HONOR 600: Design und Verarbeitung
Hat HONOR das nötig? Diese Frage drängt sich beim HONOR 600 fast automatisch auf. So deutlich bei Apple abzuschauen, wirkt schon ziemlich dreist. Gerade von HONOR hätte ich mir beim Design mehr Eigenständigkeit gewünscht. Gleichzeitig lässt sich schwer leugnen, dass das Gesamtbild stimmig ist und im Alltag gut funktioniert.
Das knallige Orange bringt genau die Portion Charakter, die dem Gerät sonst vielleicht fehlen würde. Es ist auffällig, ohne billig zu wirken, und sorgt dafür, dass man das Smartphone nicht sofort in einer Hülle verstecken möchte. Dieses Gefühl hatte ich zuletzt vor einigen Jahren beim Google Pixel 4 in Orange. Wer mit so einer knalligen Farbe nichts anfangen kann, bekommt das HONOR 600 aber auch in deutlich ruhigeren Varianten wie Schwarz oder Goldweiß.

Mit 7,8 mm Gehäusedicke bleibt das HONOR 600 angenehm schlank und wirkt trotz der kantigen Form nicht klobig. In Kombination mit dem 6,57 Zoll großen Display ergibt sich ein kompaktes Format, das gut in der Hand liegt und trotzdem genug Platz für Medien und Apps lässt. Das HONOR 400 war hier ähnlich unterwegs, das 600 wirkt aber insgesamt noch etwas stimmiger ausbalanciert.
Im direkten Vergleich zum HONOR 400 merkt man außerdem, dass HONOR bei der Materialwahl nachgebessert hat. Das liegt vor allem am Metallrahmen, womit sich das Gerät deutlich hochwertiger und stabiler anfühlt, als der Kunststoffrahmen des Vorgängers. Die Verarbeitung passt, nichts knarzt, die Übergänge sind sauber und die Tasten haben einen klaren Druckpunkt.

Neu ist der zusätzliche AI-Button an der Seite. Wie bei vielen anderen Herstellern ist die Taste nicht komplett frei belegbar, sondern auf einige wenige Funktionen begrenzt. Dazu zählen die Kamera, verschiedene KI-Features oder Google Lens. Immerhin lässt sich festlegen, was bei kurzem Drücken, doppeltem Drücken oder langem Gedrückthalten passieren soll, sodass man sich eine kleine Auswahl an Schnellzugriffen zusammenstellen kann. Wer damit nichts anfangen kann, hat auch die Möglichkeit, den Button komplett zu deaktivieren.
Auch bei der Robustheit legt HONOR nach. Statt einfachem Spritzwasserschutz wie beim HONOR 400 bietet das HONOR 600 eine umfangreiche IP68 und IP69 Zertifizierung. Damit ist das Gerät nicht nur besser gegen Staub und Wasser gewappnet, sondern auch insgesamt widerstandsfähiger im Alltag, egal ob am Strand, im Regen oder am Pool.
HONOR 600: Display
Wie schon beim HONOR 400 setzt HONOR auf ein flaches AMOLED-Panel und verzichtet weiterhin auf gebogene Kanten, womit Fehleingaben am Rand praktisch nicht vorkommen.
Mit 6,57 Zoll wächst das Display minimal im Vergleich zum HONOR 400, bleibt aber gut beherrschbar. Deutlich auffälliger sind die sehr schmalen Displayränder, die rundum gleichmäßig ausfallen und dem Gerät eine moderne, fast randlose Optik geben.

Die Auflösung liegt bei 2728 x 1264 Pixeln und sorgt für eine scharfe Darstellung. Inhalte wirken klar, Texte sauber und auch bei näherem Hinsehen sind keine störenden Pixelstrukturen zu erkennen. Farben stellt das Panel kräftig dar, ohne übertrieben zu wirken. Im Vergleich zum HONOR 400 ist die Abstimmung einen Tick lebendiger, bleibt aber angenehm natürlich.
