Design und Verarbeitung
Das Viwoods AiPaper kombiniert ein schlankes Gehäuse mit einem großzügigen E-Ink-Display und einem minimalistischen Design. Mit einer Dicke von nur 4,5 Millimetern und einem Gewicht von rund 370 Gramm ist es besonders dünn und leicht. Die Abmessungen von 247 × 178 Millimetern orientieren sich an einem klassischen Notizblock und bieten viel Platz für handschriftliche Notizen und Dokumente. Gleichzeitig bleibt das Gerät kompakt und handlich.

Bei der Handhabung macht das AiPaper eine gute Figur. Das geringe Gewicht und die schlanke Bauweise machen sich vor allem dann bemerkbar, wenn man das Gerät länger in der Hand hält. Auch an der Verarbeitung gibt es wenig auszusetzen. Das Gehäuse wirkt solide und ist sauber verarbeitet. Eine Besonderheit ist das Mobius-Display, das im Gegensatz zu herkömmlichen E-Ink-Panels auf einen flexiblen statt auf einen starren Glasträger setzt. Das macht den Bildschirm weniger anfällig für bestimmte mechanische Belastungen, schützt ihn aber nicht grundsätzlich vor Beschädigungen. Für den Transport ist eine passende Schutzhülle daher weiterhin sinnvoll.
Neben dem Eingabestift gehört auch ein Fingerabdrucksensor zur Ausstattung, der direkt in die Einschalttaste integriert ist. Damit lässt sich das AiPaper bequem und ohne Passworteingabe entsperren. Im Alltag funktioniert die Erkennung allerdings nicht immer zuverlässig. Mit einer Schutzhülle kann zudem die Taste etwas schwerer erreichbar sein.
Display und Schreibgefühl

Das AiPaper verfügt über ein 10,65 Zoll großes E-Ink-Display mit Carta-1300-Technologie. Bei einer Auflösung von 2660 × 1920 Pixeln erreicht es eine Pixeldichte von 300 PPI. Texte erscheinen entsprechend scharf, selbst kleine Schriftgrößen und feine Linien sind gut zu erkennen.
Die Carta-1300-Technologie bietet gegenüber älteren E-Ink-Generationen einen verbesserten Kontrast und einen schnelleren Bildaufbau. Neben Texten lassen sich damit auch Zeichnungen, Diagramme und Mangas gut darstellen. Bei Fotos stößt das Display dagegen an seine Grenzen. Da sämtliche Inhalte ausschließlich in Graustufen erscheinen, können gerade in dunklen oder kontrastarmen Bereichen Details verloren gehen.
Wie bei E-Ink üblich, nutzt der Bildschirm das einfallende Umgebungslicht. Das sorgt für eine papierähnliche Darstellung, die sich besonders beim längeren Lesen angenehm anfühlt. Eine integrierte Frontbeleuchtung fehlt allerdings. Wer abends im Bett oder bei schwachem Licht lesen möchte, benötigt deshalb eine zusätzliche Lichtquelle. Das kleinere AiPaper Mini ist hier mit einer eigenen Displaybeleuchtung besser ausgestattet.
Eine weitere Eigenheit ist das sogenannte Ghosting. Nach einem Seitenwechsel bleiben gelegentlich schwache Reste des vorherigen Bildes sichtbar. Durch eine vollständige Bildschirmaktualisierung lassen sich diese Rückstände in der Regel entfernen. Beim Lesen oder Schreiben fällt das kaum ins Gewicht, bei häufigen Bildwechseln dagegen schon.

Neben der Bildqualität spielt beim AiPaper vor allem die Stifteingabe eine wichtige Rolle. Viwoods setzt dafür auf EMR-Technologie, sodass der mitgelieferte W2 Stylus Pro ohne eigenen Akku auskommt. Die austauschbaren Spitzen ermöglichen es, das Schreibgefühl etwas anzupassen. Weichere Spitzen bieten mehr Widerstand, härtere gleiten direkter über das Display. Zusammen mit der leicht strukturierten Oberfläche entsteht ein Schreibgefühl, das tatsächlich an Papier erinnert. Besonders bei längeren Notizen lässt sich der Stift dadurch angenehm kontrolliert führen.
Viwoods gibt die Parallaxe, also den Abstand zwischen Stiftspitze und angezeigter Linie, mit weniger als 750 Mikrometern an. Beim Schreiben wirkt die Eingabe entsprechend direkt, ohne dass eine störende Verzögerung auffällt. Über eine Taste am Stift lässt sich unter anderem die Radierfunktion aufrufen oder eine eigene Schnellfunktion festlegen. Weniger überzeugend ist dagegen die Haptik des Stylus. Durch das leichte Kunststoffgehäuse wirkt er etwas einfacher als das Tablet selbst. Angesichts der Preisklasse hätte Viwoods hier ruhig etwas mehr Wert auf die Materialwahl legen können. Am insgesamt guten Schreibgefühl ändert das allerdings wenig.
Software, Android 13 und KI-Funktionen

