Design und Verarbeitung
Wie seine Vorgänger setzt auch das Smart Band 10 Pro auf ein breiteres, annähernd quadratisches Gehäuse, womit es am Handgelenk eher wie eine kompakte Smartwatch wirkt. Einen grundlegenden Formwechsel gibt es also nicht.
Neu ist dagegen die Ceramic Edition in Pearl White, während die regulären Varianten einen Aluminiumrahmen in Schwarz, Silber oder Pink verwenden. Das weiße Keramikgehäuse ist glatt, leicht glänzend und fühlt sich deutlich hochwertiger an als das, was man normalerweise in dieser Preisklasse am Handgelenk trägt. Ob der komplett weiße und damit sehr auffällige Look gefällt, bleibt Geschmackssache.

Mit 43,96 × 33,36 × 9,7 Millimetern fällt die Ceramic Edition etwas größer aus als das Standardmodell mit 42,83 × 32,16 × 9,7 Millimetern. Auch beim Gewicht gibt es einen Unterschied, denn das Keramikgehäuse bringt ohne Armband 28,7 Gramm auf die Waage, während die Aluminiumversion mit 21,6 Gramm leichter ist. Am Handgelenk fällt davon aber kaum etwas auf. Das Band sitzt angenehm flach und stört weder unter enger Kleidung noch nachts beim Schlafen.
Zum guten Tragegefühl trägt auch das Fluorkautschukarmband bei. Das Material fühlt sich weich und flexibel an und wird über einen klassischen Dornverschluss geschlossen. Die Armbänder lassen sich über einen Entriegelungsmechanismus auf der Unterseite ohne Werkzeug abnehmen und austauschen. Allerdings setzt Xiaomi weiterhin auf einen speziellen Anschluss, sodass normale Uhrenarmbänder nicht ohne Weiteres passen.

Ebenfalls vom Vorgänger übernommen wurde der vollständige Verzicht auf physische Bedienelemente. Weder Taste noch Krone sind vorhanden, sämtliche Eingaben erfolgen über den Touchscreen. Das sorgt zwar für glatte Gehäuseseiten, ist aber nicht in jeder Situation die praktischste Lösung. Die Gestensteuerung funktionierte im Test zwar problemlos, beim Sport oder mit feuchten Fingern wäre eine Taste allerdings schneller zu bedienen.
Nach vier Wochen nahezu durchgehendem Tragen zeigte sich das Smart Band 10 Pro erstaunlich pflegeleicht. Das Keramikgehäuse blieb frei von sichtbaren Kratzern und auch das weiße Fluorkautschukarmband hielt sich erfreulich sauber. Lediglich auf der Unterseite rund um den Sensor sammelt sich durch Schweiß mit der Zeit etwas Schmutz. Der lässt sich jedoch problemlos unter fließendem Wasser abspülen.
Dafür ist das Smart Band 10 Pro mit 5 ATM gegen Wasser geschützt. Duschen oder Schwimmen im Pool ist problemlos möglich, für Tauchen, Sauna oder Wassersportarten mit starkem Wasserdruck ist das Band dagegen nicht ausgelegt.

Display
Xiaomi verbaut erneut ein 1,74 Zoll großes AMOLED mit einer Auflösung von 480 × 336 Pixeln und bis zu 60 Hz Bildwiederholrate. Neu ist vor allem die höhere Helligkeit, die in der Spitze bis zu 2.000 Nits und im High-Brightness-Modus bis zu 1.500 Nits erreicht.
Inhalte bleiben auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut ablesbar, ohne dass man das Handgelenk erst in den Schatten drehen muss. Die automatische Helligkeitsregelung reagierte im Test zuverlässig auf wechselnde Lichtverhältnisse und regelte das Display auch abends weit genug herunter, um nicht unangenehm hell zu wirken.
An Schärfe und Darstellung gibt es ebenfalls wenig auszusetzen. Texte, Symbole und Trainingsdaten sind klar ablesbar, Farben wirken kräftig und die Oberfläche reagiert zügig auf Eingaben. Das an den Rändern leicht gewölbte 2.5D-Glas lässt Wischgesten zudem angenehm über den Rand laufen und fügt sich sauber in das Gehäuse ein.

