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Honor 9X Pro im Test – Das Smartphone ohne Google!

by 13. Oktober 2020

Wir haben das technisch vielversprechende Honor 9X Pro getestet! Gleichzeitig ist es aber auch das erste Honor Smartphone, das komplett auf Google Apps und Google Play-Dienste verzichtet. Stattdessen gibt es die Huawei App Gallery und weitere App-Kreationen aus dem Hause Huawei.

Ob wir trotz alledem eine Empfehlung für das Honor 9X Pro aussprechen können, erfährst du in diesem Test.

Überblick
Hersteller

Honor

Produktbezeichnung

Honor 9X Pro

Spezifikationen

Prozessor und Speicher
CPU: HiSilicon Kirin 810
GPU: Mali G52
RAM: 6GB / 8GB (LPDDR4x)
Interner Speicher: 128GB / 256GB (UFS2.1)
Speichererweiterung: Ja (Hybrid)

Display
Displaydiagonale: 6.59 Zoll
Displayauflösung: 2340 x 1080 Pixel
Displaytyp: LTPS IPS
Displayschutz: Unbekannt
Multitouch: 10 Finger

Kameras
Hauptkamera: 48 MP Sony IMX 582 (f/1.8 Blende )
Ultra-Weitwinkel: 8 MP (f/2.4 Blende)
Tiefensensor: 2 MP (f/2.4)
*AI-Modus
*PDAF (Autofokus)
*LED Blitz

Frontkamera: 16 MP (f/2.2 Blende)

Netz
Dual-SIM: Ja
SIM-Größe: Nano SIM
eSIM: Nein

GSM: B2/B3/B5/B8
WCDMA: B1/B4/B5/B8
LTE FDD: B1/B3/B8/B20/B28
LTE TDD: B38/B40/B41

Wireless
WiFi: 802.11 a/b/g/n/ac
Bluetooth: 4.2
GPS: Ja

Sensoren
*Umgebungslichtsensor
*Beschleunigungssensor
*Näherungssensor
*Hall-Sensor
*E-Kompass
*Gyroskop
*Fingerabdrucksensor
*NFC

Akku
Akku: 4.00 mAh
Schnellladefunktion: Nein (10 Watt)
Qi-Laden: Nein

Sonstige
Betriebssystem: Android 9 (EMUI 9)
Anschluss: USB-C, 3.5 mm Audio
Größe: 163 x 77 x 9 mm
Gewicht: 210g

Lieferumfang

1x Smartphone
1x SIM-Nadel
1x Ladekabel
1x Ladegerät
1x Schutzhülle
1x Bedienungsanleitung

Test: Honor 9X Pro

Die Auswirkungen des 2019 ausgesprochenen US-Embargos haben vor allem Huawei und die Tochtermarke Honor schwer getroffen. Dem harten Kurs der US-Regierung muss auch Google Folge leisten, weshalb alle neuen Smartphones des Huawei Konzerns ohne Google-Unterstützung auskommen müssen.

Ein Blick auf das Display des Honor 9X Pro.

Das trifft nicht nur Google und Huawei, deren Geschäfte global erschwert wurden, sondern auch die Kunden. Ein Android ohne Google Play Store, Google Apps und Google Dienste ist für viele Nutzer kaum vorstellbar.

Design, Verarbeitung und Lieferumfang

Dual-3D-Glas Rückseite

Das Honor 9X Pro zeigt ein extravagantes Aussehen, das vor allem auf ein jüngeres Publikum zugeschnitten ist. Die Rückseite ziert „Dual-3D-Glas“. Farbige Lichtreflexe sorgen bei unserem Phantom Purple Testgerät für eine schillernde Optik, die mittig zu einem X zusammenläuft.

Das Smartphone seitlich von oben.

Zu den Seiten hin ist das Glas leicht gekrümmt, was wiederum für eine angenehme Griffigkeit sorgt. Ein Aluminiumrahmen hält die Glasrückseite in Position. Leider ist das Spaltmaß etwas groß geraten, sodass sich sehr leicht Schmutz darin festsetzt. Einen Wasserschutz gibt es nicht. Das Smartphone ist in den Farben „Phantom Purple“ und „Midnight Black“ erhältlich.

