Die Sets im Überblick
Insta360 bringt das Mic Pro direkt in mehreren Konfigurationen auf den Markt. Für die meisten Creator dürfte vor allem das große 2 TX + 1 RX Kit interessant sein, also zwei Transmitter (TX) und ein Receiver (RX). Daneben gibt es ein kleineres Set mit nur einem Transmitter sowie eine einzelne TX-Version für bestehende Setups oder Erweiterungen. Preislich startet das Mic Pro bei rund 109 Euro für den einzelnen Sender und reicht bis etwa 329 Euro für das große Komplettset.
Für den Test hatten wir das große Kit vorliegen, dessen Lieferumfang zwei Transmitter, ein Receiver, das Ladecase, USB-C-Adapter, Magnet-Halterungen, Clips, Fell-Windschütze, Kabel und weiteres Zubehör für Kamera- und Smartphone-Setups umfasst. Damit ist man, ohne weiteres Zubehör dazukaufen zu müssen, direkt einsatzbereit, egal ob am Smartphone, an der Kamera oder im Standalone-Betrieb.
Das kleinere 1-TX-Kit ist entsprechend abgespeckt. Es enthält nur einen Transmitter, einen Receiver und jeweils einmal das Zubehör. Wer ausschließlich solo arbeitet, kommt damit zurecht. Die reine Transmitter-Version ist eher als Ergänzung gedacht, etwa für bestehende Setups oder zusätzliche Audioquellen.
Transmitter, Receiver und Ladecase
Transmitter
Insta360 setzt hier auf ein rundes statt eckiges Gehäuse mit 38 mm Durchmesser, also ungefähr so viel wie ein kleines Teelicht. Befestigt werden die Transmitter wahlweise per Clip oder Magnet, wodurch sich auch das Gewicht leicht verändert. Der reine Transmitter wiegt exakt 19,7 g, mit Clip steigt das Gewicht um 2,7 g und mit Magnet um zusätzliche 5,5 g.

Mit dem Clip ist der Transmitter schnell und ohne viel Gefummel an Hoodies, Jacken oder Hemdkragen angesteckt. In sich drehen lässt sich der Clip leider nicht, was die Ausrichtung je nach Situation etwas erschweren kann. Der Magnet ist hier etwas flexibler. Er fällt zwar unscheinbar klein und flach aus, hält den Transmitter aber selbst durch dickeren Stoff und bei viel Bewegung sicher an der Kleidung. Möchte man den Magnet nutzen, muss zunächst der Clip entfernt werden.

Dafür wird er entlang des Gehäuses nach unten gedrückt, bis er aus der Führung springt. Das verlangt Kraft und fühlt sich beim ersten Mal eher so an, als würde man gerade etwas lösen, das eigentlich gar nicht gelöst werden soll. Hat man das Prinzip einmal verstanden, geht der Wechsel allerdings schnell von der Hand.

Die Transmitter selbst hinterlassen einen hochwertigen Eindruck. Die gummierte Softtouch-Oberfläche sorgt für guten Grip und dämpft Berührungen angenehm ab. Gleichzeitig wirken die Gehäuse robust genug für den mobilen Alltag und stecken kleinere Stöße problemlos weg. Einen Schutz gegen Wasser gibt es allerdings nicht. Gerade bei Außeneinsätzen oder wechselhaftem Wetter ist daher etwas Vorsicht angesagt.

Auch die Bedienung bleibt erfreulich simpel. Insta360 verbaut lediglich zwei Tasten, eine fürs Einschalten und eine für die Aufnahme. Beide sitzen auf der Unterseite und sind dadurch gut gegen versehentliche Eingaben geschützt. Links und rechts im Gehäuse integriert Insta360 zusätzlich zwei kleine Status-LEDs, die je nach Farbe und Blinkmuster den aktuellen Betriebsmodus signalisieren, etwa aktive Aufnahme, Verbindung oder Pairing-Status.

Das 3-Mikrofon-Array ist seitlich beziehungsweise nach oben ausgerichtet. Ebenfalls auf der Unterseite sitzt ein USB-C-Anschluss. Das auffälligste Detail ist das integrierte E-Ink-Display. Am Shirt fallen die Transmitter vor allem dann auf, wenn man aktiv damit arbeitet und dort Logos oder Grafiken einblendet. Auf die Möglichkeiten und Funktionen des E-Ink-Displays gehen wir gleich noch genauer ein.
Receiver
Beim Receiver bleibt Insta360 dagegen näher an klassischen Wireless-Mic-Systemen. Mit 55,80 × 27,65 × 21,00 mm und 29,8 g ist er angenehm kompakt und kann direkt per USB-C ans Smartphone gesteckt werden, klassisch im Blitzschuh einer Kamera sitzen oder über den Clip einfach am Gürtel oder in der Tasche verschwinden.