Wie schon beim Vorgänger steht ein Always-on-Display zur Verfügung. Dabei wird eine reduzierte Version des gewählten Zifferblatts dauerhaft angezeigt. Der Komfort, nicht ständig das Handgelenk anheben zu müssen, geht allerdings spürbar auf Kosten der Akkulaufzeit, weshalb ich meist die Aktivierung per Handgelenkbewegung bevorzugt habe.
Bei den Zifferblättern bietet Xiaomi erneut eine große Auswahl. Über die Mi-Fitness-App lassen sich mehr als 200 Watchfaces installieren, von sehr reduzierten Anzeigen bis hin zu Varianten mit zahlreichen Fitness- und Gesundheitswerten. Eigene Fotos können je nach Zifferblatt ebenfalls eingebunden werden.
Bedienung und Software
Auf dem Smart Band 10 Pro läuft HyperOS und die Verbindung zum Smartphone erfolgt über die bereits erwähnte Mi-Fitness-App. Unterstützt werden sowohl Android als auch iOS. An der grundsätzlichen Bedienlogik hat Xiaomi wenig verändert. Ein Wisch von unten öffnet die App-Übersicht, von oben erscheinen die Benachrichtigungen. Von links gelangt man zu den Schnellzugriffen, während rechts frei konfigurierbare Widgets für beispielsweise Wetter, Herzfrequenz oder Aktivitätsdaten liegen.
Die Oberfläche wirkt aufgeräumt und lief während des Testzeitraums flüssig und ohne auffällige Verzögerungen. Durch das 60-Hz-Display sehen auch Animationen angenehm geschmeidig aus. Die wichtigsten Funktionen sind mit wenigen Gesten erreichbar und die Anordnung der Widgets lässt sich an die eigenen Gewohnheiten anpassen.
Dass Xiaomi weiterhin auf eine physische Taste verzichtet, macht sich bei der Navigation allerdings bemerkbar. Wer sich mehrere Ebenen tief in einem Menü befindet, muss sich mit wiederholten Wischgesten zurückarbeiten. Einen schnellen Sprung zum Zifferblatt oder eine Übersicht zuletzt verwendeter Apps gibt es nicht. Nach etwas Eingewöhnung ist das kein großes Hindernis, komfortabler wäre eine zusätzliche Taste aber durchaus.
Auch der Vibrationsmotor hinterließ einen guten Eindruck. Benachrichtigungen, Wecker und Hinweise während eines Trainings sind deutlich spürbar, ohne dass die Vibration unnötig grob wirkt.

Bei den smarten Funktionen deckt das Smart Band 10 Pro die üblichen Grundlagen ab. Benachrichtigungen vom Smartphone werden zuverlässig angezeigt, darunter auch Nachrichten aus Messengern wie WhatsApp. Antworten lassen sich darüber allerdings nicht verfassen.
Eingehende Anrufe erscheinen ebenfalls auf dem Display, können aber nur abgelehnt beziehungsweise stummgeschaltet werden. Der Grund dafür ist einfach, denn dem Smart Band 10 Pro fehlen weiterhin Mikrofon und Lautsprecher. Telefonate direkt über das Handgelenk sind damit ebenso wenig möglich wie die Nutzung eines Sprachassistenten.
Daneben stehen Funktionen wie Wetter, Kalender, Musiksteuerung, Smartphone-Suche, Timer, Stoppuhr, Wecker und Kamera-Fernauslöser zur Verfügung. Die Taschenlampenfunktion nutzt schlicht das Display in maximaler Helligkeit, erweist sich nachts aber durchaus als praktisch.
Etwas zwiespältiger fällt der Eindruck der Mi-Fitness-App aus. Sie bündelt Einstellungen, Watchfaces sowie Fitness-, Schlaf- und Gesundheitsdaten an einem Ort und bietet grundsätzlich alle wichtigen Funktionen. Die Darstellung wirkt allerdings nicht an jeder Stelle so aufgeräumt wie die Oberfläche direkt auf dem Band. Gerade bei umfangreicheren Gesundheits- und Trainingsdaten dürfte Xiaomi die Struktur noch etwas übersichtlicher gestalten.
Die Ceramic Edition bringt außerdem NFC für Xiaomi Pay mit. Damit lässt sich das Band zum kontaktlosen Bezahlen nutzen, sofern die eigene Bank beziehungsweise der Zahlungsanbieter unterstützt wird. Die Auswahl fällt allerdings deutlich kleiner aus als bei Google Wallet oder Apple Pay. In Deutschland werden unter anderem Advanzia, Curve und Payoneer unterstützt.
Gesundheits- und Schlaftracking
Beim Gesundheits-Tracking setzt Xiaomi auf einen überarbeiteten PPG-Sensor, der Herzfrequenz und Blutsauerstoffsättigung erfasst. Ergänzt wird das Ganze durch Funktionen für Stress, HRV, Atemfrequenz und Schlafanalyse. Vieles davon kennt man bereits vom Vorgänger, allerdings sollen neue Sensorik und angepasste Algorithmen die Messungen genauer machen.