48 MP Dreifachkamera

Auf der Rückseite befindet sich oben links die vertikal angeordnete Dreifachkamera. Der Reihenfolge nach unterteilt sich die Kamera in einen 2 MP Tiefenkamera, eine 48 MP Hauptkamera und eine 8 MP Weitwinkelkamera. Ein LED-Blitz befindet sich unmittelbar unterhalb des Kamerasystems.

Der Rahmen mit der Pop-up Frontkamera und dem SIM-Slot.

Seitlicher Fingerabdruckscanner

Der Fingerabdruckscanner befindet sich nicht rückseitig und auch nicht unter dem Displayglas. Stattdessen ist der Fingerabdruckscanner in die seitliche Einschalttaste integriert. Die Position ist gut gewählt, sodass sich das Smartphone im Handumdrehen entsperren lässt. Die Erkennungsrate des Scanners ist gut und man landet zügig auf dem Homescreen.

Darüberliegend befindet sich die Lautstärkewippe. Die rechte Seite des Gehäuserahmens bleibt leer. Unten sind die USB-C Buchse, ein Mikrofon, eine 3.5 mm Kopfhörerbuchse und der Mono-Lautsprecher untergebracht. Oben wurden ein weiteres Mikrofon, der Hybrid SIM-Slot und die 16 MP Pop-up-Frontkamera platziert.

Die schimmernde Glasrückseite des Honor 9X Pro.

Notch-less Display

Das Display des Honor 9X Pro misst 6.59 Zoll in der Diagonale. Punch-hole oder Notch fallen aufgrund der Pop-up-Frontkamera weg. Die Displayränder sind durch das Curved-Glass angenehm abgerundet. Eine Benachrichtigungs-LED fehlt.

Verarbeitung und Lieferumfang

Das Smartphone bietet einen angenehmen Tastendruck und fühlt sich hochwertig an. Dazu trägt auch das hohe Gewicht von 210 Gramm bei. Bis auf den unschönen Spalt zwischen Glasrückseite und Aluminiumrahmen ist die Verarbeitung tadellos.
Das im Lieferumfang enthaltene Zubehör umfasst ein Ladegerät, ein USB-C Kabel, eine Schutzhülle, eine SIM-Nadel und eine Kurzanleitung.

Honor 9X Pro Lieferumfang mit dem Smartphone, dem Ladekabel, dem Ladegerät und einer Silikonhülle.

Display

Schauen wir uns das Display des Honor 9X Pro etwas näher an. Wie bereits erwähnt, handelt es sich um ein 6.59 Zoll LTPS IPS Panel ohne Notch und ohne Punch-hole. Die Auflösung beträgt 2340 x 1080 Pixel, was wiederum gestochen scharfen 391 DPI entspricht. Das Seitenverhältnis beträgt 19.5:9.

Displaymessung

Die Displaymessungen erfolgten mit Hilfe eines Kolorimeters. Getestet wurde im Standard-Farbmodus sowie im Lebhaften-Farbmodus.

Mit der Displayhelligkeit beginnend, liegt der maximale Wert bei bis zu 515 cd/m². Über das Panel verteilt, schwankt die Leuchtdichte je nach Messpunkt um 12 Prozent. Die höchsten Werte wurden im oberen Abschnitt des Displays, die niedrigsten im unteren Abschnitt, erreicht. Für das bloße Auge sind diese Abweichungen nicht sichtbar. Im Durchschnitt beträgt die Leuchtdichte 491 cd/m². Das Kontrastverhältnis liegt bei 1005:1.

Im Standard-Farbmodus orientiert sich das Honor 9X Pro weitestgehend am sRGB Farbraum. Gemessen wurde ein durchschnittlicher Delta E von 2.58 und ein maximaler Delta E von 5.25. Im Lebhaften-Farbmodus wird ein hoher Blauanteil beigemischt. In diesem Modus sind die Abweichungen zum sRBG Farbraum deutlich. Hierbei wurde ein durchschnittlicher Delta E von 6.02 und ein maximaler Delta E von 10.98 gemessen.

