ADO Sense 3.0
In der Automobilbranche hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur die Antriebstechnik weiterentwickelt. Auch die Fähigkeit eines Fahrzeugs, seine Umgebung zu erfassen, spielt eine immer größere Rolle. Sensoren erkennen Hindernisse, überwachen andere Verkehrsteilnehmer und liefern Informationen über die aktuelle Verkehrssituation.
Bei E-Bikes konzentrierte sich die Entwicklung dagegen lange vor allem auf größere Reichweiten, leichtere Rahmen und eine möglichst natürliche Motorunterstützung. Was auf der Straße passiert, muss weiterhin fast ausschließlich der Fahrer selbst im Blick behalten.
ADO möchte das mit Sense 3.0 ändern. Das neue System wurde für den Einsatz an E-Bikes entwickelt und verbindet zwei unterschiedliche Sensortypen, die jeweils einen eigenen Bereich rund um das Fahrrad überwachen.
LiDAR scannt bis zu 20 Meter voraus
An der Vorderseite des E-Bikes kommt ein LiDAR-Sensor zum Einsatz. Er tastet während der Fahrt kontinuierlich den Bereich bis zu 20 Meter vor dem Fahrrad ab und erzeugt daraus in Echtzeit dreidimensionale Umgebungsdaten.
LiDAR arbeitet mit ausgesendeten Lichtimpulsen. Anhand der Zeit, die diese Impulse für den Weg zu einem Objekt und zurück benötigen, lassen sich Entfernungen und räumliche Strukturen bestimmen.
ADO zufolge soll Sense 3.0 damit Hindernisse, den Verlauf der Straße und Veränderungen des Untergrunds erfassen. Das System erhält so ein räumliches Bild des Bereichs, auf den sich das E-Bike zubewegt. Die Informationen könnten dazu beitragen, schwierige Situationen früher zu erkennen und die Fahrt durch komplexe städtische Umgebungen gleichmäßiger zu gestalten.

Radar überwacht den Verkehr von hinten
Während der LiDAR nach vorne blickt, beobachtet ein Millimeterwellenradar am Heck den rückwärtigen Verkehr. Der Sensor soll Objekte erkennen, die sich dem E-Bike von hinten nähern und dabei sowohl ihre Position als auch ihre Geschwindigkeit bestimmen.
Für die Totwinkelerkennung nennt ADO einen überwachten Bereich von fünf mal fünf Metern. Die sogenannte Spurwechselunterstützung reicht nach Herstellerangaben bis zu 40 Meter nach hinten und deckt dabei einen fünf Meter breiten Korridor ab.
Damit könnte das System beispielsweise herannahende Fahrzeuge registrieren, bevor sie sich unmittelbar neben dem E-Bike befinden.
Beide Sensoren arbeiten zusammen
Der LiDAR an der Front und das Radar am Heck liefern ihre Daten nicht unabhängig voneinander. Sense 3.0 führt die Informationen beider Sensoren über eine sogenannte Sensorfusion zusammen.
Auf diese Weise entsteht ein umfassenderes Bild der unmittelbaren Verkehrssituation. Der LiDAR erfasst die vorausliegende Strecke, während das Radar gleichzeitig beobachtet, was sich von hinten nähert. ADO möchte damit Bereiche abdecken, die der Fahrer während der Fahrt nicht permanent selbst beobachten kann.
„Wir glauben, dass die nächste Generation von E-Bikes Fahrer nicht nur elektrisch unterstützen sollte, sondern auch mit einem echten Verständnis für ihre Umgebung“, erklärt Sen, Gründer von ADO E-Bike.
Sense 3.0 soll den Fahrer dabei nicht ersetzen. Vielmehr geht es darum, zusätzliche Informationen aus der Umgebung zu gewinnen und für Assistenzfunktionen nutzbar zu machen.

Kombination mit einer automatischen Schaltung
ADO bringt die Umgebungserkennung außerdem mit automatischen Schaltsystemen in Verbindung. Solche Schaltungen wählen den Gang normalerweise anhand von Fahrdaten wie Geschwindigkeit, Trittfrequenz oder Tretleistung.
Zusätzliche Informationen über die Strecke könnten künftig eine weitere Grundlage für die Abstimmung des E-Bikes liefern. Dadurch wäre es denkbar, dass elektrische Unterstützung und Gangwahl nicht nur auf die Eingaben des Fahrers reagieren, sondern auch die jeweilige Fahrsituation berücksichtigen.
Wie eng ADO Sense 3.0 tatsächlich mit Motor und Schaltung verbunden sein wird, lässt das Unternehmen bislang offen. Der Hersteller beschreibt die Kombination derzeit vor allem als Ausblick auf kommende E-Bike-Generationen
Quelle: ADO