Die Herzfrequenz kann wahlweise intelligent oder kontinuierlich erfasst werden. Im Test habe ich die engmaschige Messung genutzt, um einen möglichst vollständigen Tagesverlauf zu erhalten. Die Werte wirkten über den Monat hinweg plausibel und größere Ausreißer blieben aus. Zusätzlich lassen sich Warnungen für ungewöhnlich hohe oder niedrige Herzfrequenzen aktivieren, wobei Xiaomi nur vorgegebene Grenzwerte zur Auswahl stellt.
Ähnlich verhält es sich mit der SpO₂-Messung. Über den Tag hinweg bewegten sich die Werte in einem nachvollziehbaren Bereich. Vereinzelt können vor allem nachts Fehlmessungen auftreten, wenn das Band nicht sauber auf der Haut aufliegt oder man ungünstig darauf liegt. Wie bei allen Wearables dieser Art sind die Werte ohnehin eher zur Beobachtung von Trends gedacht und ersetzen keine medizinische Messung.

Dazu kommt eine Stressmessung, die den Tagesverlauf in verschiedene Belastungsstufen einordnet. Das kann einen groben Eindruck vermitteln, wann der Körper stärker gefordert war, sollte aber nicht überinterpretiert werden. Bei Bedarf bietet das Band außerdem geführte Atemübungen, die mit visuellen Hinweisen und Vibration durch die einzelnen Atemphasen führen.
Eine weitere Kennzahl ist der Vitalitätswert. Dabei sammelt man Punkte durch Training und allgemein aktive Phasen im Alltag. Das erinnert an ähnliche Aktivitätssysteme anderer Hersteller und soll vor allem dazu motivieren, sich regelmäßig zu bewegen. Als konkrete Aussage über den eigenen Fitnesszustand ist der Wert dagegen nur eingeschränkt hilfreich.
Interessanter ist das Schlaftracking, zumal das Smart Band 10 Pro aufgrund seines geringen Gewichts problemlos über Nacht getragen werden kann. Einschlafzeiten wurden im Test zuverlässig erkannt. Beim morgendlichen Aufwachen lag das Band gelegentlich einige Minuten daneben, insgesamt stimmte die erfasste Schlafdauer aber gut mit dem tatsächlichen Zeitraum überein.
Neben der Schlafdauer unterteilt Xiaomi die Nacht in Leicht-, Tief- und REM-Schlaf und berechnet daraus unter anderem einen Schlafwert und die Schlafeffizienz. Zusätzlich werden die durchschnittliche Herzfrequenz, Blutsauerstoffsättigung und Atemfrequenz während der Nacht erfasst.
Neu beziehungsweise stärker in den Mittelpunkt gerückt ist die Herzfrequenzvariabilität (HRV) während des Schlafs. Einzelne Werte sind dabei wenig aussagekräftig, über mehrere Wochen können Veränderungen aber einen Hinweis darauf geben, wie sich Belastung, Erholung oder Schlafqualität entwickeln.
Sporttracking und GPS
Xiaomi spricht von mehr als 150 Sportmodi, wobei die hohe Zahl etwas relativiert werden muss. Einige Trainingsarten unterscheiden sich nur geringfügig voneinander oder könnten problemlos zusammengefasst werden. Die wichtigen Disziplinen wie Laufen, Radfahren, Walking, Schwimmen und Krafttraining sind aber vorhanden und lassen sich direkt am Handgelenk starten.
Gerade beim Laufen bietet das Band mehr als eine reine Aufzeichnung von Zeit, Distanz und Herzfrequenz. Trainings lassen sich nach Zeit, Strecke oder Kalorien steuern, außerdem stehen Intervalltrainings zur Verfügung. Mit dem KI-Pacer kann eine Zielpace vorgegeben werden, wobei während des Laufs angezeigt wird, ob man dem angestrebten Tempo voraus- oder hinterherläuft.