Display Helligkeitsverteilung (Lebhaft) – Calman Ultimate by portrait.com

Display Helligkeitsverteilung (Lebhaft) – Calman Ultimate by portrait.com

Display im Alltag

Standardmäßig befindet sich das Display im Lebhaften-Farbmodus. Der hohe Blauanteil, der sich bereits aus der Displaymessung herauslesen lässt, ist auch für das bloße Auge deutlich zu erkennen. Das Display liefert dadurch eine kühle Note mit kräftiger Farbwiedergabe und grellem Weißton. Das passt zwar zum blauen Hintergrundbild, das einen nach dem ersten Start des Smartphones begrüßt, ist aber auf Dauer überaus anstrengend für die Augen.

Die Displayeinstellungen schaffen Abhilfe. Neben dem Farbmodus kann auch die Farbtemperatur in 3 Stufen oder über ein Farbrad beliebig angepasst werden. Flache Betrachtungswinkel führen zu keiner Veränderung des Kontrasts, der Farbintensität oder der Schärfe. Unter freiem Himmel bleibt das Display weitestgehend ablesbar.

Displayeinstellungen und Funktionen

Zu den bereits genannten Einstellungen zum Farbmodus und der Farbtemperatur gesellen sich weitere Einstellungsmöglichkeiten die das Display betreffen. Die Helligkeit lässt sich manuell oder automatisch anpassen. Der Helligkeitswechsel im automatischen Helligkeitsmodus erfolgt ohne spürbare Verzögerung.

Der Modus „Smarte Auflösung“ reduziert automatisch die Displayauflösung. Statt FHD+ (2340 x 1080 Pixel) wird die Auflösung auf HD+ (1560 x 720 Pixel) reduziert. Wer diese Funktion nutzt, spart Strom und gewinnt einige Akkuminuten. Des Weiteren gibt es Einstellungsmöglichkeiten zum Ruhezustand, der Schrift- und Anzeigegröße sowie der Vollbildanzeige. Ein augenschonender Blaulichtfilter ist selbstverständlich ebenfalls mit an Bord.

Touchscreen

Der Touchscreen erkennt maximal 10 gleichzeitige Eingaben. Die Eingabenerkennung erfolgt präzise. Welcher Typ Displayglas verwendet wurde, ist nicht bekannt. Eine besonders dünne Displayschutzfolie befindet sich ab Werk auf dem Display.

Leistung

HiSilicon Kirin 810

Unberücksichtigt des chinesischen Honor 9X, ist das Honor 9X Pro das erste Honor Smartphone mit HiSilicon Kirin 810 Mobilprozessor. Das Mittelklasse System-on-Chip aus dem Hause Huawei ist im 7nm Verfahren gefertigt und im Vergleich zum Kirin 710 ein deutliches Upgrade.

Die CPU verfügt über 8 Prozessorkerne, die sich in 2 Cortex-A76 (2.27 GHz) und 6 Cortex-A55 (1.8 GHz) Kerne aufteilen. Die GPU ist eine Mali-G52. Dem stehen 6GB oder 8GB LPDDR4X Arbeitsspeicher und 128GB oder 256GB UFS2.1 Datenspeicher zur Seite. Möchte man mehr Datenspeicher, lässt sich dieser per MicroSD-Speicherkarte erweitern.

Benchmark

Lässt man die gängigen Benchmark-Tests auf den Honor 9X Pro durchlaufen, stellt man schnell fest, dass das Smartphone mit einem der derzeit schnellsten Mittelklasse System-on-Chips ausgestattet ist. Um einige Werte zu nennen, werden in AnTuTu Benchmark 304.144 Punkte erreicht. Lediglich der Qualcomm Snapdragon 765G ist hier mit ca. 320.000 Punkten etwas schneller. Schnell ist auch der Speicher, den Honor verbaut hat. Unser 6+256GB Testgerät erreicht eine RAM-Geschwindigkeit von knapp 22 GB/s. Der UFS2.0 Datenspeicher erreicht Geschwindigkeiten von durchschnittlich 450 MB/s beim Lesen und 180 MB/s beim Schreiben.

Leistung im Alltag

Ohne zunächst einen Blick auf die fehlende Google-Unterstützung zu werfen, muss sich das Honor 9X Pro im alltäglichen Einsatz nicht vor höherpreisigen Smartphones verstecken. Das Smartphone bietet zwar keine Leistungsreserven wie ein High-End Gerät, genügt aber um alle aktuellen Apps und Spiele flüssig laufen zu lassen.