Bei der Helligkeit zeigt sich ein typisches Bild moderner Smartphones. Die von HONOR beworbenen Extremwerte werden im Alltag zwar nicht dauerhaft erreicht, im Automatikmodus sind aber deutlich über 1.500 Nits möglich. Damit bleibt das Display selbst bei direkter Sonneneinstrahlung gut ablesbar. Im Innenbereich regelt das Panel auch weit genug herunter, sodass es in dunkler Umgebung nicht unangenehm blendet. Die automatische Helligkeitssteuerung arbeitet zuverlässig, reagiert aber gelegentlich etwas zurückhaltend.
Mit 120 Hz Bildwiederholrate läuft alles flüssig. Scrollen, Wischen und Animationen fühlen sich durchgehend geschmeidig an. Dabei arbeitet das Display mit festen Stufen und wechselt je nach Anwendung zwischen 60, 90 und 120 Hertz. Im normalen Gebrauch fällt das selten auf, sorgt aber dafür, dass nicht jede App konstant mit 120 Hertz läuft. Einen großen Unterschied zum HONOR 400 merkt man insgesamt trotzdem nicht.
Auch beim Thema Medienwiedergabe ist das Display gut aufgestellt. HDR-Inhalte werden unterstützt und Streamingdienste wie Netflix liefern durch Widevine L1 Inhalte in hoher Auflösung.
Für die Augenfreundlichkeit setzt HONOR weiterhin auf eine PWM-Dimming-Frequenz von 3840 Hz. Das reduziert sichtbares Flimmern bei niedriger Helligkeit und macht sich vor allem beim Lesen am Abend positiv bemerkbar. Ergänzt wird das Ganze durch Funktionen wie Blaulichtfilter oder einen E-Book-Modus.
Ein kleiner Kritikpunkt bleibt die Umsetzung des Always-On-Displays. Trotz des Namens ist es nicht dauerhaft aktiv, sondern muss erst durch Antippen oder Bewegung geweckt werden. Das wirkt etwas halbherzig, zumal das Panel selbst die Voraussetzungen für eine echte Always-On-Anzeige problemlos erfüllen würde.
HONOR 600: Performance
Im HONOR 600 steckt mit dem Snapdragon 7 Gen 4 der direkte Nachfolger des Snapdragon 7 Gen 3 aus dem HONOR 400. Der Leistungssprung fällt damit erwartungsgemäß moderat aus, doch die Performance ist völlig ausreichend.
Apps starten schnell, das System reagiert zuverlässig und auch beim Wechsel zwischen mehreren Anwendungen kommt es kaum zu Verzögerungen. Mit 8 oder 12 GB RAM ist genug Spielraum für Multitasking vorhanden und im Vergleich zum HONOR 400 wirkt das System minimal flüssiger. Große Unterschiede sollte man aber wie gesagt nicht erwarten.
Bei Mobile-Games zeigt sich das typische Bild der gehobenen Mittelklasse. Titel wie Call of Duty Mobile oder PUBG laufen flüssig, solange man die Grafik nicht zu hoch einstellt. Anspruchsvollere Spiele wie Genshin Impact sind spielbar, erfordern aber reduzierte Details für stabile Frameraten. Ambitionierte Gamer werden früher oder später an Grenzen stoßen.
Positiv ist die Wärmeentwicklung. Selbst unter Last bleibt das Gerät kontrolliert und wird nicht unangenehm heiß. Dadurch bleibt die Leistung über längere Zeit relativ stabil, ohne stark einzubrechen.
HONOR 600: Software
Das HONOR 600 läuft mit MagicOS 10 auf Basis von Android 16. Damit ist es softwareseitig auf dem aktuellen Stand und orientiert sich stark an dem, was HONOR bereits in der Oberklasse eingeführt hat.
Die Oberfläche setzt weiterhin auf eine Mischung aus klassischem Android und klaren iOS-Anleihen. Transparenzeffekte, weiche Übergänge und die bekannte "Magic Capsule" für Benachrichtigungen erinnern sichtbar an Apples Ansatz, fügen sich aber stimmig ins Gesamtbild ein. Wer von einem anderen Android-Gerät kommt, braucht eine kurze Eingewöhnung, findet sich danach aber schnell zurecht.
Positiv ist die Update-Zusage. HONOR verspricht sechs Jahre lang System- und Sicherheitsupdates, also bis Android 22. Das ist für ein Gerät dieser Klasse ordentlich.
