Headphone (1) Pro: Design, Verarbeitung und Tragekomfort
Die kantigen Ohrmuscheln, die transparenten Elemente und die gesamte Grundform sind fast identisch zum Headphone (1). Das Pro-Modell wirkt nicht neu, sondern eher nachgeschärft. Etwas mehr Metall, Panda Glass an den Ohrmuscheln und ein großzügigeres Kopfpolster sorgen dafür, dass sich das Ganze etwas hochwertiger und angenehmer anfühlt. Unter dem Glas ist die Gestaltung ruhiger und tiefer geworden. Wo der Vorgänger noch nach Kassettendeck aussah, erinnert der Pro eher an eine kleine Schallplatte im Gehäuse.

Mit rund 327 Gramm bleibt der Headphone (1) Pro trotzdem kein Leichtgewicht, was auf dem Kopf tatsächlich weniger auffällt, als man erwarten würde. Das etwas breitere Kopfpolster verteilt den Druck besser, die Ohrpolster sind weich genug für längere Sessions und der Anpressdruck trifft einen guten Mittelweg zwischen sicherem Sitz und Schraubstock.
Die für mich wichtigste Änderung sind die austauschbaren Ohrpolster, denn genau das war beim Headphone (1) noch unnötig umständlich. Beim Pro sind die Polster endlich geklickt, lassen sich mit wenigen Handgriffen abnehmen und wieder einsetzen und machen den Kopfhörer damit deutlich wartungsfreundlicher. Ganz frei ist man trotzdem nicht, denn das System bleibt proprietär und passende Polster müssen von Nothing kommen. Wer auf Velur, andere Schaumstoffe oder eine größere Auswahl von Drittanbietern gehofft hat, muss weiter warten.

Headphone (1) Pro: Ein Case mit eigenem Kopf
Beim Case wird Nothing wieder experimentierfreudiger. Statt den kompletten Kopfhörer einzuschließen, schützt die harte Schale nur die Ohrmuscheln, während der Bügel oben herausragt und kurzerhand zum Tragegriff wird. Mit einem optionalen Gurt lässt sich das Ganze sogar wie eine kleine Umhängetasche tragen. Unverkennbar Nothing, nur leider nicht unbedingt unverkennbar praktisch.

Das Hardcase des Headphone (1) war sperriger und konventioneller, hat dafür aber den kompletten Kopfhörer geschützt und zusätzlich Platz für Kabel geboten. Beim Pro bleibt der Bügel frei und USB-C- sowie Klinkenkabel müssen anderswo im Rucksack unterkommen. Noch kurioser wird es beim Gewicht, denn das Case bringt mit rund 383,5 Gramm sogar mehr auf die Waage als der Kopfhörer selbst.

Die Idee gefällt mir als Designobjekt durchaus, als einziges mitgeliefertes Case aber weniger. Ein klassisches Hardcase im Karton und diese Variante als optionales Accessoire hätten für mich mehr Sinn ergeben. So bekommt man eine ziemlich charmante Kopfhörer-Handtasche, obwohl man vielleicht einfach nur seine Kopfhörer sicher verstauen wollte.
Headphone (1) Pro: Bedienung
Auf der rechten Ohrmuschel sitzen wieder der Roller für Lautstärke und Wiedergabe, das Paddle für Titelsprünge sowie eine zusätzliche Multifunktionstaste. Kenner des Headphone (1) finden sich sofort zurecht.

Der Roller lässt sich blind ertasten, reagiert präzise und fühlt sich verlässlicher an als die üblichen Touchflächen, bei denen man sich gerne fragt, ob der Wisch jetzt wirklich angekommen ist. Auch das Paddle gibt klares Feedback und macht die Steuerung angenehm direkt.
Neu ist ein kleiner Schiebeschalter auf der Innenseite der linken Ohrmuschel, über den sich der neue Flat-Modus aktivieren lässt. Die Idee eines direkten Hardware-Schalters gefällt mir, die Position allerdings weniger, denn beim Tragen ist er nicht besonders leicht zu erwischen.