Als Betriebssystem kommt Android 13 zum Einsatz, das Viwoods mit einer eigenen, auf Notizen und Organisation ausgelegten Benutzeroberfläche ergänzt. Anders als bei stärker geschlossenen E-Ink-Systemen lassen sich auch Apps von Drittanbietern installieren. Über den Google Play Store stehen zahlreiche Anwendungen zur Verfügung, etwa für die Dokumentenverwaltung, zum Lesen oder für die tägliche Organisation. Für die nötige Leistung sorgen ein Octa-Core-Prozessor mit bis zu 2,0 GHz, 4 GB Arbeitsspeicher und 128 GB interner Speicher. Für Notizen, E-Books und die Arbeit mit Dokumenten reicht diese Ausstattung aus.
Die Android-Basis bringt allerdings auch Einschränkungen mit sich. Viele Apps sind nicht für E-Ink-Displays optimiert, was sich vor allem bei Animationen, schnellen Bildwechseln und beim Scrollen bemerkbar macht. Auch beim Surfen im Internet reagiert das AiPaper spürbar träger als ein gewöhnliches Tablet. Gelegentlich bleiben zudem schwache Reste vorheriger Bildinhalte sichtbar. Wer hauptsächlich liest, schreibt oder Dokumente bearbeitet, dürfte damit gut zurechtkommen. Für häufige App-Wechsel und umfangreiches Multitasking ist das Gerät dagegen weniger geeignet.

Die Benutzeroberfläche bietet neben klassischen Notizbüchern auch Funktionen für die Tagesplanung, Aufgabenverwaltung und Organisation von Dokumenten. Damit lassen sich viele alltägliche Aufgaben direkt auf dem AiPaper erledigen. Die Bedienung ist allerdings nicht immer einfach. Einige Funktionen verstecken sich in verschachtelten Menüs, und auch das Zusammenspiel der einzelnen Anwendungen könnte besser sein. So lassen sich beispielsweise Notizen und Kalendereinträge nicht immer so flexibel miteinander verknüpfen, wie man es sich wünschen würde. Viwoods entwickelt die Software jedoch regelmäßig weiter und berücksichtigt dabei auch Rückmeldungen der Nutzer.
KI-Funktionen lassen sich über eine eigene Taste aufrufen. Damit können unter anderem handschriftliche Notizen in digitalen Text umgewandelt, längere Inhalte zusammengefasst oder Texte übersetzt werden. Auch beim Formulieren und Strukturieren von Informationen kann die KI helfen. Besonders bei Besprechungen oder längeren Mitschriften ist das praktisch, da sich handschriftliche Aufzeichnungen anschließend leichter weiterverarbeiten lassen.
Wie zuverlässig das funktioniert, hängt allerdings vom Ausgangsmaterial ab. Gut lesbare Handschrift wird in der Regel besser erkannt als hastige Notizen mit vielen Abkürzungen. Auch bei Zusammenfassungen können Informationen verloren gehen oder falsch wiedergegeben werden. Die Ergebnisse sollte man deshalb vor der Weiterverwendung kontrollieren. Bei vertraulichen Inhalten ist zudem wichtig, welche Daten für die KI-Verarbeitung an externe Dienste übertragen werden.
Lesen, Dokumente und Alltagstauglichkeit

Neben handschriftlichen Notizen eignet sich das Viwoods AiPaper auch als großformatiger E-Reader. Besonders bei PDF-Dokumenten macht sich das 10,65 Zoll große Display bezahlt. Fachartikel, wissenschaftliche Veröffentlichungen oder Bedienungsanleitungen lassen sich darauf deutlich angenehmer lesen als auf einem kleinen E-Reader. Auch EPUB-Dateien werden unterstützt. Dank der hohen Auflösung bleiben selbst kleinere Schriften gut lesbar. Bei umfangreichen PDF-Seiten im DIN-A4-Format muss man allerdings gelegentlich einzelne Bereiche vergrößern. Farbige Diagramme und Markierungen können zudem problematisch sein, da das Display ausschließlich Graustufen darstellt.
Praktisch ist die Möglichkeit, Dokumente direkt mit dem Stift zu kommentieren. Anmerkungen, Korrekturen und Markierungen lassen sich so unmittelbar auf der jeweiligen Seite ergänzen. Gerade beim Durcharbeiten längerer Texte oder beim Korrigieren von Unterlagen ist das eine sinnvolle Funktion. Für den Dateiaustausch bietet Viwoods unter anderem ViTransfer an, womit sich Dokumente über den Browser zwischen verschiedenen Geräten übertragen lassen. Auch Cloud-Dienste von Google und Microsoft können über entsprechende Android-Apps genutzt werden. Wie zuverlässig die Synchronisierung funktioniert, hängt dabei von der jeweiligen Anwendung ab.
Im AiPaper steckt ein Akku mit 4100 mAh. Da E-Ink-Displays bei der Darstellung statischer Inhalte kaum Strom benötigen, sind grundsätzlich lange Laufzeiten von mehreren Wochen möglich.