Die Vorderseite dominiert ein kleines Touchdisplay. Es zeigt eine scharfe Darstellung und die Helligkeit reicht auch für Außeneinsätze aus. Bedient wird der Receiver entweder direkt über das Touchdisplay oder das seitliche Drehrad mit integrierter Taste. Einstellungen zu Lautstärke, Verbindungsstatus, Aufnahmefunktionen oder Noise Cancellation sind so direkt kontrollierbar, ohne erst die App öffnen zu müssen.
An Anschlüssen verbaut Insta360 gleich zwei klassische 3,5-mm-Klinkenanschlüsse, einen für Kameras und einen separaten Kopfhörerausgang zur direkten Audioüberwachung, sowie USB-C. Die benötigten Adapter müssen nicht separat gekauft werden, sondern liegen bereits dem Lieferumfang bei.

Die Verarbeitung hinterlässt insgesamt einen robusten Eindruck. Spaltmaße sind sauber gearbeitet, nichts knarzt und auch häufiges Ein- und Ausstecken der Adapter wirkte im Test unproblematisch. Lediglich gegen Wasser oder Staub ist auch der Receiver nicht geschützt.
Ladecase
Im Ladecase verschwinden zwei Transmitter, ein Receiver und fast das komplette Zubehör. Lediglich die Fell-Windschütze und die Kabel müssen separat verstaut werden. Mit Abmessungen von 122 × 61,9 × 42,2 mm bleibt das Case trotzdem angenehm kompakt. Zusammen mit der beiliegenden Stofftasche passt das komplette System problemlos in den Rucksack oder die Kameratasche und benötigt kaum mehr Platz als ein etwas größeres Brillenetui.

Der Öffnungsmechanismus ist anfangs allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. Zum Öffnen muss das Case seitlich gehalten werden, während gleichzeitig oben ein Schieber gezogen und der Deckel nach hinten aufgeklappt wird. Im Test brauchte es tatsächlich einige Momente, bis klar war, wie der Mechanismus überhaupt funktioniert.
Im Inneren sitzen alle Komponenten magnetisch fixiert und rasten sauber in ihre vorgesehenen Plätze ein. Das sorgt für Ordnung und verhindert, dass Sender oder Receiver lose im Case herumrutschen. Der Ladevorgang startet automatisch, sobald die Transmitter und Receiver eingesetzt werden. An der Seite integriert Insta360 eine kleine LED-Ladeanzeige, die den Akkustand des Cases signalisiert. Geladen wird über USB-C auf der Rückseite.

Auch die Verarbeitung hinterlässt einen guten Eindruck. Das Scharnier wirkt stabil, der Deckel sitzt sauber und nichts klappert. Einen Schutz gegen Wasser oder Staub gibt es aber auch hier nicht.
E-Ink Display
Das E-Ink-Display (E6, 6 Farben) ist ohne Frage das ungewöhnlichste Feature des Mic Pro und gleichzeitig der Punkt, mit dem sich Insta360 am stärksten von anderen Wireless-Mic-Systemen abhebt. Während klassische Funkmikrofone meist möglichst unsichtbar sein wollen, macht Insta360 die Transmitter bewusst zu einem sichtbaren Teil des Setups.
Konfiguriert wird das Display direkt über die Insta360 App. Logos, Schriftzüge oder einfache Grafiken lassen sich entweder aus einer vorgegebenen Auswahl wählen oder als eigene Bilddatei innerhalb weniger Sekunden auf die Transmitter übertragen. Das Techreviewer-Logo war praktisch sofort auf beiden Sendern sichtbar, ohne lange Ladezeiten oder komplizierte Einrichtung.