Headphone (1) Pro: Konnektivität
Bei der Konnektivität bleibt Nothing angenehm flexibel. Wer einfach nur Musik hören will, verbindet sich per Bluetooth und bekommt AAC, SBC und LDAC sowie eine Multipoint-Verbindung für zwei Geräte gleichzeitig. Wer möglichst verlustfrei hören möchte, wechselt auf USB-C und bekommt darüber Audio mit bis zu 24 Bit / 192 kHz.Und wer noch irgendwo einen alten Zuspieler mit Kopfhörerausgang stehen hat, bekommt weiterhin eine echte 3,5 Millimeter Klinkenbuchse.

Neu hinzugekommen ist Auracast, wobei der Headphone (1) Pro Broadcasts nicht nur empfangen, sondern selbst einen starten kann. Über die Nothing X App lässt sich das aktuell laufende Audio an andere Auracast-fähige Geräte in der Nähe weiterreichen. Heute ist das noch eine Nische, langfristig aber vermutlich eine der Funktionen, über die man sich freut, wenn die Umgebung endlich aufgeholt hat.
Headphone (1) Pro: Klang und Treiber
Pro Seite arbeiten jetzt drei Treiber zusammen. Ein 40-Millimeter-Dynamiktreiber für den Bass, ein zusätzlicher dynamischer Präzisionstreiber für Mitten und Höhen sowie ein xMEMS-Treiber für den oberen Hochtonbereich.
Die Abstimmung fällt kontrollierter aus als beim ursprünglichen Headphone (1). Der Bass reicht tief, bleibt aber sauber und auf der disziplinierten Seite. Mitten wirken klar, Stimmen lösen sich gut vom Rest des Mixes und gerade im Hochton holt der Pro mehr kleine Details aus Aufnahmen, ohne dabei permanent auf Effekt zu spielen.

Bei The Killers - In the Car Outside fällt vor allem die räumliche Darstellung auf. Die Stimme steht im Zentrum, Gitarren und Schlagzeug verteilen sich großzügig darum und der Hochton wirkt luftig, ohne unangenehm scharf zu werden.
Noch deutlicher wird das bei John Frusciante - Omission. Seine Stimme bekommt mehr Textur, während Tamburin und Backing Vocals daneben genug Platz behalten. Der Headphone (1) Pro versucht nicht, jedes Detail künstlich nach vorne zu schieben, sondern legt frei, was ohnehin in der Aufnahme steckt.

Bei instrumentaleren Stücken gefällt mir die Abstimmung fast noch besser. Roberto Cacciapaglia - Universal Dance wirkt weit, gestaffelt und erstaunlich geschlossen. Klavieranschläge haben Kontur, leise Details bleiben hörbar und der Raum erscheint größer, ohne dass Nothing mit künstlicher Breite nachhelfen muss.
Das bedeutet allerdings nicht, dass der Headphone (1) Pro automatisch bei jeder Musikrichtung die spannendere Wahl ist. Bei BackRoad Gee - Live in the Flesh ist der Bass zwar kontrolliert und sauber, aber etwas zu höflich. Gerade bei aggressiverem Hip-Hop oder elektronischer Musik fehlt gelegentlich der letzte Schub, den der günstigere Headphone (a) mit seiner energischeren Abstimmung besser liefert.