Multitasking funktioniert reibungslos und das Smartphone lässt sich insgesamt flüssig bedienen. Apps werden auf Dauer im Speicher gehalten und stehen auch beim ständigen Wechsel in Windeseile zur Verfügung. Selbst wenn man eine App das erste Mal startet ist mit keinen langen Ladezeiten zu rechnen. Die Kombination aus leistungsstarkem Prozessor und schnellen Speichertypen zeigt nicht nur im Benchmark was sie kann, sondern auch im Alltag.

Gaming

Anspruchsvolle Mobile Games sind mit dem Honor 9X Pro flüssig spielbar. Hochauflösende Texturen können bei den meisten Spielen bedenkenlos aktiviert werden. Ein Flüssigkeitskühlsystem verhindert Thermal-Throttling und sorgt so für eine konstante Leistung. Nach einer halben Stunde PUBG, ein anspruchsvolles Spiel, das ein Smartphone durchaus fordert, lag die gemessene Höchsttemperatur bei 35°C.

Benutzeroberfläche

Smartphones von Honor verwenden die so genannte EMUI Benutzeroberfläche. Die Benutzeroberfläche ist im Gegensatz zu Stock Android stark modifiziert und um zahlreiche Funktionen erweitert. Trotzdem bleibt das Design minimalistisch und die Bedienung komfortabel.

Das Problem mit den Updates

Obwohl Huawei die Android Lizenz entzogen wurde, basiert EMUI weiterhin auf Android. Und zwar auf dem Android Open Source Project (AOSP), das von dieser Einschränkung nicht betroffen ist. Systemupdates und Sicherheitspatches bezieht Huawei ebenfalls durch AOSP. Neue Systemversionen und Sicherheitspatches werden allerdings zeitversetzt in den Open Source Code integriert, weshalb man hier länger auf Updates warten muss. Das zeigt auch das Honor 9X Pro, dessen EMIUI 9 auf Android 9 basiert und lediglich Sicherheitspatches vom 1. November 2019 nutzt (Stand April 2020). Ob das Smartphone überhaupt ein Systemupdate auf Android 10 bekommen wird, steht bislang noch in den Sternen.

Das Problem mit den Apps

Eine weitere Einschränkung sind die fehlenden Google Apps und Google Play-Dienste. Mal eben eine App aus dem Google Play Store zu laden ist nicht möglich. Stattdessen hat Huawei eigene Apps und einen eigenen App Store entwickelt. Die so genannte Huawei AppGallery kann dem Play Store allerdings nicht das Wasser reichen. Die Auswahl an Apps ist (noch) stark begrenzt und der Store insgesamt ausbaufähig. Meistgenutzte Apps wie WhatsApp, Facebook oder Instagram fehlen. Zwar lassen sich diese Apps per APK nachinstallieren, man muss sie aber mühselig im Netz zusammensuchen und nicht selten kann es passieren, die App von einer unseriösen Quelle zu laden. Es bleibt spannend, wie sich die AppGallery weiterhin entwickeln wird.

Gravierender sind die fehlenden Google Play-Dienste, die von vielen Apps benötigt werden. Darunter fallen auch Nicht-Google-Apps. Möchte man beispielsweise Netflix streamen, scheitert man an Googles Widevine DRM, dessen Unterstützung von Netflix vorausgesetzt wird. Genauso verhält es sich mit vielen weiteren Apps. Verwendet ein App-Entwickler die Play-Dienste in seiner App, so ist diese auf dem Honor 9X Pro nicht lauffähig. Stattdessen müsste der Entwickler eine zusätzliche, Play-Dienst freie App anbieten.

Google Play Store über Umwege

Über Umwege ist es möglich Google Apps und den Google Play Store auf das Smartphone zu bekommen. Wie genau das funktioniert lässt sich in den zahlreichen Anleitungen im Netz nachlesen. Wir möchten hier nicht näher darauf eingehen.