Im Creator- und Redaktionsalltag ergibt das tatsächlich mehr Sinn, als man zunächst denkt. Auf Messen, Events, Interviews oder Livestreams lassen sich Mikrofone damit direkt einer Redaktion, einem Kanal oder einer Person zuordnen. Gleichzeitig eignet sich das Display auch einfach zur Personalisierung, etwa mit Social-Media-Namen, Icons oder simplen Designs.
Spannend ist dabei vor allem die Technik hinter E-Ink selbst. Einmal übertragen, bleibt das Motiv dauerhaft sichtbar, selbst wenn die Transmitter ausgeschaltet sind. Energie wird nur beim Aktualisieren des Displays benötigt. Dadurch hat die Funktion praktisch keinen spürbaren Einfluss auf die Akkulaufzeit.
Die Darstellung funktioniert allerdings nicht mit jedem Motiv gleich gut. Klare Logos, große Schriftzüge oder einfache Grafiken sehen auf dem kleinen Display erstaunlich sauber aus. Komplexe Bilder oder detailreiche Motive verlieren dagegen schnell an Schärfe. Farben wirken zudem deutlich blasser als auf einem klassischen Bildschirm. Genau deshalb funktionieren kontrastreiche Motive oder simple Schwarz-Weiß-Grafiken am besten.
Interessant ist auch der umgekehrte Effekt. Wer keine Logos oder auffälligen Grafiken nutzen möchte, kann das Display einfach komplett schwarz lassen oder farblich an die Kleidung anpassen. Dadurch wirken die Transmitter deutlich unauffälliger und verschwinden optisch wesentlich stärker in der Kleidung.

Inbetriebnahme
Das Insta360 Mic Pro gehört zu den Wireless-Mic-Systemen, bei denen man praktisch ohne Handbücher zu wälzen sofort loslegen kann. Sender und Receiver waren im Test bereits ab Werk gekoppelt. Case öffnen, Geräte entnehmen, einschalten und wenige Sekunden später stand die Verbindung stabil.
Am Smartphone wird der Receiver direkt per USB-C erkannt und kann noch während der laufenden Videoaufnahme vom Smartphone-Mikrofon auf das Mic Pro wechseln. Bei Kameras erfolgt die Verbindung klassisch per 3,5-mm-Klinke. Zusätzliche Adapter oder komplizierte Audioeinstellungen entfallen weitgehend.

Interessant wird das System vor allem innerhalb des Insta360-Ökosystems. Kompatible Insta360-Kameras (X5, X4 Air, Ace 2 Pro und GO Ultra) können die Transmitter direkt verbinden und in 48 kHz aufnehmen, wodurch der Receiver komplett entfällt. Die Einstellungen zur Aufnahme erfolgen dann direkt über das Menü der Insta360-Kamera.
Ein Receiver unterstützt bis zu vier gekoppelte Transmitter gleichzeitig. Für klassische Creator-Setups reichen zwar meist zwei Sender aus, Podcasts, Gruppengespräche oder größere Produktionen profitieren aber von den zusätzlichen Möglichkeiten.
Die Insta360-App bleibt dabei optional. Die wichtigsten Funktionen lassen sich direkt über den Receiver steuern, inklusive Pegel, Noise-Cancelling oder Aufnahmeoptionen. Für Feintuning, Firmware-Updates oder das E-Ink-Display ist die App trotzdem sinnvoll und insgesamt angenehm übersichtlich aufgebaut.
Aufnahmequalität
Das Mic Pro liefert bereits ohne große Einstellungen erstaunlich brauchbare Ergebnisse. Stimmen wirken präsent, verständlich und setzen sich auch in lauteren Umgebungen gut durch. Die Abstimmung ist dabei klar auf Sprachverständlichkeit ausgelegt und weniger auf einen möglichst neutralen Studiocharakter.
Voice Presets und Noise Cancelling
Wer möchte, kann den Klang zusätzlich über verschiedene Voice Presets anpassen. Insta360 bietet hier die Modi Standard, Full und Bright an. Standard liefert eine neutrale Abstimmung, Full betont Stimmen etwas voller und basslastiger, während Bright Höhen und Sprachverständlichkeit stärker hervorhebt. Die Unterschiede sind hörbar, bleiben aber angenehm dezent und wirken nicht künstlich überzogen.
Zusätzlich integriert Insta360 eine zweistufige KI-gestützte Noise Cancellation. Die schwache Stufe reduziert konstante Hintergrundgeräusche wie Straßenrauschen oder Menschenmengen vergleichsweise natürlich. Die starke Stufe filtert deutlich aggressiver, wodurch Sprache stärker in den Vordergrund rückt, Stimmen aber auch hörbar künstlicher und komprimierter wirken können.
Noise Cancellation Test Audio
Jeder mit dem Receiver verbundene Transmitter kann dabei separat konfiguriert werden. So lässt sich beispielsweise auf TX 1 Noise Cancelling aktivieren, während TX 2 weiterhin unbearbeitet aufnimmt.
Gain und Richtcharakteristiken
Auch die Verstärkung der Sender lässt sich individuell anpassen. Pro Transmitter steht ein Gain-Bereich zwischen -12 und +12 dB zur Verfügung. Alternativ kann das Mic Pro die Verstärkung automatisch und dynamisch regeln. Im Test funktionierte die automatische Gain Control angenehm unauffällig und fing Lautstärkesprünge zuverlässig ab, ohne dass die Aufnahme permanent hörbar nachregelte oder pumpte.
Dazu kommen vier unterschiedliche Richtcharakteristiken des integrierten 3-Mikrofon-Arrays. Zur Auswahl stehen Omnidirektional, Super-Direktional, Niere und Achter. Der omnidirektionale Modus eignet sich vor allem für natürliche Umgebungsaufnahmen oder Vlogs, weil Stimmen und Umgebung gleichmäßig aufgenommen werden.
Super-Direktional fokussiert Sprache deutlich stärker und reduziert seitliche Umgebungsgeräusche hörbar. Die Nierencharakteristik bleibt der klassische Mittelweg für Interviews oder Talking-Head-Aufnahmen, während die Achter-Charakteristik vor allem für Gesprächssituationen mit zwei gegenüberliegenden Personen interessant ist.