Auch bei modernerem Funk und Soul, etwa auf neueren Aufnahmen von Jungle, gefällt die Trennung zwischen Stimme und Instrumenten, wobei der Pro eher analytisch als ausgelassen spielt. Ähnlich sieht es bei älteren Aufnahmen von J. J. Cale oder Creedence Clearwater Revival aus, bei denen akustische Instrumente und Stimmen angenehm natürlich wirken.
Die Stärke des Headphone (1) Pro liegt darin, dass man nach einer Weile Details wahrnimmt, die bei einfacheren Abstimmungen leichter untergehen. Ganz unkritisch ist der aufwendige Treiberaufbau allerdings nicht. Der Klang reagiert relativ stark auf den Sitz des Kopfhörers. Schon kleine Veränderungen der Position oder eine nicht vollständig geschlossene Abdichtung können vor allem den Bass beeinflussen, teilweise aber auch den Hochton. Das fällt bei Brillen oder längeren Haaren stärker auf und macht den Pro etwas sensibler als seine Vorgänger.
Headphone (1) Pro: Nothing X App und Sound-Optionen
Für schnelle Klanganpassungen bietet die Nothing X App weiterhin einfache EQ-Presets, interessanter ist aber der Advanced EQ. Hier lassen sich Frequenz, Gain und Q-Faktor gezielt einstellen, statt nur ein paar feste Bänder hoch- oder runterzuschieben. Wer genau weiß, wo der eigene Sweet Spot liegt, kann den Headphone (1) Pro damit ziemlich weit in die gewünschte Richtung biegen.
Zwar nicht neu, aber nützlich ist die Funktion Personal Sound. Die App führt dabei einen kurzen Hörtest durch und erstellt anschließend ein individuelles Profil, das auf das eigene Hörvermögen abgestimmt ist.
Neu sind stattdessen mehrere Spatial-Audio-Profile, darunter Studio B, Live House, Club und Concert Hall. Auf Wunsch lässt sich Headtracking zuschalten. Die Unterschiede sind hörbar, bleiben aber dezent. Die Bühne verändert sich, der Raum wirkt größer oder intimer, nur der große Wow-Effekt bleibt (zumindest bei mir) aus.
Etwas spezieller ist der bereits erwähnte Flat-Modus, den Nothing gemeinsam mit den Metropolis Studios entwickelt hat. Der Modus liefert eine neutralere Wiedergabe, also einen Klang für kritisches Hören statt maximalen Musikspaß.
Headphone (1) Pro: ANC und Transparenzmodus
In jeder Ohrmuschel befinden sich jetzt fünf Mikrofone, insgesamt also zehn, die Umgebungsgeräusche erfassen und gezielter herausfiltern sollen. Fahrgeräusche, Lüfter, Klimaanlagen und das tiefe Brummen im Zug oder Flugzeug rücken weiter in den Hintergrund als beim Headphone (1). Auch Stimmen und höhere Frequenzen werden besser eingefangen, ohne dass der Kopfhörer dabei dieses unangenehme Druckgefühl erzeugt, das manche ANC-Kopfhörer mitbringen. Die Intensität des ANC erfolgt adaptiv oder in drei festen Stufen mit bis zu 46 dB Geräuschreduktion.
Im Transparenzmodus kommen Stimmen klar und natürlich durch, Umgebungsgeräusche lassen sich gut orten und die eigene Musik klingt dabei nicht sofort dünn oder blechern. Für kurze Gespräche, Durchsagen am Bahnhof oder den Weg durch die Stadt ist das durchaus nützlich.

Headphone (1) Pro: Akkulaufzeit
Nothing nennt bis zu 68 Stunden Akkulaufzeit ohne ANC und bis zu 30 Stunden mit aktiver Geräuschunterdrückung. Wer zusätzlich LDAC nutzt, landet mit ANC bei rund 28 Stunden.
Für sich genommen ist das völlig okay und reicht locker für mehrere Tage oder einen Langstreckenflug hin und zurück. Das Problem ist, dass sich Nothing mit dem Headphone (a) selbst die Latte sehr hoch gelegt hat. Er schafft bis zu 135 Stunden ohne ANC und 75 Stunden mit ANC und hält damit praktisch doppelt so lange durch wie das Pro-Modell.
Ganz fair ist der Vergleich allerdings nicht, denn im Pro steckt mehr Technik. Drei Treiber pro Seite, mehr Mikrofone für das ANC und die aufwendigere Signalverarbeitung wollen ebenfalls versorgt werden. Dass die Laufzeit darunter leidet, ist deshalb nachvollziehbar.















