständige Einrichtung wird die Xiaomi Home App benötigt. Sie verbindet sich per Bluetooth mit dem Scooter und zeigt unter anderem Akkustand, geschätzte Restreichweite und Fahrmodus an. Im Test wurden beispielsweise bei 84 Prozent Akkustand noch 55 Kilometer Restreichweite geschätzt
Eine der nützlicheren Funktionen ist die automatische Motorsperre. Wird sie aktiviert, sperrt sich der Scooter beim Ausschalten selbstständig. Bei Bewegung blockieren die Räder und der Roller macht akustisch sowie optisch auf sich aufmerksam. In meiner ruhigen Wohngegend ist das Signal gut hörbar, in einer Innenstadt dürfte es zwischen Autos, Bussen und Gesprächen allerdings schnell untergehen. Etwas mehr Lautstärke wäre daher sinnvoll gewesen.
Auch beim Laden bietet die App einige Optionen. Ladezeiten lassen sich planen und eine maximale Ladegrenze festlegen. So muss der Akku im Alltag nicht jedes Mal bis 100 Prozent geladen werden. Mit dem serienmäßigen Ladegerät dauert eine vollständige Ladung rund 10,5 Stunden. Mit dem separat erhältlichen Xiaomi Electric Scooter Fast Charger 2 geht es schneller.
Über die App lässt sich außerdem die Energierückgewinnung einstellen. Beim Verzögern wird ein Teil der Bewegungsenergie zurück in den Akku gespeist. Große Reichweitengewinne sollte man davon nicht erwarten, in hügeligen Regionen ist die Funktion aber durchaus sinnvoll.
Weitere Einstellungen betreffen TCS-Antirutsch, E-Bremse, E-ABS, Startgeschwindigkeit und den D-Modus. E-Bremse und E-ABS waren bei meinem Testgerät aktiviert, TCS zunächst deaktiviert. Das Traktionskontrollsystem soll vor allem auf rutschigem Untergrund unnötigen Schlupf reduzieren.
Auch gefahrene Strecken werden in der App gespeichert und lassen sich einzeln inklusive Distanz einsehen. Zusätzlich kann sich das Fahrlicht automatisch an der Umgebungshelligkeit orientieren.
Akku und reale Reichweite
Xiaomi verbaut hier einen Akku mit 585 Wh beziehungsweise 12,5 Ah und gibt eine Reichweite von bis zu 75 Kilometern an, was natürlich nur unter idealen Bedingungen gilt. Der Akku sitzt geschützt im Unterboden, während das nach IPX6 geschützte Gehäuse zusätzlichen Schutz vor Spritzwasser bietet.
Wie weit man tatsächlich mit einer Akkuladung kommt, hängt stark von Fahrergewicht, Fahrmodus, Außentemperatur, Wind, Reifendruck und vor allem vom Streckenprofil ab. In Vergleichstests wurden etwa 50 bis 54 Kilometer erreicht.
Diese Größenordnung halte ich auch nach meinen eigenen Fahrten für realistisch. Einen vollständigen Reichweitentest über diese Distanz konnte ich im kurzen Testzeitraum nämlich nicht durchführen.

