Wege zum Ziel gibt es viele, doch man sollte bedenken, dass es sich hierbei um ein Katz-und-Maus-Spiel handelt. Niemand garantiert, dass die „Google Modifizierung“ von Dauer ist. Außerdem greift man auf inoffizielle Installationspakete zurück, bei denen man nie so genau weiß, durch welche Hände sie gelaufen sind.

Kamera

Die rückseitige Dreifachkamera des Honor 9X Pro unterteilt sich in einen 48 MP Sony IMX582 Hauptsensor mit f/1.8 Blende, einen 8 MP Sensor mit Ultra-Weitwinkelobjektiv und einen 2 MP Tiefensensor.

Der 48 MP Hauptsensor macht sich die Quad-Bayer Technologie zunutze. Dabei werden 4 Pixel zu einem Pixel zusammengeschaltet, was wiederum in einer höheren Farbauflösung je Pixel resultiert. Gleichzeitig reduziert sich die Bildauflösung auf 12 MP. Der Sensor der Pop-up Frontkamera löst mit 16 MP auf und verwendet eine f/2.2 Blende.

Praxistest der Hauptkamera

12 MP Aufnahmen

Im normalen Fotomodus können Fotos mit 12 MP, 48 MP und 48 MP AI Ultra Clarity aufgenommen werden. Standardmäßig ist der 12 MP Modus aktiv.

Die Testaufnahmen überzeugen durch eine kräftige Farbwiedergabe und einen guten Dynamikumfang. Der HDR Modus muss so gut wie nie hinzugeschaltet werden. Eine Schwäche ist die Bildschärfe, die nicht immer konstant verläuft. Gerade mit feinen Strukturen ist die Hauptkamera schnell überfordert. Details neigen dazu, durch die starke Rauschreduzierung matschig abgebildet zu werden. Die Kamera-AI reagiert schnell und erkennt in den meisten Fällen das Motiv.

48 MP AI Ultra Clarity

Im 48 MP AI Ultra Clarity Modus dauert es ungefähr 5 Sekunden bis die Aufnahme im Kasten ist. Um ein astreines Foto zu erhalten, heißt es während der Aufnahme möglichst stillzuhalten. Außerdem funktioniert dieser Modus nur bei wirklich sehr guten Lichtverhältnissen. Im Gegensatz zum 12 MP Modus sind die Aufnahmen tatsächlich detailreicher.

Zoom und Weitwinkel

Ohne Telefoto-Linse ist auch kein optischer Zoom möglich. Die Vergrößerung erfolgt hier rein digital. Mit 2-facher Vergrößerung sind Feinheiten im Bild noch gut zu erkennen. Fotos bleiben angenehm scharf. Nimmt die Vergrößerung zu, nehmen auch die Bilddetails ab. Aufnahmen mit 10-facher Vergrößerung sind kaum zu gebrauchen.

Die 8MP Weitwinkel-Aufnahmen sind akzeptabel. Im Gegensatz zum normalen Fotomodus ist der Dynamikumfang etwas geringer, Detail sind schwächer und zu den Seiten hin kommt es durch die Linsenkorrektur zu einer sichtbaren Unschärfe.

Porträtmodus

Der Porträtmodus arbeitet etwas ungenau. Personen oder Objekte trennt der Porträtmodus in den meisten Fällen sauber vom Hintergrund. Feinheiten wie Haare werden jedoch nicht selten durch den Unschärfeeffekt in Mitleidenschaft gezogen. Neben dem Standard Unschärfeeffekt stehen 7 weitere Effekte (Herzchen, Kreise uvw.) zur Auswahl.

Nachtaufnahmen

Das Honor 9X Pro kann bei schlechten Lichtverhältnissen detailreiche, scharfe und farbkräftige Fotos aufnehmen. Vorausgesetzt man geht mit ruhiger Hand an die Sache. Wegen der fehlenden Bildstabilisierung führen selbst kleine Wackler sehr schnell zu unscharfen Aufnahmen.

Ein spezieller Nachtmodus ist vorhanden. Dabei nimmt das Smartphone mit unterschiedlichen Einstellungen mehrere Fotos in Folge auf und fügt diese in der Nachbearbeitung automatisch zu einer Aufnahme zusammen. Wackler werden in diesem Modus schon eher verziehen und Details kommen besser zur Geltung.