Inhaltlich setzt HONOR stark auf Künstliche Intelligenz. Viele Funktionen sind nicht neu, wurden aber weiter ausgebaut und besser ins System integriert. Dazu gehört etwa Magic Portal, eine Art kontextabhängige Zwischenablage. Inhalte lassen sich per Geste aufnehmen und direkt an passende Apps weiterreichen. Das funktioniert im Alltag erstaunlich gut, etwa beim Teilen von Bildern, Adressen oder Texten.
Auch Funktionen wie Magic Text, das Texte aus Bildern erkennt, oder KI-Untertitel und Live-Übersetzungen sind wieder mit dabei. Gerade bei fremdsprachigen Inhalten oder in lauter Umgebung sind das durchaus nützliche Features. Ergänzt wird das Ganze durch kleinere Tools wie eine Deepfake-Erkennung in Videoanrufen oder eine Art "KI-Erinnerungen", die Inhalte automatisch sortiert.
Eine zentrale Rolle spielt die Galerie-App, in der viele der KI-Funktionen gebündelt sind. Neben bekannten Features wie dem Entfernen von Objekten oder dem Anpassen von Bildern gibt es auch wieder die Bild-zu-Video-Funktion. In der aktuellen Version lassen sich mehrere Bilder kombinieren und per Texteingabe zu kurzen 3-8 Sekunden Clips verarbeiten. Das funktioniert technisch beeindruckend, bleibt im Alltag aber eher ein kreatives Extra als ein regelmäßig genutztes Feature. Zudem ist dafür eine Internetverbindung nötig und langfristig dürfte die Nutzung kostenpflichtig werden. Der bereits erwähnte AI-Button greift viele dieser Funktionen direkt auf.
Nicht alles läuft perfekt. Im Test zeigen sich vereinzelt kleinere Unstimmigkeiten im System, etwa bei Benachrichtigungen oder einzelnen Abläufen. Das ist nichts Dramatisches, zeigt aber, dass MagicOS noch nicht ganz auf dem Niveau der saubersten Android-Oberflächen ist.
HONOR 600: Kamera
Die Hauptkamera setzt auf einen 200 MP Sensor mit f/1.9 Blende und optischer Bildstabilisierung, unterstützt von einer 12 MP Ultraweitwinkelkamera. Eine Telekamera fehlt weiterhin und ist dem HONOR 600 Pro vorbehalten.

Hauptkamera
Im Alltag zeigt sich die Hauptkamera als verlässlich. Bei Tageslicht entstehen scharfe, detailreiche Fotos mit lebendigen Farben und solider Dynamik. Die Abstimmung ist typisch HONOR, also eher auf direkt nutzbare Ergebnisse ausgelegt. Kontraste wirken etwas kräftiger, ohne komplett überzogen zu sein. In den meisten Situationen liefert die Kamera einfach ab.
Allerdings ist nicht alles perfekt. In sehr hellen Szenen neigt die Kamera gelegentlich dazu, Bereiche leicht ausbrennen zu lassen oder Lens Flares einzufangen, wenn die Sonne ungünstig steht. Das fällt nicht ständig auf, kann aber je nach Motiv sichtbar werden.
Beim Zoom zeigt sich die größte Einschränkung. Ein zweifacher Zoom funktioniert dank der hohen Sensorauflösung noch erstaunlich gut und liefert brauchbare Ergebnisse mit ordentlicher Schärfe. Darüber hinaus bricht die Qualität jedoch schnell ein. Details gehen verloren und die Software greift stärker ein. HONOR versucht das mit KI-gestützter Nachbearbeitung zu kompensieren, was mal besser, mal schlechter funktioniert. Eine echte Telekamera kann das aber nicht ersetzen.
Bei Nachtaufnahmen schlägt sich die Hauptkamera ordentlich. Der Sensor holt genug Licht aus der Szene, ohne komplett zu übertreiben. Farben bleiben meist stabil und das Bildrauschen hält sich in Grenzen. Der Nachtmodus kann zusätzliche Details herausholen, benötigt aber etwas Zeit und eine ruhige Hand.