Dazu kommen einfache Trainingsprogramme für unterschiedliche Leistungsniveaus. Sie ersetzen zwar keinen individuell abgestimmten Trainingsplan, können Einsteigern aber etwas Struktur geben. Nach dem Workout zeigt das Band unter anderem Trainingsbelastung, Erholungszeit und VO₂max an. Für Läufer gibt es darüber hinaus Prognosen für verschiedene Distanzen. Solche Werte sollte man eher als Orientierung verstehen, denn gerade ohne längere Trainingshistorie können die Einschätzungen recht optimistisch ausfallen.
Für Outdoor-Aktivitäten besitzt das Smart Band 10 Pro ein eigenes GNSS-Modul, sodass Smartphone und Band beim Laufen oder Radfahren nicht dauerhaft miteinander verbunden sein müssen. Das ist auch einer der wesentlichen Vorteile gegenüber einfacheren Fitnessarmbändern. Ein modernes Dual-Band-GNSS, wie es inzwischen bei einigen teureren Sportuhren zum Einsatz kommt, bietet Xiaomi allerdings nicht.
In offenen Bereichen funktionierte die Streckenaufzeichnung im Test weitgehend zuverlässig. Distanz und Verlauf waren nachvollziehbar und für normale Trainingsrunden ausreichend genau. Schwieriger wird es dort, wo der Satellitenempfang eingeschränkt ist. Zwischen höheren Gebäuden, unter dichterem Baumbestand oder auf engeren Wegen kann die aufgezeichnete Route unruhiger verlaufen und teilweise neben der tatsächlichen Strecke liegen.
Für Freizeitläufer und gelegentliche Radtouren reicht die Genauigkeit meiner Erfahrung nach aus. Wer dagegen gezielt nach Pace trainiert oder auf möglichst exakte Distanzwerte angewiesen ist, bekommt mit einer spezialisierten Sportuhr die verlässlichere Lösung.
Bei der Herzfrequenzmessung während des Trainings zeigt sich ein ähnliches Bild. Bei gleichmäßiger Belastung folgte das Band Veränderungen des Pulses plausibel und lieferte insgesamt stabile Werte. Bei schnellen Belastungswechseln oder starken Bewegungen am Handgelenk kann der optische Sensor allerdings ins Hintertreffen geraten. Besonders beim Krafttraining oder auf unruhigem Untergrund beim Radfahren sind kurzfristige Abweichungen möglich. Schade ist in diesem Zusammenhang, dass sich kein externer Brustgurt mit dem Smart Band 10 Pro koppeln lässt.
Akkulaufzeit und Laden
Im Smart Band 10 Pro steckt wie beim Vorgänger ein 350-mAh-Akku. Xiaomi gibt eine Laufzeit von bis zu 21 Tagen an, allerdings nur unter vergleichsweise sparsamen Bedingungen. Wer Funktionen wie kontinuierliche Herzfrequenzmessung, SpO₂-Tracking, Benachrichtigungen und Schlafanalyse dauerhaft nutzt, kommt entsprechend früher ans Ladegerät.
Den größten Einfluss hat das Always-on-Display. Mit dauerhaft aktiver Anzeige schrumpft die Laufzeit deutlich und bewegt sich eher im Bereich von rund einer Woche. Wer stattdessen auf die Aktivierung per Handgelenkbewegung setzt, kann die Laufzeit erheblich verlängern. Gerade weil das Display beim Anheben zuverlässig reagiert, war das für mich im Alltag der sinnvollere Kompromiss.
Auch GPS-Workouts machen sich beim Verbrauch bemerkbar. Wer regelmäßig längere Läufe oder Radtouren aufzeichnet, muss entsprechend häufiger nachladen. Trotzdem bleibt die Akkulaufzeit eine klare Stärke des Smart Band 10 Pro. Im Vergleich zu vielen vollwertigen Smartwatches, die nach wenigen Tagen wieder an die Steckdose müssen, spielt das Band hier seinen einfacheren Aufbau deutlich aus.

Geladen wird weiterhin über einen magnetischen Zwei-Pin-Anschluss auf der Rückseite. Das Kabel sitzt zuverlässig am Gehäuse, ist allerdings proprietär und sollte auf Reisen besser nicht vergessen werden. Weniger zeitgemäß ist auch, dass Xiaomi am anderen Ende weiterhin auf USB-A statt USB-C setzt.
Für eine vollständige Ladung sollte man ungefähr 90 Minuten einplanen. Eine besonders schnelle Ladefunktion gibt es damit zwar nicht, angesichts der langen Laufzeit fällt das im Alltag aber weniger ins Gewicht.