Videomodus

Das Smartphone nimmt Videos in maximaler Full-HD Auflösung auf. Richtig, es gibt keinen 4K-Modus! Die Bildwiederholrate lässt sich in den Einstellungen zwischen 30 und 60 Bildern-pro-Sekunde wechseln. Bei 30 Bildern-pro-Sekunde ist standardmäßig eine elektronische Bildstabilisierung aktiv, die sich nicht ausschalten lässt. Details gehen dadurch ein wenig verloren.

Mehr Details erreicht man mit 60 Bildern-pro-Sekunde. In diesem Modus ist keine Bildstabilisierung aktiv. Insgesamt überzeugen die aufgenommenen Videos durch eine angenehme Schärfe, eine gute Farbwiedergabe und genügend Details. Die Tonqualität ist gut.

Praxistest der Frontkamera

Die 16 MP Pop-up Frontkamera ist in der Lage gute Selfies zu schießen. Es dauert aber ein wenig, bis die Kamera aus ihrem Versteck hervorgefahren kommt und für den Schnappschuss bereitsteht. Die mit dem Honor 9X Pro aufgenommenen Selfies überzeugen besonders durch die natürliche Farbgebung.

Ein Porträtmodus ist vorhanden, hat aber genauso wie die Hauptkamera mit der Detailextrahierung zu kämpfen. Worauf man ebenfalls achten sollte, ist der Beautyfilter. Der ist standardmäßig auf Stufe 5 aktiv und führt zu einer unnatürlichen Weichzeichnung. In den Einstellungen lässt sich der Beautyfilter komplett deaktivieren oder bis auf Stufe 10 anheben. Videos nimmt die Frontkamera in 1080p oder 720p auf.

Diese und weitere Testaufnahmen in voller Auflösung findest du unter diesem Link.

Konnektivität

Telefonie

Das Honor 9X Pro verfügt über einen Hybrid SIM-Slot. Das Smartphone kann mit zwei Nano-SIM-Karten oder einer Nano-SIM + MicroSD Speicherkarte bestückt werden. Die in Deutschland gängigen 2G, 3G und 4G Mobilfunkbänder sind vorhanden. Hier eine Übersicht:

GSM: B2/B3/B5/B8
WCDMA: B1/B4/B5/B8
LTE FDD: B1/B3/B8/B20/B28
LTE TDD: B38/B40/B41

Für eine weltweite Nutzung eignet sich das Smartphone jedoch nicht, da einige Landesspezifischen Bänder fehlen. LTE wird auf beiden SIM-Slots unterstützt. VoLTE und VoWiFi bzw. WiFi Calling funktionierten im Test leider nicht.

Die Empfangsqualität ist ordentlich. Das Smartphone ist empfangsstark und ermöglicht selbst an mobilfunkschwachen Orten einen guten Mobilfunkempfang. Die Sprachqualität ist klar und Gesprochenes wird in beide Richtungen verständlich übertragen. Die geräuschreduzierenden Mikrofone halten Störgeräusche sehr gut ab.

Das Honor 9X Pro mit Hybrid-SIM-Slot.

WLAN und Bluetooth

Eine schnelle WLAN-Anbindung wird durch Dual-AC WiFi erreicht. Der Datendurchsatz in unmittelbarer Nähe zum Router liegt bei 270 Mbit/s. Durch mehrere Wände hinweg bleibt der Empfang weitestgehend stabil. Bluetooth steht nur in Version 4.2 zur Verfügung. Im Bluetooth-Verbund verhält sich das Smartphone unauffällig und überzeugt durch eine gute Übertragungsqualität.

GPS und Sensoren

Einen GPS Fix findet das Smartphone in kürzester Zeit. Die Positionsbestimmung erfolgt präzise. Während einer einstündigen Test-Navigation kam es zu keinen gravierenden Abweichungen. Richtungsänderungen werden durch den E-Kompass schnell erkannt. Neben der üblichen Smartphone-Sensorik bietet das Honor 9X Pro auch NFC. Mobiles Bezahlen ist grundsätzlich möglich. Nutzer von Google Pay schauen allerdings in die Röhre.