32-Bit Float-Aufnahme
Die wichtigste Profi-Funktion bleibt allerdings die interne 32-Bit Float-Aufnahme. Dabei wird das Audiosignal mit deutlich größerem Dynamikumfang gespeichert. Kurz gesagt entstehen dadurch wesentlich mehr Reserven bei zu lauten oder zu leisen Aufnahmen. Übersteuerte Stellen lassen sich später oft noch sauber retten, während klassische Aufnahmen an solchen Stellen bereits hörbar verzerren.
Die Originalaufnahmen landen direkt auf dem internen 32 GB Speicher des Transmitters und können anschließend per USB-C einfach wie von einem normalen Wechseldatenträger kopiert werden. Die interne Aufnahme wird dabei automatisch in einzelne Segmente aufgeteilt, wodurch lange Sessions übersichtlicher bleiben und einzelne Dateien bei Problemen nicht direkt die komplette Aufnahme gefährden.
Sonstige Funktionen
Zusätzlich unterstützt das Mic Pro Stereoaufnahmen, Low-Cut-Filter zur Reduzierung tiefer Störgeräusche sowie Live-Monitoring über den 3,5-mm-Kopfhörerausgang des Receivers. Für größere Produktionen integriert Insta360 außerdem eine Timecode-Funktion, womit sich mehrere Audio- und Videoquellen bei der Nachbearbeitung deutlich einfacher synchronisieren lassen.

Reichweite
Insta360 gibt die Reichweite des Mic Pro mit bis zu 400 Metern an. Solche Werte gelten allerdings nur unter optimalen Bedingungen und sind in der Realität kaum zu erzielen. Interessanter ist deshalb, wie stabil die Verbindung in schwierigen Umgebungen bleibt.
Getestet haben wir das Mic Pro unter anderem auf dem Gelände des Weltkulturerbes Völklinger Hütte. Massive Stahlkonstruktionen, enge Durchgänge und Gebäudeteile sind für Funkstrecken normalerweise nicht gerade eine ideale Umgebung.
Im Reichweitentest blieb die Verbindung bis etwa 100 Meter stabil. Erst darüber hinaus kam es vereinzelt zu kurzen Aussetzern, bevor die Verbindung schließlich abriss. Sobald man sich wieder in Reichweite befindet, koppeln sich Sender und Receiver automatisch neu. Zusätzlich kann der Transmitter bei schwachem Signal oder niedrigem Akkustand den internen Speicher als Backup nutzen.
Hier das Video zum Reichweitentest:
Akkulaufzeit und Laden
Die Transmitter sollen bis zu zehn Stunden am Stück durchhalten, der Receiver soll auf bis zu elf Stunden kommen. Zusammen mit dem Ladecase sind laut Insta360 bis zu 30 Stunden Laufzeit möglich.
Im Test waren die Werte durchaus nachvollziehbar. Mit aktiviertem Auto Gain und schwacher Noise Cancellation lag der Verbrauch der Transmitter bei ungefähr 15 Prozent pro Stunde, der Receiver verlor im gleichen Zeitraum rund 10 Prozent Akkuladung. Selbst mit aktivierten Zusatzfunktionen bleiben damit problemlos mehrere Stunden Dauerbetrieb möglich.
Geladen wird insgesamt recht zügig. Im Test gewann der Akku innerhalb von zehn Minuten ungefähr zehn Prozent Ladung zurück. Dazu kommen Schnellladen sowie automatische Energiesparfunktionen wie Sleep-Modus, Auto-Power-Off und das automatische Ein- und Ausschalten zusammen mit kompatiblen Kameras.