Ultraweitwinkelkamera
Die Ultraweitwinkelkamera ist solide, aber klar die schwächere der beiden. Für Landschaften oder Gruppenfotos reicht sie aus, zeigt aber typische Schwächen wie weichere Details an den Rändern und eine insgesamt geringere Lichtempfindlichkeit. Bei guten Lichtverhältnissen passt das, bei wenig Licht merkt man die Grenzen schnell.
Frontkamera und Video
Die Selfiekamera mit 50 MP gehört zu den stärkeren in dieser Klasse. Sie liefert scharfe Aufnahmen mit guter Belichtung und natürlichen Hauttönen. Auch bei Video gibt es Positives zu berichten, denn sowohl Front- als auch Hauptkamera unterstützen 4K-Aufnahmen. Die Videos wirken stabil, der Autofokus arbeitet zuverlässig und die Qualität reicht für Social Media und Clips locker aus.
HONOR 600: Konnektivität
Im Mobilfunkbereich unterstützt das Gerät 5G auf beiden SIM-Slots. Dabei setzt HONOR auf eine Kombination aus Dual-Nano-SIM und eSIM, was im Alltag flexibel nutzbar ist. Im Test blieb die Verbindung stabil, egal ob im 5G-Netz in der Stadt oder im LTE-Fallback auf dem Land. Auch die Gesprächsqualität ist insgesamt gut, wobei vereinzelt kleinere Software-Unstimmigkeiten auftreten können, etwa beim Annehmen von Anrufen im Sperrbildschirm.
Beim WLAN ist Wi-Fi 6 an Bord. Das ist nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand, reicht im Alltag aber vollkommen aus. Datenraten sind hoch genug für Streaming, Downloads oder Cloud-Backups und auch die Stabilität im Heimnetz passt.

Bluetooth 5.4 sorgt für stabile Verbindungen zu Kopfhörern, Smartwatches und anderen Geräten. Die üblichen Audio-Codecs wie SBC, AAC sowie höherwertige Standards wie aptX und LDAC werden unterstützt.
Für Navigation setzt das HONOR 600 auf die gängigen Satellitensysteme wie GPS, Galileo, GLONASS und BeiDou. Die Ortung funktioniert zuverlässig und auch in dicht bebauten Gebieten bleibt die Position stabil.
NFC ist ebenfalls an Bord und funktioniert problemlos für kontaktloses Bezahlen oder das schnelle Koppeln kompatibler Geräte.

Beim Audio zeigt sich ein gemischtes Bild. Das Smartphone verfügt über Stereo-Lautsprecher, die für Videos oder Podcasts ausreichend laut werden. Klanglich fehlt es aber etwas an Tiefe und Druck, besonders bei Musik.
Der Fingerabdrucksensor im Display arbeitet schnell und zuverlässig. Ergänzend steht eine Gesichtserkennung zur Verfügung, die bei guten Lichtverhältnissen ordentlich funktioniert, bei Dunkelheit aber an ihre Grenzen kommt.
HONOR 600: Akku
Während das HONOR 400 noch mit einem 5.300 mAh Akku auskommen musste, steckt im neuen Modell ein 6.400 mAh Akku. Bei moderater Nutzung sind zwei Tage drin, mit etwas Zurückhaltung auch mehr. Selbst bei intensiver Nutzung mit viel Displayzeit, Streaming und Social Media kommt man in der Regel entspannt durch einen Tag, ohne ständig auf den Akkustand schauen zu müssen. Im Vergleich zum HONOR 400 ist das nochmal ein Fortschritt, auch wenn das alte Modell ebenfalls schon solide unterwegs war.
Geladen wird mit bis zu 80 Watt per Kabel. Einen passenden Schnellladeadapter legt HONOR allerdings nicht mehr bei, was inzwischen üblich ist. Mit einem kompatiblen Netzteil landet man in rund 20 bis 25 Minuten bei etwa 50 Prozent, eine vollständige Ladung dauert ungefähr eine Stunde.
Auf kabelloses Laden verzichtet das HONOR 600. Auch Reverse Wireless Charging fehlt, lediglich kabelgebundenes Reverse Charging wird unterstützt.





