Audio

Der Mono-Lautsprecher liefert einen durchschnittlichen Klang. Schwächen zeigen sich in den Tiefen und Höhen, die etwas zu kurz kommen. Um mal eben einen Song vorzuspielen oder ein Video zu schauen, ist der Lautsprecher des Honor 9X Pro mehr als ausreichend.
Auf eine 3.5 mm Klinkenbuchse hat Honor trotz USB-C Anschlusses nicht verzichtet. An der Wiedergabequalität über beide Anschlüsse gibt es nichts auszusetzen.

Akku

Der Akku des Honor 9X Pro hat eine Kapazität von 4000 mAh. Im Test erreichten wir auf mittlerer Displayhelligkeit eine durchgängige Screen-on-Time von 14 Stunden. Nutzt man das Smartphone eher durchschnittlich für Telefonie, Surfen im Web und Social Media, dann muss der Akku alle 1 ½ Tage wieder aufgeladen werden. Unter intensiver Nutzung ist nach einem Tag Schluss.

Über das mitgelieferte Ladegerät ist der Akku nach einer Stunde um ca. 55 Prozent geladen. Ein kompletter Ladevorgang dauert zwei Stunden. Kontaktloses Qi-Laden wird nicht unterstützt.

Testergebnis

Bewertung
Positiv

Farbenfrohes Design
Display mit präziser Farbwiedergabe und Helligkeit
Schneller Kirin 810 Mobilprozessor
Kameras unter guten Lichtbedingungen
Guter Mobilfunkempfang und gute Sprachqualität
3.5mm Kopfhöreranschluss
Gute Akkulaufzeit

Negativ

Keine Benachrichtigungs-LED
Huawei AppGallery stark ausbaufähig
Kein Widevine, kein Netflix
Hybrid SIM-Slot
Keine 4K Videoaufnahme
Keine Schnellladefunktion

Erster Eindruck
8.0
8.7
Verarbeitung
7.5
8.7
Design
8.5
8.8
Display
8.5
9.3
Leistung
8.5
9.3
Benutzeroberfläche
5.0
7.2
Kamera
7.5
8.4
Fingerabdruckscanner
8.0
8.5
Konnektivität
8.0
7.9
GPS & Sensoren
8.0
8.3
Audio
7.0
7.6
Akku
8.5
8.3
Fazit

Das Honor 9X Pro ist rein optisch und technisch gesehen ein gutes Mittelklasse-Smartphone. Die fehlende Google-Unterstützung ist für Honor allerdings eine kaum zu überwindende Hürde. Die meisten Android Nutzer haben sich so sehr an ein Android mit Google gewöhnt, dass man die Benutzerfreundlichkeit der Google Dienste nicht mehr wegdenken möchte.

Das schafft auch nicht Huaweis AppGallery, die der Huawei Konzern als „neues Benutzererlebnis“ anpreist. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt steckt die AppGallery noch zu tief in den Kinderschuhen fest.

Wie sich Huaweis bzw. Honors Eigenständigkeit in den kommenden Monaten entwickeln wird, bleibt spannend. Wer die Entwicklung live verfolgen möchte und sich nicht an der fehlenden Google-Unterstützung stört, erhält mit dem Honor 9X Pro viel Leistung für wenig Geld.

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Eugen

Danke für den tollen Test. Auf der Hihonor Seite steht jetzt, dass es das Smartphone ab morgen geben soll. Bin noch hin- und hergerissen zwischen dem hier und dem Redmi Note 9S. Welches könnt ihr eher empfehlen?

Eugen

Danke Timo, hast mir sehr geholfen. Es wurde jetzt doch das Honor. Ist heute rausgekommen und habs mir im Angebot bei HiHonor geholt.

Thez

Man kann auf dem Honor 9X Pro Netflix schauen. Das funktioniert auf allen Huawei Geräten ohne Google, wenn man die App von Hand installiert.

Stefan

Hallo, ich habe mir bei der letzten Aktion das Smartphone gekauft. Thez meinte, dass sich da Netflix installieren lässt. Kann mir jemand sagen wie das funktioniert?

Stefan

Danke, der Tipp mit dem APK Pure hat funktioniert. Ich kann jetzt Netflix auf meinem Smartphone schauen. 🙂